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„Ich bin dann mal weg“ im Kino : Auf dem Jakobsweg geht’s nicht zu Shiva

Wen trifft man hier eigentlich? Gott, Jahwe, Shiva, Ganesha, Brahma, Zeus, Vishnu, Wotan, Manitu, Buddha, Allah, Krishna oder Jehowa? Oder doch nur das Bodenpersonal? Devid Striesow spielt Hape Kerkeling. Bild: dpa

Vom sinnstiftenden Nutzen einer vorgezogenen Midlife-Krise: Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“ ist für das Kino verfilmt worden. Gelungen ist das erstaunlich gut.

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          Ein Wort reicht: ich. Gibt man das Pronomen erste Person Singular als Suchbegriff ein, vervollständigt Google mit – bin dann mal weg: Ich bin dann mal weg. Der Satz bleibt. Gehört zum Allerwelts-Kanon, seit unter diesem Titel 2006 ein Buch auf den Markt kam, dessen Auflage so hoch ist, dass es auf die eine oder andere Million schon gar nicht mehr ankommt. Vier Millionen Exemplare sind im Angebot, fünf, oder gar acht Millionen. Es reicht jedenfalls, um ein geflügeltes Wort zu prägen, das nicht nur Algorithmen sofort in den Sinn kommt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dabei stand am Anfang nichts als die vorgezogene Midlife-Krise eines Unterhaltungskünstlers, der sich, wie er sagte, nur noch auf der Bühne auskannte, aber nicht mehr im Leben. In seinem schon gar nicht: Hape Kerkeling wusste nicht, wohin. Also pilgerte er los und ging den Jakobsweg, von Südfrankreich bis nach Santiago de Compostela. Um etwas über sich und seinen Glauben herauszubekommen, vielleicht Gott zu begegnen und sein Seelenheil zu finden. Seine Sinnsuche war von Erfolg gekrönt, was sich nicht nur am Verkaufserfolg seines Buches und dem Umstand bemisst, dass die Zahl der Jakobspilger aus Deutschland seit dem Erscheinen von „Ich bin dann mal weg“ messbar zugenommen hat. Doch warum lesen das die Leute überhaupt und gehen jetzt – fast zehn Jahre später – in den Kinofilm?

          Der Stationenweg droht ein quälender zu sein

          In dem sehen wir einen übergewichtigen Kettenraucher, der sich so verbissen im Hamsterrad abstrampelt und solange vor sein Publikum tritt, bis es ihn umhaut. Verdacht auf Herzinfarkt mit Mitte dreißig, Tinnitus, Gallenkolik, Sendepause. Er solle drei Monate lang nichts tun, rät ihm der Arzt. Nichts liegt Hape Kerkeling ferner als zu entschleunigen. Allein mit sich – das erscheint als doch recht überraschungsarm, als Horror Vacui zum Anfassen und zum Davonlaufen, ergo: Last Exit Jakobsweg.

          Kinotrailer : „Ich bin dann mal weg“

          Auf dem ist im Kino Devid Striesow als Hape Kerkeling unterwegs und man denkt sich: Das kann nicht funktionieren. Ein bekannter Schauspieler stellt einen noch bekannteren Entertainer dar und sagt bei der Introspektion per pedes fortwährend die Kalendersprüche und Binsenweisheiten auf, die Kerkeling bei der Tour, die er vor nunmehr fünfzehn Jahren unternahm, in seinem Tagebuch notiert hat? Der Stationenweg droht ein quälender zu sein. Wird er aber erstaunlicherweise nicht. Nach zehn Minuten hat Devid Striesow das Kunststück vollbracht, jede Distanz zwischen ihm und der realen Person, die er spielt, aufzuheben und eine Kunstfigur zu erschaffen, deren Auftreten einem selbstverständlich erscheint. Die Regisseurin Julia von Heinz muss ihn nur laufen lassen, bei Regen oder bei gleißender Sonne, durch eine Landschaft, die der Kameramann Felix Poplawsky in üppigen Panoramen zur Geltung bringt.

          Hier wird nicht gepredigt

          Es war eine gute Entscheidung, dass sich Hape Kerkeling nicht selbst spielt und bei dem Film nicht durchregiert. Er ist Koautor, das Drehbuch aber haben Jane Ainscough, Sandra Nettelbeck und Christoph Silber geschrieben. Wer sich ein wenig im Geschäft und mit Kerkelings Habitus auskennt, kann sich an fünf Fingern abzählen, warum es so lange gedauert hat, bis aus dem Bestseller von 2006 ein Weihnachtsfilm im Jahr 2015 wurde. Kerkeling erzählt seine Geschichte, gibt – zumal in seinem neuen Buch, in dem er vom Freitod seiner Mutter schreibt –, intimste Dinge preis. Zugleich vermag er die Geschichten und Schlagzeilen, die das Unterhaltungsgeschäft, dem er entstammt, daraus macht und mit denen er rechnen muss, kaum auszuhalten, wie er kürzlich erst im Interview mit dem „Spiegel“ bekannte.

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