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Bilanz Filmfestival Venedig 2017 : Uns leuchtet ein Seestern

  • -Aktualisiert am

Der Meister und die gute Fee: Regisseur Guillermo del Toro mit der Schauspielerin Sally Hawkins. Bild: AFP

Guillermo del Toro hat mit „The Shape of Water“ in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Damit zeigt das Filmfestival, auf dem es allerhand Belangloses aus aller Welt zu sehen gab, dass es nicht von gestern ist.

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          Es gibt ein paar befremdliche Hinweise darauf, dass sich das Filmfestival von Venedig (wie viele andere fixe Einrichtungen im Kulturkalender derzeit) selbst heimlich für ein bisschen zurückgeblieben hält, also für eine Sache nicht nur von letzter Woche, sondern im erweiterten Sinn „von gestern“: Der kopfscheue, dieselbe Mitteilung oft mehrmals am Tag bekanntgebende Eifer beim Aufhängen seiner Neuigkeitenwäsche in den elektronischen Netzen gehört dazu, ebenso wie der einerseits aufdringlich pressierliche, andererseits irgendwie verklemmte Stolz, mit dem die Medienarbeit der Veranstaltung auf dem blutjungen Genre „virtuelle Realität“ herumreitet.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Kritik wie das Publikum müssen wohl damit leben, dass Festivalgremien im derzeitigen, medienpanisch aufgeheizten Epochenmoment des fliegenden Plattformwechsels audiovisueller Inhalte von der Riesenleinwand aufs Smartphone und retour davon schwärmen, dass man mit einem klobig-komischen Apparat auf dem Kopf eine mäßig originelle Gespenstergeschichte von Tsai Ming-Liang erleben kann, als spuke man selbst in ihr herum. Dazu gehört auch, dass man für digital generierten Schnickschnack, der den Gleichgewichtssinn mit abgeschmackten Weltraumspaziergangstäuschungen narrt, mittlerweile selbst in Cannes Preise bekommt (so geschehen dieses Jahr mit „Home: A VR Spacewalk“ des britischen Studios Rewind), ja dass zum selben Termin ein Filmemacher wie Alejandro González Iñárritu, der sich eigentlich doch besonders gut darauf versteht, ein zweidimensionales Leinwandwerk vermittels Bewegung ins Fluchtpunktzentrierte zu vertiefen, mit „Carne y Arena“ Anschluss an jene Mode sucht, deren Feier ein Biennale-Beweger und Virtual-Reality-Enthusiast namens Michel Reilhac zu einer der Hauptattraktionen von Venedig machen will.

          So kam’s, dass Gina Kim auf dem Festival mit „Bloodless“ Neugierigen einen begehbaren Sexualmord anbot, begangen von einem amerikanischen Soldaten an einer Sexarbeiterin in Südkorea, und dass andere mit den erwartbaren Zappel-, Hampel-, Wackel- und Science-Fiction-Stoffen von der Tatsache abzulenken suchten, dass die Technik dieser, na ja, Werke zwar brandneu ist, ihr kindisches Beharren auf dem armen Gedanken, Kunsterfahrungen seien irgendwie dadurch zu steigern, dass man sie wirklichen Erfahrungen stärker annähere, hingegen älter und erledigter gar nicht sein könnte – Fallobst der Simulationstheorien und Theoriesimulationen der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

          Zwar ist einiges von diesem Zeug auf die eine oder andere (etwa stoffliche, wahrnehmungspsychologische usw.) Art irgendwie dann doch „interessant“, aber das gilt auch für einen Verkehrsunfall, dessen Zeuge man zufällig wird – und dafür schafft ja auch (bis jetzt) niemand eine eigene Sparte bei ästhetischen Wettbewerben.

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