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Über Despoten im Film : Kino muss nicht Krieg sein

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Es ist ein so unendlich großes Privileg, einen Kunstraum erfinden zu dürfen und sich darin mit einem Haufen Filmbegeisterter (und das sind sie alle! Sonst wären sie nicht beim Film!) bewegen zu dürfen – warum sollte ich mir das selbst durch Tyrannei und idiotisches Despotengehabe versauen? Das Filmemachen ist kein demokratischer Prozess, und oft auch kein besonders gemütlicher, weil die Bedingungen hart sind und vieles schiefgeht. Ich bin auch schon ausgeflippt, und gebrüllt habe ich einige wenige Male auch, aber es gibt keine Erniedrigungsrituale an unserem Drehort, keine gewalttätigen Übergriffe und lächerlichen Machtbeweise, und vor allem, so weit ich weiß und hoffe, keine Angst. Erstklassige Ergebnisse erreichen wir auf diese Art ebenso. Oder vielleicht sogar besser. Ich zucke zusammen, wenn mir immer wieder und immer noch Schauspieler, Schauspielerinnen und Teamleute von all den Kriegsschauplätzen erzählen, die sie schon überlebt haben und denen sie weiterhin ausgesetzt sind. Der Regisseur als Epigone Caligulas ist leider immer noch kein Auslaufmodell. Und nein, Frauen sind nicht die besseren Menschen. Es gibt Regisseurinnen, die richtig ekelhaft sind, und reizende Regisseure, die alles andere sind als Tyrannen. Aber es gibt bewiesenermaßen weniger Machtmissbrauch, wenn die Jobs in allen Positionen gleichberechtigt verteilt sind. Das gilt für jede Branche. Die Mischung macht’s. Warum ist es nur so schwer, diese zu erreichen? Warum werden inzwischen genügend junge Frauen als Regisseurinnen ausgebildet, die dann nur zu einem geringen Prozentsatz den Beruf wirklich ausüben?

Klar gibt es die alten männlichen Seilschaften. Es gibt die Ungerechtigkeiten in der Verteilung von Budgets und Projekten. Es gibt das Prinzessinnen-Syndrom, das manche Frauen befällt, die eine Machtposition innehaben, aber dort gern die einzige bleiben wollen und deshalb wieder nur Männer beschäftigen. Und dennoch muss es auch noch andere Gründe geben. An die zu rühren ist für uns Frauen vielleicht nicht angenehm. Macht ist anstrengend. Und manchmal auch hässlich. Nur nette Macht gibt es nicht, sonst wäre es nicht die Macht. Frank Zappa hat mal gesagt: The boss is always the asshole. Das hat nichts mit Despotismus und Machtmissbrauch zu tun, sondern mit Ausfechten und Aushalten von Führungspositionen. Wie sehr sind wir Frauen dazu bereit? Je größer eine Produktion ist, umso mehr Kämpfe gibt es natürlich. Wollen wir die wirklich führen? Ich für meinen Teil habe sehr früh entschieden, dass ich keine großen Hollywoodproduktionen drehen wollte, obwohl ich die Gelegenheit dazu gehabt hätte. Das Gerangel mit den Männern in Hollywood, die damals wie heute das ganz große Geld verteilen, hat mich angeödet. Oder mich zu sehr echauffiert, ich fühlte mich ständig angegriffen, nahm Konflikte zu persönlich. Ich wollte nicht jeden Tag in den Krieg ziehen. Ich trug nur wacker meine Rüstung, meine tonnenschwere Lederjacke. Bei vierzig Grad im Schatten.

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