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Golden Globes : Kein Weg zurück

Die Schauspielerinnen der Serie „Big Little Lies“ zeigen im Beverly Hilton Hotel in Los Angeles ihre Gloden Globe Awards. Bild: Kevin Sullivan, dpa

Unter dem Eindruck der MeToo-Debatte geraten die Golden Globes zu einer Aussprache über fällige Themen. Den Abend dominieren, natürlich: Frauen.

          Es war kein sonderlich entspannter Sonntagabend bei dieser 75. Golden-Globes-Verleihung in Los Angeles, nach #MeToo und den Folgen. Einige bekannte Gesichter fehlten, ein Elefant stand im Raum. Und so richtete sich das Interesse diesmal nicht in erster Linie auf die mit der zweithöchsten Auszeichnung Hollywoods geehrten Schauspieler, Regisseure, Serien und Filme, sondern auf das, was es sonst noch so zu besprechen gab.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die weiblichen Stars kamen in schwarzen Roben, um dem Protest gegen sexuelle Übergriffe in der Filmindustrie einen optischen Ausdruck zu verleihen, einige von ihnen ließen sich von Aktivistinnen begleiten. Es werde ein gutes Jahr, so begann Moderator und Comedian Seth Meyers, jetzt, wo Marihuana endlich legal sei und sexuelle Belästigung endlich nicht mehr.

          Die großen Auftritte des Abends waren dann auch die der Frauen. Moderatorin und Schauspielerin Oprah Winfrey, die als erste schwarze Frau mit dem Cecil B. DeMille Award für ihr Lebenswerk geehrt wurde, erinnerte sich in ihrer Dankesrede an die Oscarverleihung im Jahr 1964, die sie als Kind vor dem Fernseher verbrachte und bei der Sidney Poitier als erster Schwarzer die Auszeichnung des besten Darstellers erhielt. „Ich hatte noch nie zuvor einen schwarzen Mann gesehen, der so gefeiert wurde.“ Winfrey stellte fest, dass auch die diesjährigen Globes Geschichte schreiben würden: „Wir Schauspieler hier im Raum werden für die Geschichten gefeiert, die wir erzählen. In diesem Jahr sind wir selbst Geschichte geworden.“

          „Hier sind die allesamt männlichen Nominierten“

          Winfrey erklärte, sie sei stolz auf die Frauen, die sich stark genug fühlten, ihre persönlichen Geschichten zu teilen. Zu lange seien Frauen nicht gehört worden - oder man habe ihnen nicht geglaubt, wenn sie den Mut aufbrachten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren. Alle Zuschauerinnen vor den Fernsehern ließ sie wissen: „Hinter dem Horizont bricht eine neue Zeit für Mädchen und Frauen an.“ Winfrey erinnerte auch an Recy Taylor, deren Vergewaltigung und Klage 1944 einen Anstoß zur amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gab und die Ende Dezember mit 97 Jahren starb, und stellte auf diese Weise eine Verbindung zwischen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und der aktuellen Frauenbewegung her. Dafür bekam sie Standing Ovations. Vielen Gäste im Beverly Hilton Hotel standen Tränen in den Augen.

          Seit 1980 wurden bei den Golden Globes nur sechs Frauen für einen Director Award nominiert. Natalie Portman nutzte deshalb die Gelegenheit und sagte bei ihrer Ankündigung des Regiepreises  trocken: „Und hier sind die allesamt männlichen Nominierten.“

          Küsschen: Der Cast der Serie „Big Little Lies“ sammelte gleich mehrere Awards ein. Hier freuen sich die Schauspielerinnen Laura Dern, Nicole Kidman, Zoe Kravitz, Reese Witherspoon und Shailene Woodley. Bilderstrecke

          Ansonsten passten aber auch die Auszeichnungen zur Stimmung des Abends: Unter den Gewinnern sind die Verfilmung des dystopischen Romans „The Handmaid’s Tale“ samt Hauptdarstellerin Elisabeth Moss, die siebenteilige, von starken Frauencharakteren dominierte Serie „Big Little Lies“ und Nicole Kidman in der weiblichen Hauptrolle, die Comedy-Serie „The Marvelous Mrs. Maisel“ über eine Komikerin im New York der fünfziger Jahre und ihre Hauptdarstellerin Rachel Brosnahan, die Komödie „Lady Bird“ der 34-jährigen Regisseurin Greta Gerwig und Frances McDormand, die in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ eine kämpferische Mutter spielt.

          Die meisten Protagonistinnen des Abends hatten etwas zur Debatte beizutragen. Meryl Streep, die in der Geschichte der Golden Globes 31 Mal für ihre schauspielerischen Leistungen nominiert wurde, sagte: „Das Machtgefälle ist deutlich geworden. Es hat zu Missbrauch in unserer Industrie geführt. (...) Es ist überall.“ Die aus „Ray“ und „Django Unchained“ bekannte Schauspielerin Kerry Washington bezog auch die Frauen ein, die schon lange vor #MeToo Handlungsbedarf sahen. Sie trage aus Solidarität zu den Frauen, die seit Jahrzehnten soziale Gerechtigkeit einforderten, schwarz. Den Dresscode hatte die Bewegung „Time’s Up“ organisiert, die einen Rechtsfonds finanziert und von 300 Hollywood-Vertretern unterstützt wird, darunter Emma Stone, Cate Blanchett und Gwyneth Paltrow.

          So war man sich recht einig in der Einheitsfarbe, wäre da nicht Barbara Meiers Blumenkleid gewesen. Das als Siegerin der Castingshow Germany’s New Topmodel bekannt gewordene Model trat leuchtend-pastellig auf den roten Teppich. Auf Instagram hatte sie zuvor erklärt, sie finde die Initiative „im Allgemeinen super und extrem wichtig“, halte aber nichts davon, sich nicht mehr körperbetont anzuziehen und Frauen die Freude am Ausdruck zu nehmen. „Wir haben uns diese Freiheit lange erkämpft, dass wir tragen können, was wir möchten (...) Wenn wir das einschränken, weil sich einige Männer nicht unter Kontrolle haben, ist das in meinen Augen ein Rückschritt.“ Dabei demonstrierten einige der Stars recht gut, wie sich auch schwarze Kleidung körperbetonend einsetzen lässt. Meiers Fans konnten das Argument bei aller Begeisterung für einen strahlenden Auftritt dann auch nicht ganz nachvollziehen.

          Den Golden Globes des Jahres 2019 werden womöglich weitere bekannte Gesichter fehlen, aber darüber äußerte sich am Sonntagabend keine(r). Frances McDormand jedenfalls sagte, danach gefragt, ob die Gefahr bestehe, dass Hollywood wieder in alte Muster zurückkehren werde: „Es gibt keinen Weg zurück.“ Man darf gespannt auf die Oscars sein.

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