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Grimme-Preis : Manche Wege führen nach Marl

Abräumer bei den Grimme-Preisen: „Das Wunder von Lengede” Bild: dpa

Bernd das Brot, Lengede und Schleyer als Gegenprogramm: Der Grimme-Preis prämiert, was dem Deutschen Fernsehpreis fehlt.

          5 Min.

          Lutz Hachmeister kehrt zurück. Der einstige Chef des Grimme-Instituts bekommt den Preis, bei dessen Vergabe er seinerzeit in den berüchtigten Jurydebatten heftig mitmischte, im Jahr von dessen vierzigstem Bestehen für seine Dokumentation "Schleyer. Eine deutsche Geschichte". Er bekommt den Preis nicht nur einfach so, sondern auch noch mit einer Extrabelobigung, die etwas antiquierte Grimme-Bezeichnung nennt es den Grimme-Preis "mit Gold".

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Mit ebendieser Auszeichnung dürfen sich auch der Regisseur Stefan Krohmer und der Autor Daniel Nocke für den Film "Familienkreise" schmücken. "Das Wunder von Lengede", das bei Sat.1 lief, geht ebenfalls nicht leer aus, Hartmut Schoen bekommt einen Preis für "Zuckerbrot", "Leben wäre schön" mit Dagmar Manzel wird ausgezeichnet und im Unterhaltungsgewerbe ausnahmsweise einmal nicht Harald Schmidt, sondern Wigald Boning, das Stehaufrumpelstilzchen unter den deutschen Fernsehkomödianten. Und daß "Bernd das Brot" im Kinderkanal als Pausenclown vom Dienst unübertroffen ist, das haben die Jurys in Marl sogar auch noch erkannt.

          Sie haben generell nicht viel falsch gemacht, sondern vielmehr vor allem bei den Preisen für den Fernsehfilm ganz richtig und geschickt die Lücke geschlossen, die der große Konkurrent "Deutscher Fernsehpreis", der gemeinsam von den großen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern ausgelobt wird, zuletzt gerissen hat. Dort, im Coloneum zu Köln, wurde nämlich im letzten Jahr vieles prämiert, was allein ob seiner perfekten Bedienung des Mainstreams und der dahintersteckenden Marktmacht zu beeindrucken weiß. Enstprechend reich war der Preisregen für den Sender RTL. Der Grimme-Preis aber geht an "Deutschland sucht den Superstar" & Co. achtlos vorüber, und das nicht ohne Grund, ist er doch der Suche nach dem außergewöhnlichen und außergewöhnlich qualitätvollen Fernsehen gewidmet. Da ist für Eiertänze und Madenmenüs im Dschungelcamp kein Platz.

          „Das Wunder von Lengede” (Sat.1) mit Heino Ferch, Jan Josef Liefers, Benjamnin Sadler (v.re.)
          „Das Wunder von Lengede” (Sat.1) mit Heino Ferch, Jan Josef Liefers, Benjamnin Sadler (v.re.) : Bild: SAT.1

          Sadismus der Experten

          Am bemerkenswertesten beim Grimme-Preis 2004 ist jedoch der Hauptgewinner Lutz Hachmeister. In der Branche ein bunter Hund, ein Zampano mit Hang zum bedeutsamen Auftritt, ist er ebenso umtriebig wie - vor allem zu seinen eigenen Grimme-Zeiten - polarisierungsfähig und hat sich über die Jahre sowohl als Festivalmacher wie als Dokumentarfilmer einen immer besseren Namen gemacht. Die "Cologne Conference", die im Frühsommer parallel zum "Medienforum NRW" läuft, ist seine Erfindung. Sie hat mit ihrer stets interessanten Auswahl internationaler Spitzenproduktionen zwar immer wieder die Frage aufgeworfen, wer da eigentlich warum ausgerechnet was auswählt, um es dem hiesigen Fachpublikum quasi in Vorpremiere zu zeigen. Inhaltlich aber hat diese Schau in zunehmendem Maße überzeugt. Und heute, da sich Hachmeister als Veranstalter in die zweite Reihe zurückgezogen hat, ist sie der interessanteste Teil eines ansonsten ziemlich überfrachteten Branchentreffs, was auch die Sender gemerkt haben, die einige ihrer ambitioniertesten Stücke inzwischen dort vorstellen. Als Hachmeister vor Jahren die Cologne Conference aufzog, waren sie ihm aber ausgerechnet und auch nicht ganz ohne Grund beim Grimme-Institut gram. Dort wurde die Konferenz von Köln als Kampfansage von jemandem verstanden, der sechs Jahre lang (von 1989 bis 1995) selbst Leiter des Instituts war und dem es dank seines ausgeprägten Selbstbewußtseins nie leichtfiel, sich mit dem kommuneartigen Gesamturteilbildungsprozeß abzufinden, an dessen Ende bei Grimme immer wieder mal ein Fernsehen ausgezeichnet wurde, das weniger gut gemacht, aber dafür vor allem gut gemeint war.

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