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Hannelorer Hoger als „Bella Block“ : Am liebsten würde sie die Verbrechen verhindern

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Hoger: Ich habe die Rolle angeboten bekommen und die Bücher gelesen, drei an der Zahl. Dann mußte unsere Produzentin Katharina Trebitsch es beim Fernsehen erst einmal durchsetzen. Zuerst wurde mit dem Bayerischen Rundfunk verhandelt, der wollte aber eine andere Besetzung. Dann hat sich Hans Janke vom ZDF der Sache angenommen. Ich finde übrigens, daß von der Romanfigur im Film viel bleibt.

Gercke: Das liegt an dir.

Hoger: Nicht nur an mir. Es hat auch mit den Drehbüchern zu tun. Die beiden Bella Blocks sind zweieiige Zwillinge, wenn Sie so wollen.

Ich erinnere mich an Filme, in denen es fast nur um Bella Block ging, in anderen war sie eher eine Randperson.

Hoger: Randfigur? Nein. Bella ist immer Hauptfigur gewesen. Die unterschiedliche Betonung liegt an den Autoren und den Regisseuren, die ja zum Teil auch selber geschrieben haben.

Warum haben Sie als Autorin der Krimis kein Drehbuch geschrieben?

Gercke: Ich habe mal Drehbücher geschrieben, zu anderen Filmen. Aber das ist nicht meine Art von Arbeit. Film ist Arbeit im Kollektiv. Beim Schreiben bin ich allein, und das ist das Beste, was man sich vorstellen kann.

Sie haben spät angefangen zu schreiben. Und sind gleich bei Bella Block gelandet. So als ob Sie zwanzig Jahre an der Figur gearbeitet und sich dann an den Computer gesetzt hätten.

Gercke: Nein, die Figur ist spontan beim Schreiben entstanden. Übrigens nicht am Computer, ich schreibe meine Bücher mit der Hand. Es gibt Bella Block jetzt seit siebzehn Jahren. Es gab Krisen zwischendurch, als ich dachte, ich könne sie nicht mehr ertragen.

Hoger: Mir gefallen deine Bücher auch unterschiedlich, mal mehr, mal weniger.

Gercke: Ich habe zwischendurch zwei Krimis unter Pseudonym geschrieben, die nicht besonders gut liefen. Ich wurde aber immer wieder gefragt: Wann kommt der nächste Bella Block?

Hoger: Aus deinen anderen Büchern könnte man vielleicht kleine Underground-Filme machen.

Gercke: Wenn es noch Underground-Filme gäbe. Hier geht es um das Fernsehen, und dort arbeiten Leute, über deren Köpfen immer ein Schwert hängt, das Quote heißt.

Ist Bella Block nicht der härteste Krimi im im deutschen Fernsehen überhaupt? Die Geschichten sind meist erschütternd, den menschlichen Abgründen nahe. Es geht um Gewalt an Kindern, unter Kindern, Verwahrlosung, Gleichgültigkeit, Verbrechen vor aller Augen. Bella Block arbeitet sich an der Gesellschaft ab. Sie lebt nicht in einer Kunstwelt.

Hoger: Das stimmt. Aber ob es der härteste Krimi ist? Es ist übrigens immer ein anderer Blick auf die Welt, weil so viele verschiedene Drehbuchautoren an Bella Block schreiben. Mir persönlich gefällt das, daß Autoren, Regisseure und das Personal bei Bella Block sich abwechseln. Ich bin ja auch immer unterschiedlich.

Gercke: Du siehst heute zum Beispiel als Bella Block noch viel besser aus.

Hoger: Na, das finde ich nicht gerade. Eine Thema, das mich sehr bewegt hat, ist die Gewalt gegen Kinder. Wobei man im Film längst nicht alles zeigen kann, was in den Romanen steht.

Gercke: Man könnte, aber das Fernsehen tut es nicht.

Warum schreiben Sie Krimis und nicht Romane?

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