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Hannelorer Hoger als „Bella Block“ : Am liebsten würde sie die Verbrechen verhindern

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Gercke: Eine weibliche Heldin war schon eine Sensation. Es gab keine deutschen Kriminalromane mit Frauen und keine Autorinnen, abgesehen vielleicht von Irene Rodrian mit ihren Sozio-Krimis in den Siebzigern. Inzwischen gibt es mindestens dreihundert Krimiautorinnen, weil die Verlage gemerkt haben, daß es einen Markt gibt. Die Belletristik-Leser sind ja zu achtzig Prozent weiblich.

Sollte Bella Block also ein Frauenfilm sein? Von Frauen für Frauen?

Hoger: Eher durch und mit Frauen. Die persönliche Verbindung dreier Frauer spielt eine Rolle: die Autorin Doris Gercke, die Produzentin Katharina Trebitsch und ich. In der Figur von Bella Block findet sich von uns allen etwas. Katharina ist ein sehr integrer Mensch, wie ihr gerade verstorbener Vater Gyula es auch war. Sie hat mich durch den Winter gebracht. Inzwischen ist Bella Block übrigens bei der Ufa-Filmproduktion gelandet, die Produzenten sind Norbert Sauer und Selma Brenner. Und auch mit denen macht es viel Spaß, zu arbeiten.

Welche Rolle spielt das Alter von Bella Block?

Gercke: Das war auch eine Sensation.

Hoger: So eine Kommissarin - was glauben Sie, wie das auf den ersten Blick im Fernsehen ankommt? Wobei ich glaube, daß sich viele Frauen in der Figur wiederentdecken oder sich in sie hineinversetzen können oder es zumindest möchten. Aber Frau sein allein reicht natürlich nicht.

Wofür kämpft Bella Block?

Hoger: Sie kämpft für eine bessere Welt. Sie hat ein Anliegen, sie macht nicht nur ihren Job. Sie ergreift Partei.

Gercke: Ihr größter Feind ist eindeutig die Gleichgültigkeit. In den Filmen allerdings mehr als in den Büchern. Dort beobachtet sie nur. In den Filmen muß sie eingreifen, weil sie eine Polizistin ist. In den Büchern ist sie ja längst Privatdetektivin.

Hoger: Das stimmt nicht. Deine Figuren wollen immer etwas ändern. Bella Block will nicht nur Verbrechen aufklären, am liebsten würde sie sie verhindern.

Wußten Sie wirklich schon mit achtzehn, daß Sie Schauspielerin werden wollten?

Hoger: Mit fünfzehn!

Gercke: Ich wußte schon mit sechs, daß ich schreiben wollte.

Hoger: Und ich bin schon mit fünf bei meinem Vater im Theater aufgetreten.

Warum hat es dann so lange gedauert, bis Sie Ihren ersten Roman geschrieben haben? Da waren Sie über fünfzig.

Gercke: Es gibt viele Ausreden, die man sich zurechtlegen kann. Die Herkunft, die Sozialisation, das Vorurteil, daß Frauen nicht schreiben. Mit sechzehn Jahren wollte ich Juristin werden. Als ich dann aber Juristin war, dachte ich, es stimmt immer noch etwas nicht. Du mußt machen, was du wirklich willst. Ich dachte, das, was ich lese, will ich auch gerne schreiben. Diesen Wunsch habe ich behalten. Es hat eben etwas gedauert.

Hoger: Ich wollte Schauspielerin werden, und ich wußte auch nichts anderes. Ich bin früh von der Schule abgegangen, mit der mittleren Reife. Dann durfte ich noch nicht auf die Schauspielschule, weil ich zu jung war. Ich habe gewartet, die Handelsschule gemacht und Sprachen gelernt. Ich hatte keine großen Vorstellungen oder Träume außer - Schauspielen.

Gercke: Mir tut es nicht leid, daß ich so spät angefangen habe mit dem Schreiben, ich habe meinen Stoff mein Leben lang gesammelt.

Hoger: Und ich könnte mir für Bella Block noch einiges vorstellen. Sie könnte auch im Film Detektivin werden. Aber dann müßte es noch etwas härter zugehen. Und Doris Gercke das Drehbuch schreiben.

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