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Filmkritik „Rambo: Last Blood“ : Warum der Veteran Tunnel buddelt

Das Kunstblut fließt in Strömen: Sylvester Stallone in einer Szene aus „Rambo: Last Blood“. Bild: Universumfilm

Der neue Rambo-Aufguss „Last Blood“ versucht, seinen Helden ernst zu nehmen. Dieser Vorsatz kommt dem Film leider irgendwann abhanden, dann wird’s albern.

          3 Min.

          Irgendwo zwischen Film eins (First Blood) und Film fünf (Last Blood) ist sich John Rambo abhanden gekommen. Wir erinnern uns an den einzig wesentlichen Rambofilm, den ersten, ein ziemlich stringent und ökonomisch durcherzähltes Epos über einen Mann im Ausnahmezustand, der als Ein-Mann-Armee ziemlich viele ziemlich dämliche Polizisten in landschaftlich schöner Umgebung zerlegt, weil er gerade aus Vietnam kommt und sich im amerikanischen Alltag nicht mehr auskennt. Dauernd wollen Menschen mit ihm reden, aber das Konzept Problemlösung durch Kommunikation hat er irgendwann verlernt, weshalb er so lange ausweicht, bis das Gegenüber die Geduld verliert, und dann wird es blutig. Vor allem dann, wenn da gelangweilte Provinzcops stehen, die endlich auch mal schießen wollen, man hat ihnen schließlich so schöne Waffen zur Verfügung gestellt.

          In der Zwischenzeit kam es zu mehreren Aufgüssen, die wir hier einmal übergehen, und nun also „Last Blood“, Rambos Ende, falls es nicht zu einem neuerlichen Sequel kommt. Wir treffen den gealterten Veteranen in Gestalt des auch schon ziemlich zerfurchten Sylvester Stallone auf der elterlichen Farm in Arizona (herrlich karg: Teneriffa) an, umsorgt von Maria (Adriana Barraza), der mexikanischen Haushälterin und so gut wie seine Schwester. Mitunter besucht die beiden auch Gabrielle (Yvette Monreal), Marias Enkelin. Ansonsten sitzt Rambo wortkarg herum oder buddelt Tunnel. Er haust in einem unterirdischen Verlies, das so frontgrabenmäßig wie möglich aussieht, und das ist in seiner Trostlosigkeit nicht unanrührend.

          Der Ruhestand hätte so schön sein können, wenn die Kinder mal auf einen hören würden: Rambo mit Gabrielle (Yvette Monreal).

          Was dann passiert, zerfällt im Grunde in zwei Filme, nämlich in den mit der Handlung und den mit der Gewalt. Beginnen wir mit der Handlung, dieser Abschnitt nimmt etwa die ersten beiden Drittel der insgesamt 89 Minuten ein. Gabrielle, gerade zwischen Schule und Uni befindlich, möchte ihren Vater treffen, der damals sie und ihre krebskranke Mutter sitzengelassen hat und nun irgendwo in Mexiko haust, weil sie wissen will, warum er so ein Schwein ist. Fahr da nicht hin, sagt Rambo, der ist ein böser Mensch. Natürlich fährt sie hin, und natürlich ist er ein böser Mensch.

          Kann nicht nur Damaszenermesser, sondern auch Rachepläne schmieden: John Rambo (Sylvester Stallone).

          Ein ebenso böser Mensch ist ihre Freundin Gizelle, stark geschminkt, mit Goldkettchen behängt und mit guten Kontakten zu Mädchenhändlern. Es kommt dann leider, wie es kommen muss, Gabrielle endet in einem mexikanischen Keller mit sehr vielen anderen Mädchen, die in die Prostitution verkauft werden sollen, woran sich ein ähnlich fieses, aber ansonsten recht ungleiches Brüderpaar bereichert, nämlich Hugo und Victor Martinez. Sie sitzen, wie sich das für ordentliche Mädchenhändler gehört, koksend in einer Villa mit Pool und machen skrupelloses Business. Kurz flackert zwischen den beiden eine Art Geschichte auf, weil der ältere den jüngeren nie ernst nimmt, aber Zeit für Charakterstudien nimmt sich der Film dann lieber doch nicht, er hat schließlich noch einen Haufen Handlung zu wuppen, bis endlich das Geballer losgehen kann.

          Der kopflose Leichnam des Schurkenbruders

          John Rambo hört, als er Gefahr, Verschleppung und Mädchenhändler riecht, sofort mit dem Buddeln von Tunneln auf und fährt selbst über die Grenze, um Gabrielle zu befreien. Weit kommt er nicht, er wird von den Schergen der Martinez-Brüder zusammengeschlagen und liegt blutend in der Ecke, bis ihn die Journalistin Carmen Delgado (Paz Vega) aufsammelt, zusammennähen lässt und ansatzweise aufpäppelt. Sie selbst hat ebenfalls ein Familienmitglied an die Martinez-Schurken verloren und warnt Rambo. Bis dahin denkt man noch, man habe es mit einem einigermaßen intelligenten Film zu tun, aber keine Bange, das legt sich bald.

          Schurkige Schurken sind schurkig: Die Martinez-Brüder (Sergio Peris-Mencheta und Oscar Jaenada als Hugo und Victor) lächeln den Fremden unfreundlich an.

          Rambo schmiedet nämlich einen Racheplan. Er prügelt Gabrielle aus einem Bordell, in dem sie unter Drogen gesetzt dahinvegetiert, schafft es nicht, sie heil nach Hause zu bringen, ist nun ernsthaft sauer und löst den Rest der Sache dann mit zielgerichteter Gewalt. Dass sich der Rest des Films so knapp zusammenfassen lässt, spricht nicht unbedingt für ihn. Aber gut, schauen wir Rambo eben zu, wie er alles kaputtmacht: Der kopflose Leichnam des jüngeren Martinez-Schurkenbruders im Koksvilla-Boxspringbett ist nur die Warnung, denn natürlich müssen sie alle sterben. Dem Rest der Bande lauert er im heimischen Dungeon in Arizona auf, das sie erwartungsgemäß paramilitärisch stürmen. Man weiß nun, dass nach den Gesetzen des Actionfilms sämtliche Handlanger namenlos weggeballert werden, bis am Ende der Bossfight mit dem älteren Martinez-Schurken ansteht.

          Und allerspätestens da wird es ernsthaft albern. Das Kunstblut fließt in Strömen, die Organattrappen pochen oder rollen oder befinden sich anderweitig außerhalb des Körpers. Was um Himmels Willen ist das für ein Film, und warum hat man ihn an den Anfang mit der auseinandergerissenen Familienkonstellation angeflanscht? Wer mit einem Rührstück beginnt, kann nicht mit einem Actionkracher aufhören, den man so auch seit den früheren Neunzigern nicht mehr gesehen hat, damals aber ziemlich oft. Weil Rührstück und Actionkracher nicht die gleichen Probleme verhandeln, passt das alles hinten und vorne nicht zusammen. Am Ende jedenfalls sitzt Rambo im Schaukelstuhl und blutet die Terrasse voll, dahinter Sonnenuntergang. Man wünscht ihm inständig, er möge seinen Ruhestand nun endgültig in Frieden genießen.

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