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Hannelorer Hoger als „Bella Block“ : Am liebsten würde sie die Verbrechen verhindern

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Gercke: Daß ich Krimis schreiben wollte, wußte ich schon immer, auch wenn ich selber keine Krimileserin war: Es erscheinen 80.000 neue belletristische Titel pro Jahr. Wie wollen Sie sich da als unbekannter Autor bemerkbar machen? Das ist Harakiri. Freunde, die Krimileser sind, haben mich auf das Metier gebracht. Krimileser lesen sehr schnell, sie lesen sehr viel, und sie reden untereinander über die Bücher. Ich habe mir gedacht: Wenn ich einen Krimi schreibe und man über das Buch redet, dann habe ich es geschafft. Ich glaube außerdem, daß der Kriminalroman in der Literatur dasjenige Genre ist, das unsere Gesellschaft am zutreffendsten beschreibt, nach wie vor.

Das Witzigste, was mich jemand nach einer Lesung mal gefragt hat, war: Warum schreiben Sie denn Kriminalromane? Sie können doch schreiben! Ich schreibe realistische Bücher. Ich schreibe, wie die Welt ist oder wie ich sie sehe. Gelernt habe ich von Sjöwall/Wahlöö. Als ich deren Bücher gelesen habe, in den sechziger Jahren, war in Deutschland die Rede vom schwedischen Sozialismus. Ich habe die Romane gelesen und gedacht: Aha, so ist das mit dem Sozialismus. Das ist nichts weiter als ein aufgeputschter Kapitalismus, der funktioniert, solange er funktioniert. Und dann habe ich verstanden, daß man auch unsere gesellschaftlichen Verhältnisse am besten im Krimi erfaßt.

Hoger: . . . ohne die ganze hohen literarischen Ansprüche eines Dostojewski erfüllen zu müssen . . .

Gercke: Vielleicht aber auch doch. Leider hat das Feuilleton die Bedeutung des Krimis immer noch nicht erkannt. Sie werden ja kaum besprochen . . .

Hoger: Das finde ich auch seltsam. Wobei natürlich längst nicht alle Krimischreiber etwas mit dem Widerspiegeln der Realität am Hut haben.

Stört Sie eigentlich die Popularität von Bella Block? Mit der Sie eventuell inzwischen verwechselt werden?

Hoger: Ich glaube, daß mich das Publikum nicht nur als Bella Block kennt. Und wenn - es stört mich nicht wirklich. Ich profitiere auch am Theater von der Figur im Fernsehen. Abgesehen davon, kann ich mit Bella Block viel von mir erzählen. Ich bin zum Beispiel mitunter genauso launisch. Wobei man gar nicht glaubt, wie sehr bei vielen Menschen die Ansicht vorherrscht, man sei genau so wie die Rolle und nicht anders. Aber ich bin Schauspielerin, nicht Fernsehkommissarin.

Als Sie mit der Rolle begonnen haben, war es etwas Besonderes, daß es um eine Kommissarin geht, nicht um einen Kommissar?

Gercke: Ja, aber für mich mußte es selbstverständlich eine Frau sein. In den amerikanischen Krimis, die ich bis dahin kannte, waren die Frauen immer jung, blond, langweilig und blöd. Ich dachte mir, das kann es nicht sein. Allerdings habe ich mich nicht lange mit Geschlechterklischees aufgehalten.

Hoger: „Bella Block“ war von Beginn etwas Besonderes. Zumal sie als Frau eine ganze Reihe männlicher „Tugenden“ mitbringt: Sie säuft, sie ist erotischen Abenteuern nicht abgeneigt . . .

Danach fragt heute keiner mehr.

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