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„Freizeitspaß“ und „Freizeitwoche“ : Wie schnell man eine Zeitschrift macht

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Das Kind von Bauer und Klambt: die „Freizeitwoche” Bild: Bauer/Klambt

Auf die neue Zeitschrift „Freizeitwoche“ der Verlage Bauer und Klambt reagierte der Burda-Verlag postwendend: Er schickte seinerseits den „Freizeitspaß“ an den Kiosk - innerhalb von acht Stunden.

          Als Reinhold Hubert, der Chef der Offenburger Verlagsgruppe des Burda-Konzerns, den sie dort liebevoll den "armen Hubert" nennen, wohl wissend, daß ihm der andere Hubert (Burda) eine Vielzahl von Zeitschriftenerfindungen verdankt, an diesem Montag zur Kenntnis nehmen mußte, daß der Hamburger Bauer-Verlag im Verein mit dem Klambt-Verlag für diesen Mittwoch eine neue Zeitschrift namens "Freizeitwoche" annoncierte, traute er seinen Augen nicht und handelte schnell.

          Er rief seinen Chef an und bat um Erlaubnis, seinerseits eine neue Zeitschrift auflegen zu dürfen. Zu groß schien ihm die Ähnlichkeit mit der "Freizeit Revue", die noch der alte Franz Burda, den sie "Senator" nannten, erfand und die mit großem Erfolg seit 1970 läuft; zu sehr reizte es den schon vielfach kopierten Zeitschriftenmacher, den ewigen Epigonen zu kontern, und zu verführerisch muß es ihm erschienen sein, die Konkurrenz mit den eigenen Mitteln zu schlagen. Das Plazet aus München kam, und binnen acht Stunden hatte die Redaktion der "Freizeit Revue" ein neues Blatt aufgelegt, dessen Titel anzeigt, daß der Zeitschriftenkrieg zwar mitunter ruinös ist, aber auch Freude machen kann: Seit gestern liegt Burdas "Freizeitspaß" am Kiosk, uneinträchtig neben Bauers "Freizeitwoche" und neben der "Freizeit Revue".

          „Wir reagieren wie gewohnt“

          Diese war letztes Jahr der gewinnträchtigste Einzeltitel von Burda überhaupt mit einer Auflage von 1.060.893 Exemplaren, was die Begehrlichkeiten, die ein solcher Titel wecken kann, erklärt. "Wir reagieren wie gewohnt mit journalistischer Qualität und Sorgfalt", sagt derweil Reinhold Hubert, der Hinundherkopiererei gewohnt ist, zu Bauers neuem Blatt. Vor knapp einem Jahr hatte er in dieser Zeitung (3. Mai 2003) prophezeit, daß es schon bald eine Kopie der gerade von ihm lancierten "Lisa Young" im sogenannten Pocket-Format geben werde. Und siehe da: Im September war es soweit, und es erschienen "Lola" von Springer und "Flash" von Gruner + Jahr.

          Für ihre "Freizeitwoche" haben die Verlage Bauer und Klambt unterdessen eigens einen Verlag gegründet, den Freizeitwoche-Verlag in Rastatt, dessen Geschäftsführer Walter A. Fuchs ist zugleich der des Bauer-Tochterunternehmens Pabel-Moewig. Er sagte auf Anfrage, man behalte sich juristische Schritte gegen Burda vor. Die "Freizeitwoche" kostet übrigens siebzig Cent, der "Freizeitspaß" ebenso, die erste Druckauflage beider Blätter liegt bei einer glatten Million. Und um Millionen, wenn nicht Leser, so doch Euro als Beitrag zum Gesamtergebnis des jeweiligen Konzerns, geht es bei diesem Zwist schließlich, der freilich auch zeigt, mit wie wenig Aufwand und vor allem wie rasend schnell man eine Zeitschrift machen kann. Hauptsache, es denken dabei alle, wie Helmut Markwort sagen würde, immer an die Leser.

          Burdas Schnellschuß: der „Freizeitspaß”

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