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Gruner + Jahr : Prost Prominenz!

Gruner + Jahr produziert weltweit Zeitschriften Bild: dpa

Aufstrebende Schauspielerinnen zieren das Magazin in Polen, die königliche Familie winkt vom spanischen Titelblatt. Eine Gala für die „Gala“: Wie man mit Gruner + Jahr um die Welt reist.

          In achtzig Tagen um die Welt, das wäre für Torsten-Jörn Klein nicht das richtige Tempo. Der Mann nimmt mehr Fahrt auf. In drei Tagen durch Europa, das ist schon eher nach seinem Geschmack. Wer mit dem Gruner + Jahr-Vorstand, der für das Auslandsgeschäft in sieben von neun Ländern zuständig ist, Schritt halten will, ist am Ende doch froh, daß sein Berichtsland China nicht auf der Route stand. Zumindest diesmal nicht.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Seit Januar ist Klein bei Gruner + Jahr für das internationale Zeitschriftengeschäft zuständig. Außer in die Vereinigten Staaten und nach Frankreich, wo der G + J-Urvorstand Axel Ganz residiert, darf er sich überallhin trauen, und wo er hingeht, da verbreitet er gute Stimmung. So gut, daß man im nachhinein sogar versteht, daß die Redakteure im Berliner Verlag in hohen Tönen von ihm sprechen, obwohl er in seiner dortigen Zeit als Geschäftsführer an die hundert Leute entlassen mußte.

          Er reist durch die Lande und reißt die Leute mit

          Er hat es gern mit Redakteuren zu tun, unterhält sich genauso engagiert über Quartalszahlen wie über gemeinsam mit den Kreativen gewonnene Schlachten. Er reist durch die Lande und reißt die Leute mit - in Österreich, Spanien und Polen, wo der Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt ähnliche Schwierigkeiten wie in Deutschland kennt, aber nicht die hiesige Tristesse als Normalzustand und Lebensform.

          Klein muß es hart angegangen sein, als die "Berliner Zeitung" im Juni 2002 vom Mutterkonzern Gruner + Jahr an Holtzbrinck abgestoßen wurde, was die gesamte Branche bis heute bewegt, da sich die Bemühungen der Bundesregierung um eine Reform des Pressefusionsrechts zu einem ungut Teil mit den Sonderinteressen dieses Zeitungshauses decken, das zur Zeit weder die neuerworbene "Berliner Zeitung" noch den "Tagesspiegel", die quasi fusionieren sollten, so richtig besitzt.

          Sechzehn neue Zeitschriften in diesem Jahr

          Doch mit dem Zeitungsgeschäft hat Torsten-Jörn Klein, der 1964 im Osten Berlins geboren wurde, mit sechsundzwanzig durch einen glücklichen Zufall als Praktikant zu Bertelsmann kam (er hatte eine Studentenorganisation für Wirtschaftswissenschaftler in Berlin gegründet), und 1997 Vertriebschefs der Buchclubs wurde, bevor er zu G + J wechselte, seit ziemlich genau einem Jahr nichts mehr zu tun.

          Dafür hat er maßgeblich daran mitgewirkt, daß seither vierzehn von sechzehn für dieses Jahr geplante neue Zeitschriften erschienen sind. Womit wir in Madrid und dem vergangenen Montag wären - die erste Station Wien nicht zu vergessen, wo Gruner + Jahr den Großteil des News-Verlags mit einem Jahresumsatz von 160 Millionen Euro und sechzig Prozent Anteil am Anzeigenmarkt besitzt, aber immer wieder die Rede von China ist, da es den österreichischen G + J-Statthalter Rudi Klausnitzer geschäftlich nicht selten dorthin zieht.

          Große Gala für die neue "Gala"

          In Madrid jedoch bat Gruner + Jahr nun ins Kasino zur großen Gala für die neue "Gala". Siebenhundert Gäste - deren Prominenz wir vor allem daran erkennen konnten, daß manche in der ersten Ausgabe der Zeitschrift auftauchten - drängten sich in einem Saal, in dem vierhundert Menschen es eng gehabt hätten, und beklatschten den "Triumph von Letizia", der Gattin des Kronprinzen, von welchem der Titel der "Gala" kündet, der aber zugleich den Triumph von Gruner + Jahr und dem spanischen Verlag Vocento meint.

          Als Fünfzig-zu-fünfzig-Partner investieren die beiden Verlage fünf Millionen Euro nur fürs Einführungsmarketing, haben eine Auflage von 500 000 Stück gedruckt und - wie Klein am Morgen danach erleichtert feststellt - allein am Erscheinungstag 100 000 Exemplare verkauft. Die "Gala" ist am Dienstag in manchen der großen Zeitungskioske in Madrid schon gar mehr nicht zu finden - allerdings nicht, weil sie ausverkauft gewesen wäre, sondern da sie unter Angel- und Rätselmagazinen liegt.

          Sie kam jedenfalls nicht immer neben dem anderen neuen Frauenklatschmagazin "Diva" zur Ansicht, das sich die drei größten Konkurrenten von Gruner + Jahr auf den Tag genau einfallen ließen, als sogenannten "Spoiler", als Spielverderber also, als welcher sich auch das Platzhalterblatt "Ola" entpuppt, das sein Erscheinen von Donnerstag auf Dienstag vorgezogen hat.

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