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Helmut Markwort : Die Propaganda war gefährlich wie Gehirnwäsche

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Wollte nie Feuilleton-Redakteur werden: Helmut Markwort Bild: AP

Der „Focus“-Chef Helmut Markwort über seine Kindheit im Dritten Reich, die Amerikaner, den „Spiegel“, Bin Ladin, seine Rolle bei Burda und die Frage, wie es mit dem Verlag „Milchstraße“ weitergeht.

          Der „Focus“-Chef Helmut Markwort über seine Kindheit im Dritten Reich, die Amerikaner, den „Spiegel“, Bin Ladin, seine Rolle bei Burda und die Frage, wie es mit dem Verlag „Milchstraße“ weitergeht.

          Als Chef von „Focus“ kennt Sie jeder. Seit ein paar Tagen aber betreuen Sie für Burda den Verlag Milchstraße. Was passiert da im Augenblick?

          Ich spreche ausführlich mit den Chefredakteuren. Wir wollen die Mitarbeiter und die Zeitschriften besser kennenlernen, sortieren Fakten, wir vergleichen Zahlen und analysieren Probleme. Handeln können wir erst, wenn das Kartellamt den Kauf genehmigt hat.

          Sie leiten einen sogenannten „Integrationsausschuß“ Milchstraße. Das klingt, als bleibe dort alles, wie es war, nur unter anderen Vorzeichen. Da hat Dirk Manthey wohl nicht recht, wenn er von einer „feindlichen Übernahme“ spricht?

          Das war wohl ein lapsus linguae, denn Dirk Manthey hat ja seine wesentlichen Anteile schon lange verkauft, und zwar freiwillig. Wir bemühen uns um eine faire Zusammenarbeit, aber jeder kann sich ausrechnen, daß nicht jeder und alles bleiben kann, wenn ein Verlag einen anderen integriert.

          Was machen Sie eigentlich alles bei Burda? Oder besser gesagt: Was machen Sie nicht?

          Ich bin journalistisches Vorstandsmitglied, außerdem zuständig für Hörfunk und Fernsehen, arbeite aber in der Redaktion wie immer und hocke die ganze Freitagnacht hier herum und redigiere. Daß ich so lange arbeite und bis zu meinem 72. Lebensjahr unterschrieben habe - was später die Norm sein wird -, soll aber die tollen jungen Leute an meiner Seite nicht bremsen. Deswegen ist Uli Baur, zwanzig Jahre jünger als ich, jetzt Chefredakteur. Ich wollte Kollegen nach innen und außen aufwerten, damit sie kein Prinz-Charles-Syndrom erleiden. Menschen in Führungspositionen haben die Aufgabe, früh die Nachfolge zu regeln.

          Sie haben vor mehr als zehn Jahren „Focus“ gegründet. Hat es Sie gestört, daß „Focus“ so negativ beurteilt worden ist, gerade von intellektueller Seite?

          Natürlich habe ich mich darüber geärgert. Ich glaube, daß das weniger mit unserer modernen Erzählform zu tun hat. Wir waren diesen Linkskonformisten nicht political correct genug. Ich glaube, daß diese nichtlinke, bürgerliche Position, die im „Focus“ zu Wort kommt, die arbeitende Mehrheit anspricht: Leute, die ich so treffe, Mittelständler, die eher am Gelderwerb interessiert sind. Die arbeiten Tag und Nacht, die lesen nicht soviel, haben aber einen klaren Standpunkt. Daß ich für die eine Zeitschrift gemacht habe, hat viele gestört.

          Ich habe nie verstanden, daß Journalisten uns einen Mißerfolg gewünscht und hämisch prophezeit haben: Bald wird das Blatt eingehen, dann gibt es Abfindungen und sonst nichts. Journalisten sollten doch viele Blätter, Denkpositionen und auch Arbeitsplätze wollen. Außerdem lösen Neuheiten oft atavistische Reflexe aus. Die Griechen wußten dafür eine hübsche Begründung: Nachdem Pythagoras das Hypotenusenquadrat entdeckt hatte, opferte er den Göttern eine Hekatombe Rinder, und seitdem, so sagen die Griechen, brüllen die Ochsen immer los, wenn etwas Neues erfunden wird.

          Wären Sie gern Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ geworden?

          Das entspricht nicht meinem Temperament. Die „SZ“ ist ja ein Autorenblatt.

          Angeblich hat Gerd Schulte-Hillen Ihnen mehrmals den „Stern“ angeboten.

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