https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/groesste-kinokette-droht-filmstudio-universal-mit-boykott-16746615.html

Filme im Netz : Weltgrößte Kinokette droht Universal mit Boykott

  • Aktualisiert am

Der Animationsfilm „Trolls World Tour“ sollte eigentlich in die Kinos kommen, wird jetzt aber gestreamt. Bild: dpa

Das Filmstudio Universal will Neuerscheinungen künftig nicht nur im Kino, sondern auch online präsentieren. Die Kinokette AMC reagiert empört.

          1 Min.

          Der Filmtheater-Betreiber AMC, zu dem in Deutschland die UCI-Kinos gehören, will keine Filme des Studios Universal mehr zeigen. Auslöser für die Drohung war die Ankündigung eines Top-Managers, Filme in Zukunft gleichzeitig in die Kinos und in den Online-Verleih zu bringen.

          Traditionell werden neue Filme erst im Kino gezeigt und stehen erst einige Monate später zum Kauf oder Ausleihen sowie Streaming zur Verfügung. Dieses Zeitfenster ist in den vergangenen Jahren bereits kürzer geworden und es gab auch Ideen, Filme zeitgleich zu ähnlichen Preisen wie beim Kinobesuch einer Familie online zu verleihen.

          100 Millionen Dollar in drei Wochen

          Die Schließung der Kinos in der Corona-Krise schob nun Kinostarts auf. Einige Filme wie der Animationsfilm „Trolls World Tour“ von Universal gingen aber direkt in den sogenannten Premium-Online-Verleih für knapp 20 Dollar in den Vereinigten Staaten und 15 Euro in Europa. Für Universal zahlte sich das aus: In drei Wochen spielte der Film allein im amerikanischen Markt knapp 100 Millionen Dollar ein, wie das „Wall Street Journal“ am Dienstag berichtete. Der Chef von NBC Universal, Jeff Shell, machte in der Zeitung eine weitreichende Ankündigung: „Wir gehen davon aus, dass wir Filme in beiden Formaten veröffentlichen werden, wenn die Filmtheater wieder öffnen.“

          AMC, die weltgrößte Kinokette, konterte mit einem offenen Brief. „Ab sofort wird AMC keinen Film von Universal in einem seiner Kinos in den Vereinigten Staaten, Europa oder dem Mittleren Osten vorführen“, schrieb AMC-Chef Adam Aron. Genauso werde der Kinokonzern auch gegen jedes andere Studio vorgehen, das den Exklusiv-Zeitraum für Filmtheater nicht einhalten wolle. Bestrebungen von Universal, Filme zum Kinostart auch zuhause verfügbar zu machen, seien bereits seit Jahren bekannt.

          Kinos stehen angesichts des Streaming-Booms der vergangenen Jahre bereits unter Druck und hielten sich unter anderem dank Blockbustern wie den „Marvel“-Comic-Verfilmungen über Wasser. Zugleich wurde mitten im Streit zwischen AMC und Universal bekannt, dass in diesem Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie einmalig auch Filme in die Oscar-Auswahl kommen werden, die nicht im Kino liefen. Bisher hatten Streaming-Dienste wie Netflix ihre Exklusiv-Produktionen zumindest in wenige Kinos gebracht, damit sie ins Rennen für einen Oscar gehen.

          Weitere Themen

          Ausbrüche aus dem Bendlerblock

          Adel und Nationalsozialismus : Ausbrüche aus dem Bendlerblock

          Vier junge Frauen aus preußischem Militäradel auf eigenen Wegen: Gottfried Paasche erzählt aus der Geschichte seiner Familie Hammerstein. Der Großvater zählte zu den Skeptikern und Gegnern Hitlers in der Reichswehrführung.

          Zeitgeist im permanenten Krisenzustand

          Emily Segals New York-Roman : Zeitgeist im permanenten Krisenzustand

          Ein Smoothie aus zeitgenössischem Garnichts: Emily Segal hat eine „fiktionale Ethnographie“ der Start-up-Welt geschrieben. „Rückläufiger Merkur“ lebt stärker von seinen Beschreibungen, als dass es eine durchdachte Erzählung wäre.

          Die nächste Senta-Sensation

          Bayreuther Festspiele : Die nächste Senta-Sensation

          „Der fliegende Holländer“ in der Inszenierung von Dmitri Tcherniakov funktioniert bei den Bayreuther Festspielen noch besser als im Vorjahr. Und das auch dank einer umwerfenden Hauptfigur: Elisabeth Teige.

          Topmeldungen

          Ministerpräsident Fumio Kishida (Mitte unten) mit Kabinettsmitgliedern

          Japan nach Mord an Abe : Die Partei und die Sekte

          Japans Ministerpräsident forciert eine Trennung zwischen seiner Regierungspartei und der religiösen Sekte der Vereinigungskirche. Denn seine Umfragewerte sind auf einem bisherigen Tiefstand.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.