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„Grindelwalds Verbrechen“ im Kino : Kleines Kinokalamitäten-Einmaleins

Noch so ein Böser aus der Harry-Potter-Welt: Johnny Depp spielt den Zauberer Grindelwald. Bild: AP

Aus eins mach fünf: Der zweite Teil von J. K. Rowlings „Phantastischen Tierwesen“ lässt Böses für die geplanten drei Fortsetzungen befürchten.

          Kennen Sie Albus Dumbledore? Minerva McGonagall? Die Familie Lestrange? Gellert Grindelwald? Dann haben Sie „Harry Potter“ gelesen, und es wird Sie interessieren, wie diese Herrschaften das wurden, als was wir sie kennen: Dumbledore als Schulleiter des Zauberer-Internats Hogwarts, McGonagall als seine engste Vertraute, die Lestranges als eine lupenreine Zaubererfamilie und Grindelwald als Inbegriff des Bösen – bis er von Tom Vorlost Riddle alias Lord Voldemort getötet und als Hauptbösewicht in der Parallelwelt, die J.K. Rowling erschaffen hat, abgelöst wurde. Um die Neugier auf die Vorgeschichte all dieser magisch begabten Persönlichkeiten zu befriedigen, hat Rowling sich einen neuen Zyklus fürs Kino ausgedacht, der unter dem Obertitel „Phantastische Tierwesen“ firmiert.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Wieso das, wo es doch um Zauberer geht? Weil die englische Autorin 2001, also noch während ihrer Arbeit am siebenteiligen „Harry Potter“-Zyklus, ein kleines Nebenwerk von 64 Seiten geschrieben hatte, das einem Lexikon nachgebildet war, das in der Hauptreihe als Lektüre des Helden erwähnt wird: „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, verfasst von einem gewissen Newt Scamander, über den man aber weder anlässlich der beiläufigen Erwähnung noch dann in dem schmalen Band viel erfährt. Natürlich wurde das Buch begeistert gelesen, doch als vor zwei Jahren ein Film mit demselben Titel angekündigt wurde, durfte man sich fragen, wie man aus lauter lexikalischen Einträgen über Fabeltiere eine Geschichte für die Leinwand machen kann – zudem eine, die auf fünf Teile angelegt ist. Und in der Tat fragt man sich das heute immer noch, nachdem nun immerhin bereits der zweite Teil in die deutschen Kinos gelangt ist.

          Reiner Etikettenschwindel

          An den „Harry Potter“-Verfilmungen (acht Filme auf der Grundlage von sieben Bänden) hatte sich J.K. Rowling als Autorin gerade einmal „beratend“ beteiligt; ansonsten strich sie als Mitproduzentin einen gehörigen Teil der weltweiten Milliardeneinnahmen ein. Bei „Phantastische Tierwesen“ jedoch hielt sie keinen Drehbuchautor für geeignet, auf der Grundlage einer so dünnen Textvorlage einen Kino-Zyklus zu schaffen, also schreibt sie die Drehbücher diesmal selbst. Das hat den Vorteil, dass die Schöpferin die Weiter- oder besser noch: Zurückentwicklung ihres Erzählkosmos kontrolliert. Und es hat den Nachteil, dass J.K. Rowling eine Romanautorin ist, die vom Drehbuchschreiben erkennbar nicht viel versteht. Denn selbst jeweils mehr als 130 Minuten Film wie in den beiden ersten Teilen von „Phantastische Tierwesen“ bieten nicht dieselbe Möglichkeit zur Geschichtenentwicklung wie ein schmaler Roman. Aber Rowling packt so viele Personen hinein, als hätte sie wieder einen ganzen Romanzyklus in Arbeit.

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