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Glenn Close im Gespräch : Warum spielen Sie gerne Männer?

  • Aktualisiert am

Bild: Burkhard Neie

Wir treffen Glenn Close beim Filmfestival von San Sebastián, wo sie für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wird. Sie wirkt zugleich schüchtern und warmherzig, elegant und völlig uneitel - und lacht gern.

          6 Min.

          Mrs. Close, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Drehtag?

          Ja. Mein erster Film war „Garp und wie er die Welt sah“, und am Tag meiner Ankunft am Set drehten wir eine Szene, in der ich, beladen mit Lebensmitteln, an der Seite von Robin Williams eine Straße entlanggehen sollte. Robin war damals schon sehr populär, so dass viele kreischende Fans am Drehort herumlungerten, die sich kaum beruhigen ließen. Man teilte mir mit, ich müsste bis zu jener Markierung laufen und dort meine erste Dialogzeile sagen, dann bis zur nächsten Markierung gehen und so weiter. Ich war völlig überfordert, mein Herz rutschte mir vor Angst in die Hose, doch Robin war wundervoll und nahm mich unter seine Fittiche.

          Sie waren damals bereits über dreißig, hatten aber zuvor ausschließlich Theater gespielt. Fiel Ihnen der Wechsel zum Film schwer?

          Ja, sehr sogar. Ich wusste schlichtweg nicht, wohin mit all meiner Energie: Ich sprach viel zu laut, weil ich vergaß, dass es ein Mikrofon gab, und weil ich es gewohnt war, mit meiner Stimme einen Theaterraum bis in die letzte Reihe zu füllen. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, wie sehr man sich vor der Kamera zurücknehmen sollte - und wie viel Kraft in einer Großaufnahme steckt.

          Und heute? Stehen Sie lieber vor der Kamera oder auf der Bühne?

          Auf der Bühne. Die Interaktion mit dem Publikum finde ich immer sehr aufregend. An manchen Abenden gibt es eine geradezu magische Verbindung: Da schaukelt man sich gegenseitig dermaßen hoch, dass ich mich wie ein Rockstar fühle. So etwas wird einem am Filmset natürlich nicht geboten.

          Was für ein Schauspiel-Typ sind Sie? Improvisieren Sie gern, oder bevorzugen Sie präzise Anweisungen? Können Sie die Figur, die Sie spielen, während der Drehpausen leicht ablegen?

          Ich mag Regisseure, die genau wissen, was sie wollen, und mir konkrete Anweisungen geben. Am liebsten ist mir eine intensive Probenzeit, doch diesen Luxus leistet sich heute leider kaum mehr eine Filmproduktion. Im Übrigen betrachte ich die Schauspielerei als Handwerk und gehöre deshalb nicht zu den Leuten, die sich während der gesamten Dreharbeiten vollständig in ihre jeweilige Figur verwandeln. Ich finde, die Kollegen, die das tun, stehen immer mit einem Bein im Irrenhaus.

          Nach welchen Kriterien suchen Sie denn Ihre Projekte aus?

          Völlig subjektiv. Aus dem Bauch heraus. Ich fand es seit jeher schwachsinnig, eine Rolle anzunehmen, weil sie viel Geld bringt oder weil man scharf auf irgendwelche Preise ist. Und ich hatte auch nie das Bedürfnis nach Ruhm - anders als viele junge Leute, deren großer Traum es ist, ein Star zu sein. Heutzutage können Sie ja sogar ohne jede Begabung zum Star werden. Mir hingegen war es stets wichtig, eine persönliche Beziehung zu einer Geschichte zu entwickeln. Außerdem hasse ich es, mich zu langweilen - also wähle ich mit Vorliebe Projekte, die mich herausfordern.

          Und Sie haben offenbar keine Scheu vor fiesen Filmfiguren - von der rachsüchtigen Furie in „Eine verhängnisvolle Affäre“ über die intrigante Marquise in „Gefährliche Liebschaften“ und die dämonische Dame in „101 Dalmatiner“ bis hin zur skrupellosen Anwältin in „Damages - Im Netz der Macht“.

          So etwas höre ich öfters. Und man kolportiert mir, dass ich viele Männer mit „Eine verhängnisvolle Affäre“ nachhaltig verschreckt hätte. Ich selbst finde hingegen, dass ich nur einen einzigen richtigen Bösewicht gespielt habe: Cruella de Vil aus „101 Dalmatiner“. Wie ihr Nachname bereits andeutet, ist sie der Teufel in Menschengestalt. Alle meine anderen Filmfiguren sind in meinen Augen nicht wirklich böse. Für mich haben sie durchaus auch etwas Humanes, Verletzliches, und ich kann sie in gewisser Weise verstehen: Es sind Frauen, die versuchen, sich in einer rauhen Männerwelt zu behaupten. Wenn sie Männer wären, dann würde man sie bestimmt nicht als böse bezeichnen, sondern fände ihr Verhalten ganz normal.

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