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Video-Filmkritik „Ant-Man“ : Gibt es Neid unter Insekten?

Kleiner Mann, ganz groß: Szene aus „Ant-Man and the Wasp“. Bild: AP

Ameisen haben es zwar schon auf die große Leinwand geschafft, aber als Marvel-Superhelden müssen sie sich erst noch einen Platz erkämpfen. Sie versuchen es mit Humor.

          Als vor einem Dutzend Jahren das Kinouniversum der Marvel-Comics im Filmstudio des Unternehmens konzipiert wurde, lief von Beginn an alles auf die „Avengers“ hinaus – an der Zusammensetzung dieser Superheldengruppe, die erst 2012 gemeinsam auf die Leinwand kam, orientierte sich, welche Comicfigur vorher Soloauftritte bekam: Iron Man, Thor, Captain America, Hulk. Sie waren auch in den Comics der sechziger Jahre Gründungsmitglieder der Avengers, allerdings hatten sie damals zwei Mitstreiter, die zunächst nicht zu Filmehren kamen: Ant-Man und Wasp. Die beiden Insektenhelden, ein Mann und eine Frau mit der Fähigkeit, sich winzig klein (aber bisweilen auch riesig groß) zu machen, waren den Kinostrategen von Marvel wohl einfach zu lächerlich. Es geht doch schließlich im Regelfall um die Rettung der Welt, und das muss man schon ernst nehmen.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Das änderte sich 2015, unmittelbar nach dem zweiten Avengers-Film, „Age of Ultron“, dessen Todernst nun doch etwas Humor in der Serie entgegengesetzt werden sollte. Aber es reichte zunächst nur für Ant-Man zum eigenen Film, wohl auch deshalb, weil erst der Erfolg von Wonder Woman 2017 den endgültigen Beweis führte, dass auch Superheldinnen das Publikum begeistern können. Prompt schuf Marvel Platz für die weibliche Wasp, wenn auch nur als Ko-Star des zweiten Ant-Man-Films, der nun in die deutschen Kinos kommt, dafür aber auch als Ko-Titelfigur: „Ant-Man and The Wasp“ heißt das Werk.

          Darin wird nahtlos an den ersten Film mit dem Ameisenmann angeknüpft. Evangeline Lilly war als Darstellerin schon damals mit dabei, nun aber schneidert ihr der Vater – wieder Michael Douglas als Physikgenie Hank Pym – ein elegantes Wespenkostüm auf die Haut. „Mit Flügeln!“, wie Ant-Man, gespielt von Paul Rudd, neidvoll feststellt. Die entsprechenden Kabbeleien um Rollenverteilung und Möglichkeiten beim Welt-Retten machen einen Teil des auch hier vorherrschenden witzigen Tons aus.

          Leider geht es in „Ant-Man and The Wasp“ aber zu witzig zu. Wenn Michael Douglas in der besten Szene des Films das eigene Laborhochhaus auf Rollkoffergröße schrumpft und es dann auch genau wie ein solches Utensil durch die Gegend zieht, staunt man noch ob der bizarren Phantasie des Regisseurs Peyton Reed und seiner vier Drehbuchschreiber (darunter auch der Hauptdarsteller Rudd), aber wenn sich dieser Gag dann mehrfach wiederholt, fehlt der gewisse zündende Funke. Und mit dem Welt-Retten selbst ist es diesmal nicht weit her, weil der Hauptteil der Geschichte sich um die Rettung einer einzelnen Person dreht: Wasps Mutter, die bei einem früheren Experiment ihres Mannes als Winzling im Quantenraum zurückblieb, aus dem sie nun gerettet werden soll. Die entsprechenden Bilder aus der Mikrosphäre sind psychedelisch, aber wenig bedrohlich, und kaum hat man sich gefreut, dass Michelle Pfeiffer nun auch eine Rolle im Marvel-Universum gefunden hat, muss man sich auch wieder von ihr verabschieden, denn auch der neue „Ant-Man“-Film folgt ja wieder unmittelbar auf ein Avengers-Vehikel, dessen Konsequenzen die Akteure im Spin-off zu tragen haben.

          So kommt zuschlimmerletzt wieder Todernst in die Spaßkultur des „Ant-Man“-Kleinkosmos. Das mag diesem guttun, denn das Ganze drohte sich im Laufe von zwei Stunden Filmdauer zum bloßen Schenkelklopfer zu entwickeln, bei dem auch für einen Darsteller wie Michael Peña leider nicht mehr drin war als eine Rolle als naiver Latino – nach Schema F, dem man sowohl den wunderbaren Schauspieler als auch die Superheldenfilme längst entkommen glaubte.

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