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Diversität bei den Oscars : Hollywood öffnet sich schnell

  • -Aktualisiert am

Cynthia Erivo war bei den Oscars 2020 als einzige Schwarze für eine Schauspielkategorie nominiert. Bild: Reuters

Die amerikanische Filmakademie steht in der Kritik, die Oscars seien nicht divers genug. Das ändert sich langsam, manche fürchten aber die Einschränkung der Kunstfreiheit.

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          Das ging schnell. Zwei Wochen nach der Vorstellung des Programms „Aperture 2025“ für mehr Diversität in Hollywood lud die amerikanische Filmakademie jetzt eine breitgefächerte Gruppe potentieller Neuzugänge ein. Von den 819 Auserwählten, die mit den bislang etwa 8500 Mitgliedern der Academy über die Richtung der Filmbranche in den Vereinigten Staaten und die Oscars als ihre wichtigste Auszeichnung entscheiden, sind 45 Prozent weiblich, 36 Prozent nicht-weiß und 49 Prozent nicht-amerikanisch.

          Neben Urgesteinen wie Steven Spielberg, Robert Redford und Tom Hanks geben künftig unter anderen die asiatischstämmige Rapperin/Schauspielerin/Produzentin Awkwafina, „Desperate Housewife“ Eva Longoria und Sängerin Zendaya den Ton an. Auch Cynthia Erivo, für ihre Rolle in der Biographie „Harriet“ bei den Oscars 2020 als einzige Schwarze für eine Schauspielkategorie nominiert, mischt künftig mit – falls sie wie die übrigen 818 Filmschaffenden die Einladung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (Ampas) annimmt.

          Der Versuch, die weiße, männliche und in die Jahre gekommene Academy neu aufzustellen, geht auf das Jahr 2015 zurück. Unter dem Hashtag #OscarsSoWhite forderten Filmschaffende und Fans damals, mehr „People of Color“ zu beschäftigen. Für die Schauspielkategorien waren damals nur Hellhäutige nominiert. Seitdem hat sich zumindest bei der Zusammensetzung der Filmakademie einiges getan. Cheryl Boone Isaacs, die afroamerikanische Vorgängerin des Ampas-Chefs David Rubin, sprach jedes Jahr Hunderte Einladungen an Frauen, Schwarze und Nicht-Amerikaner aus.

          Inzwischen ist jedes vierte Akademie-Mitglied weiblich

          Im Jahr 2015 war nur jedes vierte Mitglied der Academy weiblich, inzwischen jedes dritte. Die Zahl der Filmschaffenden aus „underrepresented ethnic/racial communities“ hat sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelt und liegt jetzt bei knapp 20 Prozent. Von dem Ziel, die Zusammensetzung der Akademie dem Mix der Bevölkerung anzupassen, sei man noch weit entfernt, moniert Filmwissenschaftler Jason Squire.

          Wie die Nominierung der Britin Erivo als einzige Schwarze für die 92. Oscar-Verleihung zeigte, ist es mit Zahlen nicht getan. Auch der Erfolg der südkoreanischen Gesellschaftssatire „Parasite“, die Anfang Februar als erster nicht-englischsprachiger Film den Oscar als „Best Picture“ holte, genügte den Ampas-Diversitätsbemühungen nicht.

          Als die Bewegung Black Lives Matter nach dem Tod von George Floyd zu Protesten gegen Rassismus aufrief, stellte die Akademie Mitte Juni das Programm „Aperture 2025“ vor. „Aperture“ („Öffnung“ oder „Blende“) sieht von 2021 an zehn Produktionen in der Kategorie Bester Film vor, um Vielfalt zu garantieren. Für Vorstand und Vorsitzende der einzelnen Zweige wie Regie, Schauspiel und Drehbuch sind Seminare zu „unbewusster Voreingenommenheit“ geplant.

          Eine Task Force des Berufsverbands der Produzenten (PGA), die in Abstimmung mit der Filmakademie künftig über eine angemessene Vertretung der einzelnen Gruppen wachen soll, geht vielen dagegen zu weit. Da die geplante Einsatzgruppe auch einen Leitfaden für die „Eignung“ von Produktionen für Oscar-Nominierungen erarbeiten soll, fürchtet man um die künstlerische Freiheit. Ein anonymer Filmschaffender fragte im Branchenblatt „Variety“ provozierend: „Sind wir überhaupt noch frei?“

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