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Filmregisseure auf der Berlinale : Wir sind noch nicht gut genug in der Spitze

  • Aktualisiert am

„Jeder gute Film macht Mut” - vier Regisseure im Gespräch Bild: Christian Thiel

Vier deutsche Filme stellen sich auf der Berlinale dem Wettbewerb um den Goldenen Bären - so viele wie noch nie. Von einem Durchbruch kann dennoch keine Rede sein, wie deren Regisseure im Interview erklären.

          Die vier Regisseure der deutschen Wettbewerbsbeiträge, Valeska Grisebach, Matthias Glasner, Oskar Roehler und Hans-Christian Schmid, erklären, warum trotz großer Präsenz bei den Filmfestspielen von einem Durchbruch des deutschen Films keine Rede sein kann.

          Vier deutsche Filme laufen im Wettbewerb, so viele wie noch nie. Ist es nur ein privater Sieg, wenn man zur Berlinale eingeladen wird, oder fühlt man sich als Teil einer Bewegung, die sich im Aufschwung befindet?

          Hans-Christian Schmid: Ich kann nicht beurteilen, ob der deutsche Film im Aufschwung ist. Woran macht sich das fest, an der Qualität der Filme oder am Einspielergebnis? Und ich fühle mich nicht wohl dabei, immer gleich von einer Tendenz oder einem Trend zu sprechen.

          Man muß sich vor dem Fernsehen hüten - Hans-Christian Schmid

          Woran merkt man denn, wie es im deutschen Film gerade läuft?

          Schmid: Ich merke das am ehesten daran, ob in den Kinos deutsche Filme laufen, die ich mir gern ansehen möchte. In den letzten Jahren war das so, da gab es immer ein halbes Dutzend solcher Filme.

          Valeska Grisebach: Ich war lange nicht in Berlin, aber jetzt kommen gerade viele, die offenbar auch ein Bedürfnis haben, hier zu arbeiten. Es geht darum, daß auch Regisseure etwas miteinander zu tun haben wollen, sich gegenseitig wahrnehmen und unterstützen. Es kann ja auch für andere - ohne daß man deswegen eine Gruppe sein muß - spannend sein, diese Filme in Verbindung zu bringen.

          Oskar Roehler: Irgendwie ist man immer ein Einzelkind. Aber es gibt eine kontinuierliche Arbeit von Kollegen, die gute Filme machen. Das war 2000 nicht so. Deswegen finde ich schon, daß sich wirklich etwas bewegt.

          Woran könnte das liegen? Früher fehlte es ja nie an vielversprechenden Debüts, aber oft an der Kontinuität.

          Roehler: Wenn früher einer Erfolg hatte, dann haben sich den sofort irgendwelche Produzenten abgegriffen und gesagt: Das ist unser kommerzieller Mann, sie haben ihm irgendeinen Mist aufgedrückt, und dann war er wieder weg vom Fenster. Oder er hatte Glück und hatte dann noch mehr Erfolg, was selten war. Ich glaube, das ist heute anders, weil Verleiher und Produzenten einfach mehr Ahnung haben. Das Wissen um Film und um das, was man wirklich erzählen möchte, hat sich konsolidiert.

          Da können wir gleich Matthias Glasner fragen. „Die Mediocren“ und „Sexy Sadie“ wurden viel beachtet, dann kam „Fandango“, der durchfiel, und dann haben Sie fünf Jahre keinen Kinofilm mehr gemacht. Was heißt da Kontinuität?

          Glasner: Im Gegensatz zu Oskar kann ich nicht finden, daß sich da etwas groß verbessert hat. Die Verleihsituation ist katastrophal, sie ist schlimmer denn je. Vieles bricht weg, was früher da war. Und die Kleinen, die nachkommen, haben kein Geld. Richtig ist, daß der Fimmel mit dem Pro-Sieben-Look, dieses Pseudo-Hollywood, wieder vorbei ist. Es gibt einen Trend, daß nicht mehr jeder glaubt, wir machen jetzt den Massenerfolg, sondern wir machen gute Filme, nur für uns - wir wollen ja was erzählen. Für mich ist Filmemachen wie am Tisch sitzen und Leuten Geschichten erzählen. Wir machen kein Produkt, sondern wir erzählen etwas. Das scheint momentan ganz gut zu funktionieren, aber es sind trotzdem Einzelkämpfer. Ich drehe aber auch gerne fürs Fernsehen. Die schönsten deutschen Filme der letzten Jahre sind für mich eigentlich die von Dominik Graf - und die sind zum größten Teil fürs Fernsehen gedreht. Im Fernsehen hat man seine Freiräume, dafür gibt es andere Beschränkungen, diese Zeitspanne von 88:30 Minuten, das hasse ich wie die Pest. Es gibt also eine Kontinuität von Arbeit, aber nur, wenn man auch Fernsehen macht.

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