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Franka Potente im Interview : „Ich gelte in der Branche nicht als schön“

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„Ich bin eher so von nebenan”: Franka Potente Bild: ddp

Am Donnerstag kommt Franka Potentes erster Film in die Kinos: „Der die Tollkirsche ausgräbt“. Im Interview mit der F.A.Z. spricht Potente über ihr Regiedebüt, Ehrlichkeit im Showgeschäft und Jogginganzüge in Größe 34.

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          Am kommenden Donnerstag (30. November) kommt „Der die Tollkirsche ausgräbt“ in die deutschen Kinos. Es ist der erste Film von Schauspielerin Franka Potente. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht sie über ihr Regiedebüt, Ehrlichkeit im Showgeschäft und Jogginganzüge in Größe 34.

          Sie haben Ihren ersten eigenen Film gedreht, einen vierzigminütigen Stummfilm, der jetzt - halbe Länge, halber Preis - ins Kino kommt. Sie haben das Drehbuch geschrieben und Regie geführt: War Ihnen die Schauspielerei nicht mehr genug?

          Ich weiß gar nicht, ich hatte eigentlich nie vor, Regie zu machen oder ein Drehbuch zu schreiben. Ich hatte einfach Zeit, und ich hatte dieses Bild im Kopf, das ich geträumt hatte, ein Albtraum eigentlich, daß ich auf einer Wiese gehe, und da ist irgendwas, und ich hebe das auf, und dann kommt immer was nach, das hört nicht auf. Der Rest der Arbeit war: Was wäre wenn? Da weiterzudenken, was das sein könnte.

          „Ich bin eher so von nebenan”: Franka Potente Bilderstrecke

          Die Geschichte spielt 1918 und handelt von einem Mädchen aus gutem Hause, das verheiratet werden soll - doch dann platzt unerwarteter Besuch in das Geschehen, und alles kommt anders. Warum erzählen Sie das im Stil der frühen Stummfilme, Schwarzweiß, mit Sprachtafeln und übertrieben agierenden Schauspielern?

          Ich hatte schon oft gedacht, Mensch schade, daß es keine Stummfilme mehr gibt. Mich haben diese verspielten Techniken gereizt, die es damals gab, Kurbel-Rückblenden, Stopptricks und was es da nicht alles gibt. Außerdem hat man bei einem ersten Film ja auch nicht das Geld oder das Know-how für große Special Effects, und da kann man es ja auf charmante Weise auch so machen.

          Es gibt ja diese Sehnsucht der Deutschen nach einem Weltstar aus den eigenen Reihen, und keiner ist da in den letzten Jahren näher herangekommen als Sie. Ich hatte immer das Gefühl, daß Sie dafür nicht zur Verfügung stehen.

          Irgend jemand hat mal beleidigt geschrieben, ich wäre ohne Oscar nach Hause zurückgekommen. Oder es heißt, ich sei gescheitert in Amerika. Da denke ich immer, wie stellt ihr euch denn so eine Karriere vor? Glaubt ihr allen Ernstes, ich könnte in einem Land wie Amerika so Filme machen wie Cameron Diaz zu ihren besten Zeiten? Guckt mich an, Punkt eins. Punkt zwei: Ich hab' einen Akzent. Und war nicht mit Tom Cruise zusammen. Also wollen wir doch mal die Kirche im Dorf lassen. Ich hab' gerade mit Eric Bana gedreht, nächstes Jahr drehe ich wahrscheinlich noch mit Steven Soderbergh - was ist daran eigentlich so schrecklich unerfolgreich?

          War es nie Ihr Traum, ein Star zu sein?

          Ich glaube, bevor ich diesen Wunsch hätte haben können, haben sich bei mir immer schon so viele Sachen erfüllt. Man muß ja auch meinen Horizont bedenken - ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, für mich war schon das absolute Nonplusultra, auf der Schauspielschule in München aufgenommen zu werden. Das klappte noch direkt vorm Abitur, da war gar keine Luft dazwischen. Abitur, zack, ab nach München, und bevor die Schauspielschule fertig war, wurde ich für „Nach fünf im Urwald“ entdeckt. Und dann kam, zack, „Lola rennt“. Und dann eigentlich sofort „Blow“, mit Johnny Depp. Und dann ging das immer so weiter.

          Ich habe ein Bild von Ihnen im Kopf: irgendeine glanzvolle Premiere, ich glaube, es war in Amerika, roter Teppich, viele Fotografen, Sie trugen ein tolles Kleid - und dazu Turnschuhe.

          Ja, das habe ich früher immer gemacht.

          Damit man sieht, daß Sie das alles nicht so ernst nehmen?

          Bestimmt auch, ja, kann schon sein. Aber es war mir vor allem auch immer zu unbequem mit hohen Schuhen, und ich dachte, man sieht es ja auch überhaupt nicht. Das ist etwas, das ich vom Set übernommen habe. Da hat man oft zum Kostüm irgendwelche Boots an, wenn man in einer Szene die Füße nicht sieht, und da dachte ich wohl irgendwie, ach wieso, das sieht doch gar nicht so schlecht aus.

          Haben Ihre amerikanischen Agenten da nicht die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen?

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