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Helmut Dietl : Der Regisseur macht seine Krankheit publik

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Helmut Dietl Bild: dpa

Berühmt geworden ist er mit den Fernsehserien „Monaco Franze“ und „Kir Royal“, seine wichtigsten Kinoerfolge waren „Schtonk“ und „Rossini“. Nun hat der Filmemacher Helmut Dietl seine Lungenkrebs-Erkrankung öffentlich gemacht.

          In einem am Donnerstag in der Print-Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ erscheinenden Interview äußert sich der Regisseur und Drehbuchautor Helmut Dietl erstmals - und, wie er betont - auch zum einzigen Mal öffentlich über seine schwere Erkrankung. Zu Anfang Oktober habe er die Diagnose eines Lungenkarzinoms erhalten, sagt der 69 Jahre alte Dietl.

          Seine Ärzte, so fasst das Internetportal “Zeit Online“ in einer Vorabmeldung Dietls Äußerungen zusammen, „räumten ihm ,im günstigsten Fall' eine Heilungschance von zehn Prozent ein – ,eher drunter'. Dietl sagt überdies, er sei von seiner Erkrankung nicht sehr überrascht gewesen: ,Wenn man bedenkt, wie viel ich geraucht habe, dann ist es geradezu ein Wunder, dass es so lange gut gegangen ist.' Er hatte nach eigener Berechnung ungefähr eine Million Gitanes geraucht, als er vor sechs Jahren damit aufhörte.“

          Der 1944 im oberbayerischen Bad Wiessee geborene Dietl begann seine berufliche Laufbahn als Aufnahmeleiter beim Fernsehen und Regieassistent an den Münchner Kammerspielen. Sein Fernsehdebüt als Regisseur gab er 1973 mit der inzwischen legendären Vorabserie „Münchner Geschichten“ über die Schwabinger Schickeria.

          „Vom Suchen und Finden der Liebe“

          Obwohl ihm Schwabing immer mal wieder zu eng wurde und er allerlei professionelle Fluchtversuche (etwa nach Hollywood) unternahm, befeuerte dass Schwabinger Milieu stets seine Kreativität. So drehte er im Jahr 1983, ebenfalls für den Vorabend, die Serie „Monaco Franze - der ewige Stenz“, um drei Jahre danach mit „Kir Royal“, den er mit dem WDR realisierte, auf dem Ruhmesgipfel anzukommen.

          1992 gelang ihm dann die Emanzipation von seiner bayerischen Heimat und die Ankunft im Kino. Mit dem Film „Schtonk“ über die gefälschten Hitler-Tagebücher (in Hauptrollen Uwe Ochsenknecht, Götz George und Christiane Hörbiger) wollte Dietl bewusst keine dokumentarische Behandlung der „stern“-Affäre realisieren, sondern vielmehr mit der Satire einen „Film über Deutschland“ und über die „Sehnsüchte der Deutschen“ machen. „Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ schloss 1997 nahtlos an den „Schtonk“-Triumph an.

          Als sein persönlichster Film gilt „Vom Suchen und Finden der Liebe“ (2005), für den er auch das Drehbuch schrieb und als Produzent wirkte.Sein jüngster Film „Zettl“ von 2011 fiel sowohl bei der Kritik als auch an der Kinokasse durch.Unter der Häme und den finanziellen Verlusten, die ihm dieses Projekt eintrug, habe er schwer gelitten, zitiert ihn die Vorabmeldung bei „Zeit Online“.

          Er habe, wird hinzugefügt, seine Diagnose selbst öffentlich machen wollen, wolle sich dazu aber nun nicht weiter äußern: „Ich möchte möglichst in Ruhe gelassen werden.“

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