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„Maria Stuart“ im Kino : Das Ärgste, was wir von ihr wissen

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Die irische Schauspielerin Saoirse Ronan tritt mit ihrer Interpretation der Rolle die Nachfolge von Katharine Hepburn, Glenda Jackson oder auch Zarah Leander an. Sie bringt dafür etwas ganz Eigenes mit: „Üblicherweise verbinden wir mit Schauspiel eine Verwandlung – eine junge Frau von heute verwandelt sich in eine junge Königin von damals. Das ist es, was meine Mutter unter Schauspiel versteht“, sagt Rourke. „Ich wollte aber, dass Saoirse ihre eigene Identität, ihre eigene, beginnende Weiblichkeit in diese Figur einbringt, eine Weiblichkeit in einem unglaublich männlich bestimmten Raum. Saoirse brachte dazu noch etwas Besonderes mit: ihre irische Geschichte. Ihr Name bedeutet Freiheit. Sie hat ein Gefühl für nationale Kultur und für starke Zugehörigkeit. Mary Stuart glaubte absolut daran, dass sie die rechtmäßige englische Königin war. Da geht es nicht um individuelle Größe – das wäre bloß mutwillig. Da geht es um nationale Identität.“

Diese Identität ist aber eben individuell vielfältig. Einer der auffälligsten Aspekte von „Mary, Queen of Scots“ ist die multikulturelle Zusammensetzung der Hofgesellschaften. Haben sich da repräsentationspolitische Anliegen eingemischt? „Es gab farbige Menschen im Tudor-England. All die Darstellungen, in denen alle weiß sind, sind historisch irreführend. Es gab sogar farbige Leute mit Status. Darauf beziehen wir uns, und das bringen wir mit unserer Besetzung zum Ausdruck. Der italienische Höfling David Rizzio wird von einem Schauspieler aus Puerto Rico gespielt. Von den vier Frauen um Mary ist nur eine schottisch, von gemischter Abstammung, also gleichsam die Farbige in der Runde. Ich glaube, dass wir wenige Jahre davon entfernt sind, dass das alles komplett normal ist. Es ist ja auch absurd. Adrian Lester war der Hamlet bei Peter Brooks, das war wahrscheinlich der größter Theaterregisseur im 20. Jahr. Lester wuchs 40 km von Shakespeares Geburtsort entfernt auf, er spielte Othello, und weiß mehr über Tudor-England als viele Experten. Auf dieses mannigfaltige Wissen nicht zurückzugreifen, erschiene mir absolut widersinnig. Also spielt er den Lord Randolph.“

Unweigerlich verbinden sich hier Emanzipationsbewegungen in der Deutung einer Figur, die als Vorbild nur insofern taugt, als sie die Ungleichzeitigkeiten in der Moderne deutlich macht. Josie Rourke könnte mit ihrem ersten Film sogar im Oscar-Rennen eine Rolle spielen. Und Hollywood sucht Regisseurinnen. „Zu Beginn meiner Karriere am Theater war ich oft die einzige Frau im Raum. Ich hatte es oft mit Kollegen zu tun, die noch nie unter einer Frau gearbeitet hatten. Das war die Wirklichkeit, in der ich anfing. In dem Moment aber, in dem ich die Regie für den Film übernahm, kamen die unterschiedlichsten Menschen ins Spiel, und die ganze Szene um mich herum veränderte sich. Das Theater ist viel älter und konservativer, das Kino ist im Vergleich jung.“ Das mag so sein: Die Kunst in „Mary, Queen of Scots“ besteht allerdings darin, den Altersunterschied zu Schiller gering erscheinen zu lassen. „Das Ärgste“, das wir über Maria Stuart wissen, ist immer auch das Heutigste.

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