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Gespräch mit Florian Henckel von Donnersmarck : Wagner, mein Wintermärchen

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Der eisige Kreislauf des Rings: Szene aus „Rheingold”, Bayreuth 2007 Bild: dpa

Florian Henckel von Donnersmarck, seit Kindertagen ein begeisterter Anhänger Richard Wagners, hat das Angebot abgelehnt, die „Ring“-Tetralogie zu inszenieren. Ein Gespräch über sein Verhältnis zur Oper und „ungebildete Chaos-Regisseure“, deren Inszenierungen echte Wagner-Anhänger beleidigten.

          Florian Henckel von Donnersmarck hat das Angebot abgelehnt, Richard Wagners „Ring“-Tetralogie für das Baden-Badener Festspielhaus zu inszenieren. Doch der Regisseur des oscargekrönten Spielfilms „Das Leben der Anderen“ verspürt eine tiefe Affinität zu dem Erfinder des Musikdramas. Im Gespräch gibt von Donnersmarck Auskunft über seine bildungsgesättigte Kindheit, sein Verhältnis zur Oper und die zentrale Rolle, die Wagner als Erzieher in seiner Jugend gespielt hat.

          Die Nachricht, dass Sie möglicherweise gemeinsam mit Christian Thielemann in Baden-Baden von 2011 an einen neuen „Ring“ herausbringen würden, hat das Herz manches Wagner-Fans höher schlagen lassen. Wie kam es zu dieser Idee?

          Verschiedene Opernleute meldeten sich bei mir, nachdem sie meinen Film gesehen hatten, und boten mir Inszenierungen an. So auch der Leiter des Baden-Badener Festspielhauses, Andreas Mölich-Zebhauser, ein enthusiastischer, kenntnisreicher Mann. Er war zusammen mit dem Filmproduzenten Jan Mojto - Eigentümer der Unitel und Financier von „Das Leben der Anderen“ - auf die Idee gekommen, mir den „Ring“ dort anzubieten. Ich sagte, dass ich mich eigentlich auf meine Filmarbeit konzentrieren wollte, und dafür ziemlich sicher keine Zeit haben würde. Aber Jan Mojto bat mich, trotzdem aufgeschlossen in ein Treffen zu gehen. Verlockend war natürlich einmal Thielemann, dann aber auch, dass Mölich-Zebhauser auf meine Frage, wie hoch das Budget sein würde, nur sinngemäß antwortete: „So hoch wie Ihre Vision.“ Er sagte, dass Baden-Baden als privates Opernhaus ganz anderes möglich machen könnte als staatliche Opernhäuser. Wir müssten nur Sponsoren überzeugen - es gebe keine bürokratisch festgelegten Maxima; eine Ausgangssituation, die Wagner, glaube ich, gefallen hätte. Wir haben dann nur noch über Musik, Oper, Inhalte gesprochen.

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          Und woran ist das Projekt dann gescheitert?

          Na ja, gescheitert kann man nicht sagen. Es ist ja noch nicht einmal in die Planungsphase gekommen. Es war ja nicht wie bei Lars von Trier, der in Bayreuth zugesagt hatte und dann abgesprungen ist. Ich habe Herrn Mölich-Zebhauser unter Vorbehalt getroffen und ihm dann kurz nach dem Treffen geschrieben und abgesagt, mit der Erklärung, dass ich glaubte, sogar Wagner selber würde mir raten, besser meinen eigenen „Ring“ zu schreiben und zu inszenieren, als seinen neu zu interpretieren. Mölich-Zebhauser hat das verstanden. Es ist die alte Frage - Make oder Remake.

          Welche Beziehung haben Sie zu Wagner?

          Wagner hat in meinem Leben eine ziemlich große Rolle gespielt und mir immer Mut gemacht. Er steht für eine künstlerische Größe, die man in der Bundesrepublik gar nicht mehr findet . . . oder, nein, eigentlich schlimmer noch: gar nicht mehr anstrebt. Und Wagners Größe hat sehr viel mehr mit seiner Person und seiner Persönlichkeit zu tun als mit reiner Naturbegabung. Zu meinem zwölften Geburtstag schenkte mir meine Mutter die sehr wertvolle Erstausgabe von Wagners Autobiographie, die ich mit großer Begeisterung las. Obwohl meine Mutter mich mit dem Geschenk warnte, „Mein Leben“ sei wie alle Künstler-Autobiographien eine einzige poetische Lüge, schien und scheint sie mir auch heute noch sehr ehrlich und unprätentiös.

          Inwiefern hat er Ihnen damit Mut gemacht?

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