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Kinofilm über Fritz Bauer : Der Mann, der nicht vergessen wollte

Der geborene Filmheld, aber einsam in Deutschland: Burghardt Klaußner als Fritz Bauer. Bild: dpa

Dokumentarisch mit Swing: Lars Kraumes Film über den Staatsanwalt Fritz Bauer, der den Auschwitz-Prozess in Gang brachte, kommt ganz ohne Kitsch aus. Und Fritz Bauer ist ein geborener Filmheld.

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          „Ich habe eine Pistole. Wenn ich mich umbringen will, dann gibt es keine Gerüchte.“ Das ist Fritz Bauers Antwort auf einen Verdacht, den sein Gegenspieler im deutschen Justizapparat, der BKA-Mitarbeiter Paul Gebhardt, zu schüren versucht, nachdem Bauer bewusstlos neben einem Rotweinglas und einem fast vollen Röhrchen Schlaftabletten in der Badewanne gefunden wurde. Ein Selbstmordversuch! Das wäre untragbar, und Bauer könnte endlich seines Amtes als Generalstaatsanwalt in Frankfurt enthoben werden. Aber es waren nur Nachlässigkeit und Erschöpfung, die Bauer einschlafen ließen, während er badete.

          Verena Lueken
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Das war 1957, und damit beginnt der Film von Lars Kraume „Der Staat gegen Fritz Bauer“. Doch noch bevor das Spiel losgeht, sehen wir ein Dokument: einen Ausschnitt aus einer Fernsehansprache, die Bauer anlässlich des Eichmann-Prozesses gehalten hatte. Und darin erklärt er, die Jugend in Deutschland sei bereit, die ganze Wahrheit zu erfahren – über ihre Väter unter Adolf Hitler, über deren Verstrickungen und Verbrechen, über die Judenvernichtung.

          Jüdisch, schwul – und nicht am Vergessen interessiert

          Die Jugend: möglicherweise. Der Rest des Landes: eher nicht. „Wenn ich mein Dienstzimmer verlasse, betrete ich Feindesland.“ Das ist ein Satz von Fritz Bauer. Im vergangenen Jahr hatte das Frankfurter Jüdische Museum dem Mann, der von 1956 bis zu seinem Tod im Jahr 1968 hessischer Generalstaatsanwalt und verantwortlich für das Zustandekommen des Frankfurter Auschwitz-Prozesses war, eine Ausstellung gewidmet. In ihr wurden die verschiedenen Traditionsstränge im Leben dieses Mannes nachgezeichnet – sein Verhältnis zu Schwaben, woher er kam, was man auch in Frankfurt hörte, wo er nach seiner ersten Station in Braunschweig nach dem Krieg landete; sein Verhältnis zur Religion – er war Jude, aber Atheist –, zur Sozialdemokratie, der er vor den Nazis abschwören musste. Auch sein Tod wurde dort von den ihn umkreisenden Legenden über einen möglichen Mord oder Selbstmord befreit. Und außerdem waren einige Dokumente zu sehen, aus denen klarwurde, wie gefährlich es bis lange nach Bauers Tod noch war, homosexuell zu sein. Der Paragraph 175, von den Nazis verschärft und erst 1994 abgeschafft, war ein machtvolles Instrument, auch der Erpressung.

          „Der Staat gegen Fritz Bauer“ – der Titel macht die Blickrichtung klar. Es gab gegen Fritz Bauers Ermittlungen gegen hohe und weniger hohe Nazi-Schergen, seine Suche nach entflohenen Massenmördern in anderen Teilen der Welt, nicht nur Widerstand in der Bevölkerung, die möglichst umgehend im deutschen Wirtschaftswunder Vergessen finden wollte. Immer wieder flattern Bauer Morddrohungen ins Haus, immer wieder übelste Beschimpfungen. Es gab darüber hinaus auch Widerstand, Querschläge, Intrigen gegen ihn im Staatsapparat. In der Justiz, die nach dem Krieg – mit Wissen der Alliierten – geradezu verseucht war mit alten Nazis, die außer Bauers unerbittlicher Brillanz noch zweierlei an ihm nicht schätzten – dass er Jude war und schwul.

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