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Harrison Ford wird 70 : Han Solo hätte längst den Tod verdient

Gefeiert als Actionheld und auch als humorloser Viehbaron: Harrison Ford bei der Premiere von „Cowboys und Aliens“ in Berlin am 8. August 2011 Bild: dapd

Im Krieg der Sterne gab es außer Weltruhm und Dollars nichts zu gewinnen. Harrison Fords Schauspielkunst und seinem Humor hat der Erfolg nicht geschadet. Jetzt feiert er seinen siebzigsten Geburtstag.

          Von allen fiktiven Leinwandpräsidenten würden die Amerikaner ihn, der in „Air Force One“ den Terror besiegte, zuallererst tatsächlich wählen. Was macht einer, der so viel Vertrauen genießt und dessen Filme mehr als drei Milliarden Dollar weltweit eingespielt haben, was also macht Harrison Ford mit seinem Ruhm?

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Er beklagt sich. Nicht lauthals, aber ausdauernd. Als James Lipton ihn im Jahr 2000 in seiner Show „Inside the Actor’s Studio“ danach fragte, wurde er sehr ernst und sagte: „Es ist schwer. Der Verlust der Privatsphäre wiegt sehr schwer.“ Da war „Star Wars“, der Film, mit dem der Rummel begann (und die Steigerung, die er später mit den „Indiana Jones“-Filmen erfuhr, kaum noch vorstellbar war) schon siebenundzwanzig Jahre alt. Über seine Rolle als Star aber, seine Macht in der Unterhaltungsindustrie, seinen einzigartigen Status unter den Großverdienern Hollywoods, über all dies klagt Ford nicht, sondern macht sich lustig.

          Überzeugendes Spiel zwischen Mensch und Replikant

          In „Cowboys und Aliens“, in dem er zuletzt bei uns zu sehen war, etwa als mächtiger, brutaler, rassistischer Viehbaron, der alles, was Ford eigentlich ist - nämlich freundlich, liebenswert, liberal -, erst noch werden muss. Oder in „Morning Glory“ zuvor, in dem er einen grummeligen Starjournalisten spielt, der viel über seine Socken nachdenkt. Dass er keinen Humor hätte, dass er das komische Potential, das in seinen Rollen immer steckte, nicht ausschöpfen würde, das kann man Harrison Ford wirklich nicht vorwerfen. Unter dem Gewicht seines überirdischen Ruhms wurden seine Rollen einfach immer platter, während seine Filme, zumindest bis zur Jahrtausendwende, fast immer garantierte Kassenschlager waren.

          Seine besten Rollen stammen aus den achtziger Jahren. Da ist zunächst „Blade Runner“ von Ridley Scott (1982), in dem es Ford fertigbringt offenzulassen, ob er überhaupt ein Mensch ist. Und 1985 dann „Der einzige Zeuge“ von Peter Weir. Darin spielt er einen Polizisten, der im Zug von Mordermittlungen in einem Dorf der Amish Unterschlupf findet. In einer berühmt gewordenen Szene tanzt er zu Sam Cookes „What a wonderful world“, das aus dem Autoradio kräht, mit Kelly McGillis einen Verführungstanz - vorsichtig, kurz leidenschaftlich, dann wieder lustig auf Abstand gehend -, und in diesen wenigen Minuten zeigt Ford mehr Ambivalenz, mehr differenzierte Gefühle, Gedanken und Instinkte, als die meisten anderen seiner Filme von ihm erwarteten.

          Es war ihm nicht in die Wiege gelegt, ein Mann zu werden, der überall wiedererkannt wird. Als es mit der Schauspielerei erst mal nicht klappte, wurde er Schreiner, was ihm wiederum die Bekanntschaft mit George Lukas einbrachte und alles, was folgte. Er kommt aus einer irisch-katholisch-russisch-jüdischen Familie. „Als Mann bin ich Ire“, sagte er einmal, „als Schauspieler Jude.“ Am 13. Juli wird er siebzig.

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