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Zum Tod von Rip Torn : Gute böse Miene

Rip Torn Bild: Reuters

Es gibt Nebendarsteller, ohne die sämtliche Stars und Charaktermimen haltlos im Bild hängen würden. Rip Torn war so einer. Jetzt ist der Schauspieler gestorben.

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          Rechts neben Will Smith steht in einer gloriosen Szene des ersten „Men in Black“-Films aus dem Jahr 1997 ein Mann und tut fast nichts, aber das auf sehr einprägsame Art. Smith, wie immer glitzernd vor Frechheit, hat eben einen Pappaufsteller abgeknallt, der ein achtjähriges Mädchen darstellt. Er erklärt, warum das richtig war und das vermeintliche Kind eine Bedrohung. Der Mann neben ihm schaut erst zu Boden, dann lächelt er, dann schüttelt er den Kopf und geht. Fast nichts, wie gesagt, aber so kunstvoll, dass Smith’ dichter Gag-Monolog dadurch einen edlen Rahmen bekommt, ein Gewicht, einen Wert. Der Mann neben ihm war Rip Torn.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Zehn Jahre später: In einem raffiniert gedämpft servierten Moment der Fernsehserie „30 Rock“ setzt sich ein Mann von links auf eine Bank zu Alec Baldwin, der gerade eine Gewissenskrise durchleidet. Der Mann, Baldwins höchstrangiger Vorgesetzter, eine bullige, dunkle Körperskulptur konzentrierter Kapitalmacht, fragt ganz leise nach Baldwins Gesundheit, und Anteilnahme, Bedrohung und Ermutigung halten einander dabei so perfekt im Gleichgewicht, dass dieser Jack, den Baldwin hier gibt, von der Witzfigur plötzlich zum Menschen wird, dem man sich nahe glaubt, bis die nächste Pointe diese Empfindung lustvoll abmurkst. Der Mann, der den Chef spielte, war Rip Torn.

          Es gibt Nebendarsteller, ohne die sämtliche Stars und Charaktermimen der Filme und Serien, die wir lieben, haltlos im Bild hängen würden wie die brillante Auftaktzeile eines Gedichts, auf die keine zweite folgt, die ihr Versprechen erfüllt, mit Reim oder ohne. Rip Torn gehörte zu diesen Schauspielern, auf der Broadway-Bühne, im Kino (wo ihm seine Arbeit in Martin Ritts „Cross Creek“ 1984 eine Nebenrollen-Oscar-Nominierung eintrug), im Fernsehen und auch als Stimme in Trickfilmen oder Computerspielen. Mit manchmal lakonischen, gelegentlich sogar stummen Auftritten veredelte er das Wirken anderer und erarbeitete sich dabei ein markantes Ausdrucksprofil – eine Stirn voll Furchen und Runzeln, manchmal ein Schmunzeln, Berühmtheit wohl nicht, aber ein starkes Gesicht. Am Donnerstag ist Rip Torn im Alter von achtundachtzig Jahren in Lakeville, Connecticut gestorben.

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