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Hollywoods Wurzeln : Hinter dem Stetl liegt der Strand

  • -Aktualisiert am

Marilyn Monroe und Jane Russell vor Sid Grauman’s Chinese Theatre am Hollywood Boulevard, 1953 Bild: Photofest Archives

Wer glaubt, Hollywood sei jüdisch unterwandert, irrt. Hollywood wurde sogar von Juden gegründet. Die Wiener Ausstellung „Bigger Than Life“ zeichnet diese Erfolgsgeschichte nach.

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          In Gestalt von Carla Laemmle begrüßt die Besucher der Hollywood-Ausstellung im Jüdischen Museum die passende Akteurin: Nicht nur sprach die beeindruckende Dame 1931 den ersten Satz des ersten vertonten Dracula-Films, nicht nur ist sie die Nichte des legendären Gründers der Universal Studios, Carl Laemmle. Mit hundertundzwei Lebensjahren kann Carla mit Fug das Jahrhundert von Hollywood überblicken. Und nicht zufällig stammt die Familie Laemmle aus Europa: Carl emigrierte als Sechzehnjähriger 1884 aus Laupheim über den Atlantik. Ein Foto zeigt den stolzen Unternehmer, der 1915 in Hollywood das erste Großstudio eröffnet: Universal City.

          Der Schwabe Laemmle, der noch bis zu seinem Tod 1939 verfolgten jüdischen Bürgern seiner Heimat bei der Emigration half, war freilich eine geographische Ausnahme. Die anderen frühen Hollywoodmogule kamen auffallend oft aus den Shtetls Osteuropas. Die Brüder Warner, die auf einem Dokumentarbild wie eine stolze Boxriege aufgereiht posieren, stammten aus dem heute polnischen Krasnosielc; Adolph Zukor (Paramount) kam aus dem bettelarmen ungarischen Risce und hatte sich in der Textilbranche zum Pelzhändler hochgearbeitet, bevor er groß ins Filmbusiness einstieg. Samuel Goldwyn (eigentlich Schmuel Gelbfisz, Warschau, Jahrgang 1879); Louis B. Mayer (Minsk, 1895) und William Fox (Tulva in Ungarn, 1879) repräsentierten die große Auswanderungswelle der habsburgischen und zaristischen Ostjuden. Dass sich die boomende Filmindustrie bald in Kalifornien ansiedelte, hatte übrigens nicht nur - wie meist erzählt - mit dem sonnigen Drehwetter, sondern auch mit Repressionen durch rabiate, auch antisemitische Gewerkschaften an der Ostküste zu tun.

          Dagegen half vor allem Tarnung

          Auch einige der frühesten Stars der werdenden Traumstadt waren ausgewanderte Juden: Der Vamp Theda Bara etwa, die als Cleopatra keinen Ton sagte, dafür aber sehr viel Haut freilegte. Die konservativen Studiobosse, die später auch vorauseilend einen puritanischen Sittenkodex einführten, sahen sich schon ab den zwanziger Jahren konfrontiert mit militant antisemitischer Propaganda: Jüdische Bonzen würden in der schlüpfrigen Filmbranche brave christliche Mädchen verführen und überhaupt die amerikanische Moral untergraben.

          Gegen solch primitiven Protofaschismus half vor allem Tarnung: In den nun modischen Gangsterfilmen standen Iren und vor allem Italiener im Mittelpunkt, aber lieber keine Juden, obwohl die unter den echten amerikanischen Paten wacker mitmischten. Die beiden markantesten Filmgangster Hollywoods, Edward G. Robinson und Paul Muni, traten mit unverwechselbaren Visagen auf, aber lieber nicht unter ihren Geburtsnamen Emmanuel Goldenberg respektive Muni Wisenfreund. Die Mimikry zeitigte auch absurde Blüten wie bei Charlie Chaplin, der vor allem unter den Ostjuden Europas und New Yorks wegen seiner Armuts- und Einwandererthemen als Glaubensgenosse verehrt und als solcher auch von Schalom Alejchem bedichtet wurde.

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