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Start der Arthouse-Kinos : Abstand halten im Kinosaal

Endlich am Start: „Undine“ von Christian Petzold mit Paula Beer in der Hauptrolle hatte jetzt seine Frankfurt-Premiere, von 2. Juli an ist er im Kinoprogramm. Bild: Schramm Film

Die Frankfurter Arthouse-Kinos haben wieder geöffnet. Der Testbetrieb im Filmmuseum und im Mal Seh’n hat gezeigt: Die Sehnsucht nach Kino ist groß.

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          Ausverkauftes Kino, Regisseur zu Gast: „Undine“ von Christian Petzold als Frankfurt-Premiere hat am Dienstagabend zumindest 48 Menschen glücklich gemacht. So viele passen derzeit ins „Lumière“, den größten Saal des Frankfurter Kinos Cinema. Ein gelungener Testballon, zwei Abende vor der Wiedereröffnung für Kinobetreiber Christopher Bausch und sein Team. „Wir sind wirklich gut vorbereitet, und ich glaube, dass es gut funktioniert. Es ist alles geübt“, sagt er.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am 2. Juli öffnen in Frankfurt, wie in zahlreichen anderen Städten, die Kinos wieder: Vor allem die inhabergeführten oder von Vereinen und Initiativen getragenen Arthouse-Kinos, die sich der Filmkunst verschrieben haben, wie das Mal Seh’n, Harmonie und Cinema, das Filmforum Höchst. Dazu öffnen auch die Kinopolis-Gruppe und das Kino Metropolis.

          Das größte Problem für die Kinobetreiber ist, sagen sie übereinstimmend, erst in zweiter Linie der Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Besuchern. Sondern die weiterhin gültige Regel, dass je fünf angefangene Quadratmeter in Räumen nur eine Person sitzen darf. Eine Vorschrift, die für die Gastronomie schon Ende Mai gekippt worden ist, in den Kinos aber nach wie vor gilt. Weil die Gastronomen eine stärkere Lobby hätten und dem ein oder anderen Landespolitiker die Lage der Kultur vielleicht doch nicht so wichtig sei, mutmaßen manche aus der Branche. Täglich hoffen sie auf eine Lockerung durch das hessische Corona-Kabinett. Nun haben sie sich für den 2. Juli erst mal auf die Minimallösung eingestellt.

          Im Testbetrieb

          „In Bayern reichen 1,50 Meter Abstand“, sagt Bausch, der neben den beiden Frankfurter Häusern das Casino-Kino in Aschaffenburg betreibt. „Hessen ist das einzige Land, das eine solche Regelung aufrechterhält“, sagt er und verweist darauf, dass anders als in der Gastronomie in den Kinos die Besucher gleichzeitig nur in bestimmten Zeitfenstern kämen. Gesprochen wird während des Films in der Regel auch nicht.

          Seit dem 18. Juni haben das Arthouse-Kino Mal Seh’n im Nordend und das Kino im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum (DFF) im Testbetrieb Abläufe, Hygienepläne und Publikumsresonanz erprobt. „Sehr zufrieden“ sei sie, sagt Kinoleiterin Natascha Gikas vom DFF. „Viele haben gesagt, dass sie so froh sind, dass sie die Filme wieder auf der großen Leinwand sehen können, auch das Stammpublikum ist zurück. Fast alle Vorstellungen bislang waren ausverkauft.“ Dazu zählen unter anderem Karola Gramann und Heide Schlüpmann. Die beiden Filmwissenschaftlerinnen, Gründerinnen der Kinothek Asta Nielsen, waren seit dem 18. Juni so gut wie jeden Tag im Kino. Nach drei Monaten ohne Leinwand, wo sie sonst drei-, viermal in der Woche im Kino sind. Viele Ältere, so Gramann, seien im Publikum gewesen, alle fühlten sich offenkundig sehr sicher mit den Regelungen in den Kinos, sie selbst auch.

          Ansturm auf die Tickets enorm

          „Wenn die Leute im Kino sitzen, fühlen sie sich sicher, sie sind so dankbar und glücklich, wieder im Kino sein zu können“, sagt auch Gunter Deller vom Mal Seh’n. „Ich mache vor jeder Vorstellung eine Ansage, die Lüftung läuft, die Zuluft läuft, es wird desinfiziert, die Außentüren stehen offen. Ich führe jeden Einzelnen an seinen Platz.“ Alles klappe ganz prima, sagt Deller. Der Ansturm auf die Tickets, die meisten reservieren per E-Mail, sei enorm: Schließlich kann er maximal 20 Gäste plazieren – wenn möglichst viele Paare oder gemeinsame Haushalte dabei sind. Sonst, je nach Lage, 15 bis 17. Ins Kino des DFF passen zwischen 24 und 30 Personen. „Ausverkauft“ im Cinema heißt bis auf weiteres: 48 Plätze, wer online reserviert, muss den Datenzettel nicht mehr ausfüllen und vermeidet Anstehen an der Abendkasse. „Das hilft sehr“, sagt Bausch, der Vorverkauf laufe ordentlich.

          Mit 1,50 Meter Abstand allerdings, selbst ohne die fünf Quadratmeter, lohnt sich der Betrieb nicht. „Wenn wir in den nächsten Monaten nicht auf Mindestabstand einen Meter kommen, gibt es keine Kinos mehr. Jedenfalls nicht ohne staatliche Subvention“, stellt Bausch klar. Kino mit 48 Besuchern auf 220 Plätzen sei weder rentabel, noch biete es die Atmosphäre, die ja mit verkauft werde.

          Spenden und Gutscheinkäufe zur Überbrückung

          Dank Hilfen von Bund und Land und der Solidarität des Publikums, das mit Spenden und Gutscheinkäufen seine Kinos unterstützt, könnten noch ein paar Wochen überbrückt werden, schätzt Deller. Den Testbetrieb konnte er nur fahren, weil er allein, mit einer Kollegin, praktisch kostenneutral arbeitete. Viele Verleiher kommen derzeit den Kinos entgegen und verlangen keine Mindestgarantie, Klassiker werden günstig angeboten. Dennoch müssen die Kinos, die sich nun öffnen, hart kalkulieren. Das DFF etwa hat sein aufwendiges Programmheft nicht gedruckt und wird auch Filme aus dem eigenen Archiv zeigen.

          Die Frankfurter Filmkunsttheater haben sich für eine Werbekampagne zur Wiedereröffnung zusammengetan, es wird noch öfter miteinander gesprochen als früher. „Undine“ wird von 2. Juli an auf gleich drei Programmschienen im Cinema laufen, parallel zeigt das Mal Seh’n den Film mit Paula Beer und Franz Rogowski auf zwei Programmplätzen – kein Problem bei so wenigen Tickets. Ansonsten laufen erst einmal viele Filme aus dem ersten Quartal – und die wie „Undine“ verschobenen Neustarts von damals.

          Die ersten ganz neuen Filme stehen ebenfalls bevor, befürchtet wird sogar eine Flut, vor allem im Herbst: Für die Kapazitäten der Arthouse-Kinos habe es immer schon zu viele Filme gegeben, die auf die Leinwand drängten, sagt Deller. Das Kinoprogramm sei derzeit regelrecht „entschlackt“. Die Krise nutze er auch, um generell über Kino nachzudenken, über einen „digitalen Saal“ als Zusatzangebot beispielsweise. Gikas wiederum hat im August rasch noch Platz für einen Neustart in der Reihe „Was tut sich im deutschen Film?“ geschaffen – er hätte sonst womöglich keine Leinwand gefunden. Und die sind, für die Filmbranche ebenso wie fürs Publikum, ganz offenkundig weiter lebensnotwendig.

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