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George Clooney im Interview : „Man nannte mich Verräter“

  • Aktualisiert am

Clooney auf der Berlinale Bild: dpa/dpaweb

George Clooney ist nicht nur ein Frauenschwarm und Schauspieler, sondern auch ein wacher politischer Beobachter. Im Interview mit der Sonntagszeitung spricht er über den Karikaturenstreit und Amerikas Politik.

          Er ist so smart, so charmant und so gutaussehend wie in seinen Filmen. Die fünfzehn Kilo, die er für die Rolle des alternden CIA-Agenten in „Syriana“ zulegte, sind auch längst wieder weg. Er ist einfach George Clooney, und er ist auf die Berlinale gekommen, um „Syriana“ (Regie: Stephen Gaghan) vorzustellen, den er auch produziert hat und der am 23. Februar in unsere Kinos kommt.

          Mr. Clooney, in „Syriana“ geht es um Öl und Macht und damit auch um den Konflikt zwischen der muslimischen und der westlichen Welt. Ich nehme mal an, Sie haben deshalb auch von dem Karikaturenstreit gehört.

          Klar. In meinem anderen Film „Good Night, and Good Luck“, der zur Zeit in den amerikanischen Kinos läuft, geht es ja auch um dieses Thema, um die Freiheit der Rede. Aber das hier ist eine heikle Sache. Ich bin natürlich zuerst auf der Seite der Pressefreiheit, ich bin schließlich der Sohn eines Journalisten, mein Vater hat vierzig Jahre als Nachrichtenmann gearbeitet. Freiheit der Rede heißt natürlich nicht, daß man in ein volles Kino läuft und „Feuer“ brüllt. Ich glaube aber, es gibt einen Punkt, an dem man einen Schritt zurücktreten muß, um das Ganze sich abkühlen zu lassen, anstatt es zu forcieren. Inzwischen macht man den Abdruck der Karikaturen zur Nachricht und nicht die Karikaturen selbst. Das ist ein bißchen schief.

          Beunruhigt es Sie, wenn die Formel vom „Kampf der Kulturen“ jetzt wieder so populär wird?

          Es beunruhigt mich schon. Erinnern Sie sich an die Unruhen in Los Angeles, als die Polizisten, die Rodney King verprügelt hatten, freigesprochen wurden. Es war ein Verbrechen, daß die Verantwortlichen davongekommen sind. Ich war wütend. Als dann die Gewalt ausbrach, als 52 Leute starben und die Stadt in Flammen stand, begriff man plötzlich, warum der Zorn so tief saß. Eben nicht nur wegen Rodney King, sondern weil jeder Schwarze in Los Angeles von vornherein von der Polizei anders behandelt wird. Das ist damals hochgekocht. Heute scheint mir etwas Ähnliches zu passieren. Es hat weniger mit den Karikaturen zu tun als mit dem schwelenden Zorn.

          In „Syriana“ ist der gesamte Zündstoff im Prinzip schon da, radikale Islamisten und Selbstmordattentäter eingeschlossen.

          Der Film sollte von Anfang an so realistisch wie möglich sein, und je länger die Postproduktion dauerte, desto aktueller erschien er uns. Das ist insofern nicht überraschend, als diese Konflikte nicht erst mit der Bush-Regierung aufgetaucht sind, sie existieren ja seit Jahrzehnten.

          Jedermanns Liebling bleibt man mit solchen Filmen nicht.

          Ach, von dieser Liste bin ich schon lange gestrichen, seit ich damals, nach „Confessions of a Dangerous Mind“, von der Berlinale wiederkam und an den Friedensdemonstrationen in Berlin und London teilgenommen hatte. In London fragte mich jemand: „Steuern wir in einen Krieg?“ Und ich antwortete: Wir müssen eine Menge Fragen beantworten, bevor wir junge Leute in den Krieg schicken. Als ich nach Hause kam, war mein Bild auf der Titelseite eines Magazins, und man nannte mich „Verräter“. Es gab Websites, die mich beschimpften, sogar Kartenspiele mit meinem Bild, unter dem „Verräter“ stand. Es gab eine Fernsehshow zu dem Thema, warum meine Karriere vorbei sei. Aber ich war immer ein politischer Mensch. Und da habe ich mir gedacht, wenn ihr mich schon einen Verräter nennt, setze ich mich halt hin und schreibe was. Daraus wurde das Drehbuch zu „Good Night, and Good Luck“ über die McCarthy-Ära, mit dem ich daran erinnern wollte, wie oft Panikmache benutzt wurde, um bürgerliche Freiheiten einzuschränken.

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