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Französische Initiative : Kurzfilmtag

  • -Aktualisiert am

Beweglich sei er und kühn, außerdem entspreche seine Länge dem allgegenwärtigen Trend der Beschleunigung: Frankreich will den Kurzfilm feiern. Am kürzesten Tag des Jahres.

          Die Bedeutung eines Films kann man nicht an seiner Länge erkennen: So steht es in einem Manifest geschrieben, das bedeutende Regisseure wie Costa-Gavras, Bertrand Tavernier oder auch Jean-Jacques Beineix in Paris publiziert haben. Unterzeichnet ist es von vielen Schauspielern von Valéria Bruni-Tedeschi bis Jeanne Moreau. Letztere ist auch die Patin der nationalen Großveranstaltung, aus deren Anlass der Text verfasst wurde: „Rettet den Kurzfilm!“

          Aus den Kinos ist er in der Tat fast verschwunden. Immerhin hatte er die Wochenschau überlebt. Und noch früher, als die Frères Lumières die Bilder zum Laufen brachten, war er das zeitliche und ästhetische Maß aller Dinge. Später lernte der Film sprechen. Abendfüllend wurde er erst in den zwanziger Jahren. In Deutschland wie in Frankreich, dem nach wie vor führenden Filmland Europas, sind ihm viele Festivals gewidmet. Für seine Wiederbelebung plädiert das Manifest, in dem auch erwähnt wird, dass eine Renaissance bereits im Gange ist.

          Als Massenphänomen ist das Filmen wohl längst verbreiteter als das Singen unter der Dusche. Vom technischen Fortschritt profitiert auch der künstlerische Kurzfilm. Das Internet ist seine wunderbare, auch wunderbar komische Plattform. Kurz, so die Autoren des Manifests, er entspricht auch dem Zeitgeist der allgemeinen Beschleunigung. Sie setzen auf das Ende des Darwinismus, dessen Opfer die Gattung geworden war. „Beweglich, kühn, schöpferisch“ sei der neue Kurzfilm. 380 „courts métrages“ waren 2005 in Frankreich registriert worden. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl auf 657, und 2011 wird noch besser sein.

          Die Filmemacher sind jung, weiblich und kommen aus der Provinz. Was natürlich auch den Eindruck erwecken kann, er sei die Spielwiese der Anfänger und Außenseiter. Zumindest populär soll er wieder werden. Frankreich hat den kürzesten Tag des Jahres zum Tag des Kurzfilms ausgerufen. Rund sechstausend Vorstellungen stehen am Mittwoch im ganzen Land auf dem Programm. „Macht die Bildschirme frei“, fordert das Manifest. Das Fernsehen, die Kinos, Museen, Bars, Kulturzentren beteiligen sich an der Aktion. Zum Winteranfang wird der zweite Frühling einer vernachlässigten Gattung ausgerufen. Vorbild ist das „Fest der Musik“, mit dem jeweils der Sommer eingeläutet wird. Wir freuen uns auf den Marathon und die neuen Meisterwerke. Wissen aber aus Erfahrung, dass Kurzfilme auch nicht unbedingt kurzweiliger sind.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

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