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Filmkritik: „How to Cook Your Life“ : Weise kochen mit Zen

  • -Aktualisiert am

Hier geht es nicht um Rezepte: Doris Dörrie mit Zen-Koch Brown Bild: dpa

Wie finde ich durchs Kochen zu mir selbst? Dieser Frage ist Doris Dörrie in einem kalifornischen Zen-Kloster nachgegangen, wo sie dem Priester und Koch Edward Brown über die Schulter geschaut hat - einem Mann von unendlicher Gelassenheit.

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          Vor zehn Jahren drehte Doris Dörrie für die Reihe „Denk ich an Deutschland“ einen einstündigen Film, in dem es um Heimat und Gefühle und ihre Trauerarbeit nach dem Tod ihres Ehemanns Helge Weindler ging. Der berührendste Augenblick darin hat mit Kochen zu tun. Da war sie in einem Witwer einem Leidensgenossen begegnet und bereitete mit ihm und den Kindern gemeinsam den Verstorbenen ein Mahl, das sie als Opfergabe vor die Türe stellten. Die Geste war von jener einfachen Schönheit, die sie nun bei „How to Cook Your Life“ in der Zen-Kochkunst des Edward Espe Brown wiederzufinden sucht.

          Dass der Weg zur Erleuchtung steinig ist und das Filmemachen der Sache auch nicht unbedingt förderlich, davon berichten auch schon Doris Dörries letzte Romane, und schon deswegen reist sie als Filmemacherin zwischendurch immer wieder gerne mit leichtem Gepäck, dreht Dokumentationen, in denen sich der schwerfällige Apparat des Kinos nicht zwischen sie und ihre Neugier schiebt. Das Schöne an ihnen ist, dass sie impressionistisch und nicht didaktisch sind, und dass die Regisseurin nicht klüger sein will als ihr Gegenstand.

          Leichtfüßige Annäherungen

          So beobachtet sie im kalifornischen Tassajara-Kloster den Zen-Priester und Koch Brown, einen unendlich gelassenen Mann mit rundem Gesicht, der über die Weisheit seiner Ausführungen gerne selbst in glucksendes Gelächter ausbricht. Das Ganze ist natürlich kein Kochkurs im Sinne der Fernsehköche, denn beim Zen ist zwar der Weg das Ziel, aber eben nicht im Sinne von Rezepten. So sieht man Brown zwar beim Teigkneten und Gemüseschneiden, aber es geht dabei eher darum, zu sich selbst zu finden als zu einem gelungenen Mahl. Schon durch die Art, wie Brown redet, gewinnt die Dokumentation einen ganz entspannten Rhythmus, der umso glaubwürdiger ist, als dem Mann Ungeduld durchaus nicht fremd ist und er davon berichtet, dass er selbst einige Jahre brauchte, um den Sinn der Opfergaben an Buddha zu begreifen.

          Zwischendurch sammelt Dörrie auch andere Momente ein, trifft einen Obdachlosen, der sich vom weggeworfenen Essen in Mülltonnen ernährt und den durch seine Praxisnähe auch irgendwie erschütternden Hinweis gibt, im Zweifel warte er nach dem ersten Bissen eine Viertelstunde und wenn ihm dann nicht übel werde, sei das Essen auch nicht verdorben. Und ein anderes Mal treffen sie eine Frau, die die Bäume der Nachbarschaft nach Essbarem absucht und einen Feigenbaum entdeckt, dessen Früchte aber zu hoch hängen. Als sie jedoch den Tonmann erblickt, kommt sie auf die Idee, er könne ja mit dem Mikrofongalgen den Ast zu ihr herunterziehen. Also sieht man, wie auf einmal das Mikro an seinem langen Arm ins Bild kommt und der Frau den Zugang zu den Feigen ermöglicht. Man kann sich leicht vorstellen, dass Doris Dörrie nichts so vergnügt hat, wie diese leichtfüßige und lebensnahe Annäherung zwischen Kino und Nahrung.

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