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„Star Wars“-Film „Solo“ im Kino : Auf der gefährlichen Schmugglerroute

Ohne Han Solo geht gar nichts: Alden Ehrenreich schlüpft in die Rolle des Weltraumcowboys. Bild: AP

Die Magie des Blockbuster-Kinos kann nicht nur in der Überraschung liegen, sondern auch in der Wiederholung mit Variationen: Warum „Solo: A Star Wars Story“ trotz kleiner Schwächen groß ist.

          Jede Bewegung beginnt mit einem Funken. Ob er sich als elektrisches Signal über Zellmembranen ausbreitet, damit Muskeln kontrahieren, um den ersten Schritt zu tun, oder als Zündfunken, der die Maschine startet. Am Ende jeder Bewegung ist ein Preis zu zahlen. Und zwischen Funken und Preis wartet das Abenteuer.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          In „Solo: A Star Wars Story“ ist dieser Funke zentral. Er erhellt den Kinosaal wie ein Stroboskop, als der junge Han Solo (Alden Ehrenreich) zu Beginn auf der Flucht versucht, einen Speeder kurzzuschließen. Ein Funke wird die Crew des berüchtigten Raumfrachters „Millennium Falcon“ aus den Fängen eines lovecraftesken Weltraumkraken sowie dem Sog einer unverhüllten Singularität retten. Er wird dafür sorgen, dass Han von sich später behaupten kann, den „Kessel Run“, eine sagenumwobene Schmugglerroute, in weniger als zwölf Parsec geflogen zu sein. Und schließlich muss der Film, der zwischen Episode III und IV angesiedelt ist, als nachgereichte Initialzündung für zwei Drittel des Star-Wars-Universums funktionieren. Han Solo – die Rolle verhalf Harrison Ford zum Durchbruch – ist für viele die wichtigste Figur der Star-Wars-Reihe.

          George Lucas beschreibt ihn 1975 als „Cowboy in einem Raumschiff, schlicht, sentimental und fest überzeugt (,cocksure‘) von sich.“ Da liegt es nahe, die Geschichte, die erzählt, wie er auf seinen haarigen Kopiloten, den Wookie Chewbacca (Joonas Suotamo) trifft, seinen Blaster bekommt und den „Millennium Falcon“ vom capetragenden Kartenspieler Lando Calrissian (Donald Glover) gewinnt, als galaktischen Western zu inszenieren. „It is a lawless time“ steht zu Beginn in bewährt blauer Schrift auf der sternenübersäten Kinoleinwand.

          Weltraumcowboy auf der Flucht

          Ein „Outlaw“ auf der Flucht: weg von den Straßen des Raumschiffsindustrie-Planeten Corellia, einer Art überdimensionalem VW-Werk, wo Hans Vater schon an jenen Raumfrachtern des Modells YT-1300 arbeitete, die für seinen Filius in Form des „Falcon“ später zur Bestimmung werden sollten. Seine Freundin Qi’ra, (Emilia Clarke alias Daenerys Targaryen aus der Serie „Game of Thrones“) lässt er dort zurück. Wir begleiten ihn durch eine kurze Episode als Soldat in den Reihen des Imperiums. Dort schließt er sich mit dem Gangster Beckett (Woody Harrelson) zusammen, mit dem er auf umständliche Weise versucht, an Coaxium zu kommen, dem Stoff, aus dem Hyperraumtreibstoff gewonnen wird – das Gold dieses Space-Westerns.

          Seit Lucasfilm im Juli 2015 bestätigte, dass Han in seiner ersten Solo-Mission zu sehen sein wird, wurde das Projekt torpediert. Die Produzentin Kathleen Kennedy verkrachte sich mit den Regisseuren Phil Lord und Christopher Miller („21 Jump Street“), so dass Ron Howard („A Beautiful Mind“, „Frost/Nixon“, „Apollo 13“) übernehmen musste. Über zwei Drittel des Films soll er neu gedreht haben.

          Wer mit dem Sternenkrieg bisher nichts zu tun hatte, bekommt hier eine funkensprühende Muppet-Laser-Western-Version von „Catch Me If You Can“, deren Geschehen größtenteils in ziemlich pfiffigen Einstellungen (Kamera Bradford Young) aufgelöst wird. Wer hingegen schon zu den Bekehrten gehört, der muss sich prüfen, ob er sich auf all die Selbstzitate einlassen will, die vornehmlich aus der vierten bis sechsten Episode der Saga stammen.

          Mängel aller Art finden sich in diesem Film so zahlreich, wie am „Millennium Falcon“ in der achten Episode. Die banale, aber überlieferte Namensfindung von Han Solo, der Umstand, dass Emilia Clarke selten mehr ist als eine lächelnde Statistin, Hans Versuche, die Wookie-Sprache „Shyriiwook“ zu sprechen, und die verwirrende zeitliche Einordnung des Ganzen in den Haupterzählstrang der Saga sind nur einige. Der Vorwurf der Vorhersehbarkeit war selbst vorhersehbar. Aber der Film hält eine ganze Reihe Überraschungen, Absurditäten und Schrullen parat. Von einer zauberhaften Duschszene bis hin zur ersten „weiblichen“ Droidin der Reihe, die eine Rebellion der Maschinen anzettelt. Die Textur, die nicht nur davon bestimmt wird, dass alle ständig Pelz tragen, um auf die pankosmische Haarigkeit der Dinge hinzuweisen, hat in der siebten Episode noch sehr und der achten schon wieder etwas weniger gefehlt. Der „Falcon“ sieht zu Beginn noch aus, als wäre er gerade aus dem Ei geschlüpft. Und wer Hans Grinsen sieht, als der das erste Mal im Cockpit sitzt, als das Schiff auf Hyperraumgeschwindigkeit beschleunigt, wird sich vielleicht an seine erste Fahrt im eigenen Auto erinnern und daran, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist.

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