https://www.faz.net/-gqz-x8m7

Goldene Palme für Frankreich : „Entre les murs“ siegt in Cannes

  • Aktualisiert am

Begeisterung im Festivalpalais: Die jungen Laiendarsteller feiern die Goldene Palme Bild: AP

Überraschung in Cannes: Der Film „Entre les murs“ des französischen Regisseurs Laurent Cantet ist mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden. Der Film über eine Schulklasse in Paris bringt Frankreich die erste Goldene Palme seit 1987 ein.

          2 Min.

          Goldene Palme für Frankreich: Der Film „Entre les murs“ von Laurent Cantet ist zum Abschluss des 61. Filmfestivals in Cannes am Sonntagabend mit dem Hauptpreis ausgezeichnet worden. Die Jury entschied sich einstimmig für den Film.

          Der Film über den multikulturellen Alltag an einer Pariser Schule bringt Frankreich die erste Goldene Palme seit 1987 ein. Der Regisseur arbeitete mit vielen Laiendarstellern und erzählt in improvisiertem Stil die Dramen eines Schuljahres. Der Film war nicht als Favorit gehandelt worden - die Auszeichnung kam überraschend. Die mitwirkenden Schüler feierten die Auszeichnung am Sonntag ausgelassen auf der Bühne des Festivalpalais von Cannes.

          Ein Klassenlehrer kämpft sich durch

          Im Zentrum des dokumentarisch wirkenden Siegerfilms - der erst am letzten Tag des Wettbewerbs in Cannes gezeigt wurde - steht ein junger Lehrer. Er unterrichtet in einem sozialen Brennpunkt-Bezirk von Paris. Die meisten seiner Schüler stammen aus Einwandererfamilien, ihre Leistungen sind miserabel, die Arbeitsmoral ebenso.

          Begeisterung im Festivalpalais: Die jungen Laiendarsteller feiern die Goldene Palme Bilderstrecke
          Goldene Palme für Frankreich : „Entre les murs“ siegt in Cannes

          Der Klassenlehrer muss immer wieder gegen aufmüpfige 14- bis 15-jährige Schüler ankämpfen. Während Kollegen von ihm bereits frustriert aufgeben, macht François unermüdlich weiter ­ auch als sich die Jugendlichen offen gegen ihn stellen. Cantet hat viele Szenen und Dialoge mit seinen Laiendarstellern geduldig in Workshops erarbeitet, seine Bilder wirken völlig authentisch.

          Großer Preis der Jury für italienischen Film „Gomorra“

          Italien ist mit politischen Themen der zweite große Sieger des Wettbewerbs. Der Große Preis der Jury ging an den italienischen Anti-Mafia-Film „Gomorra“ von Matteo Garrone. Der Italiener Paolo Sorrentino nahm für seine kunstvolle Satire „Il Divo“ über die Regierungszeit des italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti den Preis der Jury entgegen (siehe auch: Filme von Kaufman, Egoyan und Sorrentino in Cannes). Jury-Vorsitzender war der amerikanische Regisseur Sean Penn. Zu den Juroren gehörte auch die deutsche Schauspielerin Alexandra Maria Lara.

          Der Regiepreis ging an den türkischen Regisseur Nuri Bilge Ceylan für „Üc Maymun“ („Die drei Affen“ - siehe auch: Filmfestival von Cannes: Es ist die reine Freude). Für die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, die schon zweimal die Goldene Palme gewonnen haben, gab es in diesem Jahr den Drehbuchpreis für den eindringlichen Film „La silence de Lorna“ (siehe auch: Clint Eastwoods „Changeling“ und „La silence de Lorna“ der Brüder Dardenne in Cannes).

          Catherine Deneuve und Clint Eastwood erhalten Preise für ihr Lebenswerk

          Bester Hauptdarsteller wurde erwartungsgemäß Benicio Del Toro für seine Darstellung des Revolutionsführers Ernesto Che Guevara in Steven Soderberghs Film „Che“ (siehe auch: „Che“ in Cannes: Kluge Sprüche bis zum letzten Gefecht).

          Als beste Schauspielerin wurde die Brasilianerin Sandra Corveloni ausgezeichnet, die die Jury mit ihrer Rolle einer schwangeren, alleinerziehenden Mutter in dem Film „Linha de Passe“ ihrer Landsleute Walter Salles und Daniela Thomas überzeugen konnte. Die Auszeichnung Corvelonis war eine Überraschung. Als Favoritin für die Auszeichnung hatte Angelina Jolie gegolten, die in Clint Eastwoods Drama „The Exchange“ über eine Kindesentführung die Hauptrolle spielt (siehe auch: Clint Eastwoods „Changeling“ und „La silence de Lorna“ der Brüder Dardenne in Cannes).

          Gleich zweimal vergab die Jury am Sonntag Preise für das Lebenswerk: Sie gingen an die französische Filmdiva Catherine Deneuve und an den amerikanischen Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood.

          Der deutsche Regisseur Wim Wenders ging leer aus. Er war mit „Palermo Shooting“ schon zum neunten Mal in Cannes angetreten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Am 17. Juli in Erftstadt: Armin Laschet ist lachend zu sehen, während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Pressestatement gibt.

          Laschet und die Flut : Das Lachen des Landesvaters

          Als das Wasser kam, wollte der Kanzlerkandidat der Union helfen, zuhören – und vielleicht auch Wahlkampf treiben. Dann wuchs der Druck und alles kam anders.
          Wenn das Wasser alles raubt: Dieses Haus in Marienthal an der Ahr wurde von den Fluten zerstört.

          Katastrophenhilfe : Geldflut nach dem Hochwasser

          Der Staat verspricht, nach dem Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen alle Schäden auszugleichen. Wozu braucht es dann aber das Geld aus Spenden und Versicherungen?
          Opfer des vorrückenden „Islamischen Staates“: Jesiden auf der Flucht aus ihrer nordirakischen Heimatregion Richtung syrische Grenze im Sommer 2014

          Kolumne „Import Export“ : Die Welt versagt vor diesem Verbrechen

          Am 3. August 2014 fallen IS-Kämpfer im Siedlungsgebiet der Ezîden im Irak ein. Sie töten die Männer, vergewaltigen die Frauen systematisch. Warum ist dieser Genozid, der ein Femizid war, nicht fest im öffentlichen Bewusstsein verankert?
          Aus der Luft sind der niedrige Wasserstand des Lake Powell und der „Badewannen-Ring“ gut zu erkennen.

          Grand Canyon : See ohne Wiederkehr

          Dürre setzt dem Lake Powell oberhalb des Grand Canyon zu: Millionen Touristen bleiben auf dem Trockenen. Hausbootsbesitzer sollen ihre Boote vom Wasser holen, solange das noch möglich ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.