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Sundance Film Festival 2018 : Wieder wach

  • -Aktualisiert am
Paul Rudd und Sienna Miller in „The Catcher Was A Spy“ von Ben Lewin

Ben Lewins „The Catcher Was a Spy“ ist einer dieser konventionellen Biopics, die uns mit Ehrfurcht vor den Giganten erfüllen sollen, die einst die Erde bevölkerten. Paul Rudd spielt einen aufgemotzten Moe Berg, der in den 1920ern und 1930ern als jüdischer Catcher bei den Boston Red Sox Karriere machte. Nach seiner Ausmusterung geht er zum Secret Service, wird 1944 nach Deutschland geschickt, um Werner Heisenberg aufzuspüren und zu töten, der für die Nazis die Atombombe bauen sollte – oder hat er das Projekt gebremst? Berg studierte in Princeton, an der Columbia University und an der Sorbonne und sprach ein Dutzend Sprachen, auch Deutsch, allerdings nur bedingt passabel, was er mit Charme und großer Lebensfreude wettmacht. Mit Jeff Daniels, Guy Pearce, Paul Giamatti und Sienna Miller als Bergs etwas ratlose Lady.

Diverse gute Dokumentarfilme, darunter „RBG“ (über Ruth Bader Ginsburg, Richterin am Supreme Court, die beim Festival zu einem Gespräch erschien), und Biopics wie „Jane Fonda in Five Acts“ und „Robin Williams. Come Inside My Mind“.

David Kellman, Eddy Galland und Bobby Shafran in „Three Identical Stangers“ von Tim Wardle

Tim Wardles „Three Identical Strangers“ erzählt die Boulevardsensation von den Drillingsbrüdern, die bei der Geburt von einer Adoptionsbehörde getrennt wurden, nichts voneinander wissen und sich 19 Jahre später in New York über den Weg laufen. Eine Weile feiern sie das Leben, bis sie auf die dunklen Seiten der Welt der Sozialämter stoßen.

Yitzhak Rabin, Yassir Arafat und Shimon Peres in der Dokumentation „The Oslo Diaries“ von Mor Loushy und Danil Sivan

„The Oslo Diaries“, von den Israelis Mor Loushy und Daniel Sivan, behandelt die Geheimverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern in Norwegen zwischen 1992 und 1994, die kurz vor einem Friedensabkommen standen. Aber im Nahen Osten gibt es keine Lösungen, schon gar keine guten.

Kelly Macdonald in „Puzzle“ von Marc Turtletaub

In Marc Turtletaubs „Puzzle“ sehen wir Kelly MacDonald als Agnes, eine Ehefrau in Connecticut, die sich um Mann und Teenager-Söhne kümmert, in die Kirche geht, auf ihrer Geburtstagsparty ihren selbstgebackenen Kuchen auftischt und immerzu allen hinterherräumt. Bis ihr jemand ein aus 1000 Stücken bestehendes Puzzlespiel schenkt, das sie in Nullkommanichts zusammensetzt. Das führt sie zum Puzzle-Meister Irrfan Khan („Lunchbox“), einem reichen, lebensmüden indischen Tech-Erfinder, der in einsamer Pracht in Manhattan lebt und auf der Suche ist nach einem Partner, um beim nächsten Weltturnier teilzunehmen. Marc Turtletaub („Little Miss Sunshine“) zeigt hier eine bittersüße Romanze, die dank der beiden Hauptdarsteller und des Drehbuchs von Oren Moverman sämtliche Klischees überlebt.

Moverman hat nicht nur das Drehbuch zu „Puzzle“ geschrieben, sondern auch zwei Filme produziert („The Tale“ und „Wildlife“), die in der Sektion US-Drama liefen, und einen dritten, „Monsters and Men“, über einen weißen Polizisten, der in Brooklyn einen Schwarzen über den Haufen schießt.

Regisseur Babis Makridis bei den Dreharbeiten zu „Pity“

Schließlich Babis Makridis‘ „Pity“, über einen griechischen Anwalt, dessen Frau nach einem Unfall im Koma liegt und der das Mitleid genießt, das ihm von allen Seiten entgegengebracht wird. Angefangen bei der Nachbarin, die für ihn und seinen Sohn allmorgendlich einen Orangenkuchen zum Frühstück backt, über die Angestellte in der chemischen Reinigung bis hin zu seinem besten Freund und seinem Hund. Das Drehbuch stammt von Efthymis Filippou, der mit seinen Drehbüchern zu „Dogtooth“, „The Lobster“ und „The Killing of a Sacred Deer“ die neue griechische Absurdität auf die Spitze treibt. Pech nur für den Anwalt, dass seine Frau, um die er jeden Tag laut klagt, schließlich aufwacht und nach Hause kommt. In dem Moment hört das Mitleid auf.

Das geht nun wirklich nicht, oder?

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