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Film-Ausstellung „Katastrophe“ : Welten im Bilduntergang

New York zittert unterm Eispanzer: So malte sich Roland Emmerichs „The Day after Tomorrow“ eine mögliche Klimakatastrophe aus. Bild: Twentieth Century Fox

Die Ordnung des Spielfilms kämpft mit dem Chaos anders als die Wissenschaft – in der Ausstellung „Katastrophe“ im Frankfurter Filmmuseum lernt man die Unterschiede.

          4 Min.

          Filme über Katastrophen sind eine ganz eigene Art des Gruselkinos, eine Hybridform aus Horror und Science-Fiction. Sie leihen sich vom Horrorfilm den Griff in die Eingeweide der Zuschauer, wenn sie die Welt durch Naturgewalten (fast) untergehen lassen, und schauen sich bei ihren Science-Fiction-Geschwistern ab, wie man gleichzeitig das Gehirn der Zuschauer anspricht, mit einem „Was wäre, wenn?“, das wissenschaftliche Thesen konsequent bis zum Ende durchdenkt. Dieser Frage des „Was wäre, wenn?“ geht das Filmmuseum Frankfurt in der Ausstellung „Katastrophe“ nach.

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Dass es hier nicht nur um die Fiktion geht, sondern auch um die Wissenschaft, wird gleich zu Beginn der Ausstellung klar. Hier steht ein Blitzableiter, 1752 von Benjamin Franklin erfunden, verweist er auf den Beginn der Aufklärung, als die Menschen durch Forschung ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen. Ihm gegenüber prangt das Zitat Max Frischs: „Katastrophen kennt allein der Mensch, sofern er sie überlebt. Die Natur kennt keine Katastrophe.“ Im umfangreichen Begleitbuch zur Ausstellung nimmt die Literaturwissenschaftlerin Solvejg Nitzke Frischs Zitat als Ausgangspunkt für einen klugen Aufsatz über das Verhältnis von Mensch und Natur. Und auch die Wissenschaftler, die später in der Ausstellung zu Wort kommen, widersprechen Frisch ein wenig: Die Natur mag keine Katastrophen kennen, aber der Mensch ist nicht dazu verdammt, sie hinzunehmen, er kann sich dank Forschung gegen sie wappnen, vor ihnen warnen und Schutzmaßnahmen ergreifen.

          Die Ausstellungsstücke umfassen auch Dias für die Laterna Magica. Dieses zeigt einen „Eisberg“.
          Die Ausstellungsstücke umfassen auch Dias für die Laterna Magica. Dieses zeigt einen „Eisberg“. : Bild: DFF – Deutsches Filminstitut und Filmmusum/Archiv Ruth Baumer&Günther Holzhey

          Wenn man sich vom Blitzableiter abwendet, führt der Weg durch helle Sperrholzplatten. Sie trennen die einzelnen Stationen der Ausstellung, geben einen Rundweg vor. Mal sind sie mit Plakaten von Katastrophenfilmen behängt, mal zeigen sie die Texttafeln zur jeweiligen Station, mal Drehbuchauszüge, mal bilden sie Boxen, in denen den Filmplakaten die Covergeschichten alter Spiegel-Ausgaben aus fünf Jahrzehnten gegenübergestellt werden. So hängen zwischen den Postern für das Seismologie-Drama „Volcano“ und den Post-Nuklearunfall-Film „Die Wolke“ die journalistischen Schreie: „Hilfe, die Erde schmilzt“ (2008) und „Mörderisches Atom“ (1986).

          Hat Godzilla wahre Vorbilder?

          Wie weit entfernt sich Kunst von der Realität? Was kann Realität aus Kunst lernen? Solche Fragen erörtern Wissenschaftlerinnen und Forscher des Frankfurter Senckenberg Naturmuseums, das Kooperationspartner für die Ausstellung ist. Die Paläanthropologin Irina Ruf etwa beantwortet die Frage, ob Godzilla wahre Vorbilder hat („Er ist eher ein Wolpertinger aus Krokodil, T-Rex und ausgestorbenen Meeresechsen“) und Biogeograf Thomas Hickler erklärt, wie sich der Klimawandel andeutet. Da auch der Bildschirm, auf dem diese Interviews laufen, nur an der Sperrholzwand hängt, die den Raum mehr optisch als tatsächlich vom Rest der Ausstellung abtrennt, dröhnt über die Forscheraussagen hinweg der Ton der nächsten Videoinstallation.

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