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Filmfestival von Locarno : Hauptpreis für „Das Mädchen von Nirgendwo“

  • Aktualisiert am

Sie ist „La Fille de nulle part“: die französische Schauspielerin Virginie Legeay Bild: dapd

Jean-Claude Brisseaus Kammerspiel „Das Mädchen von Nirgendwo“ hat beim Filmfestival von Locarno den Goldenen Leoparden als bester Film gewonnen. Der Dokumentarfilm „Vergiss mein nicht“ des deutschen Regisseurs David Sieveking wurde ebenfalls ausgezeichnet.

          Die Jury des Internationalen Wettbewerbs beim 65. Internationalen Filmfestival in Locarno hat vor allem das anspruchsvolle Kino kunstvoller Art ausgezeichnet. Das deutsche Kino konnte mit dem Hauptpreis in der „Woche der Kritik“ für die Dokumentation „Vergiss mein nicht“ und mit dem Preis für den besten Film im Freiluftprogramm auf der Piazza Grande für das Anti-Kriegsdrama „Lore“ zwei der wichtigsten Ehrungen erringen. Das Schweizer Filmfest am Lago Maggiore zählt hinter Cannes, Berlin und Venedig zu den wichtigsten europäischen Festivals. Es ging am Samstag zu Ende.

          In der im Januar in den deutschen Kinos startenden Dokumentation „Vergiss mein nicht“ porträtiert Regisseur David Sieveking voller Feingefühl und mit großem Mut zu schonungsloser Offenheit seine an Demenz leidende Mutter. Der deutsche Film galt von Anfang an als haushoher Favorit in der „Woche der Kritik“.

          „Lore“, von mehr als 8000 Zuschauern auf der Piazza Grande gefeiert, verfolgt mit berührender Anteilnahme das Schicksal elternloser Kinder am Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland. Regisseurin Cate Shortland hat den Film als deutsch-australisch-britische Koproduktion realisiert.

          Den Hauptpreis im Internationalen Wettbewerb, den „Goldenen Leoparden“, vergab die Jury unter Vorsitz des Filmemachers und bildenden Künstlers Apichatpong Weerasethakul aus Bangkok an „La Fille de Nulle Part“ („Das Mädchen von Nirgendwo“) aus Frankreich. Das Kammerspiel um eine junge Frau und einen alten Mann beeindruckt insbesondere durch eine geradezu magische Bildgestaltung. Regisseur Jean-Claude Brisseau spiegelt in der Geschichte auf kunstvolle Art die Schwierigkeiten Einzelner in einer immer unübersichtlicheren Welt, den eigenen Lebensweg zu gestalten.

          Der Spezialpreis der Jury ging an die amerikanische Komödie „Somebody Up There Likes Me“. Darin zeigt Regisseur Bob Byington stilistisch originell die lebenslange Suche eines Mannes nach sich selbst.

          Fast dokumentarisch wirkende Inszenierung

          Der Preis für die beste Regie wurde dem Chinesen Ying Liang für das Drama „Wo Hai You Hua Yao Shuo“ („When Night Falls“) verliehen. Das Werk besticht durch die fast dokumentarisch wirkende Inszenierung eines auf Tatsachen beruhenden Dramas um einen Justizmord in Shanghai.

          Jury-Präsident Apichatpong Weerasethakul erklärte zur Preisvergabe vor Journalisten: „Uns hat die Vielzahl an Filmen gefallen, die sich den verschiedenen Krisen in unserer Welt auf höchst unterschiedliche Weise annehmen.“ Sein kanadischer Mit-Juror Roger Avery, Drehbuchautor und Regisseur in den Vereinigten Staaten, ergänzte: „Wir haben die Filme geehrt, die uns inhaltlich und formal derart überrascht haben, dass wir sie uns immer und immer wieder ansehen könnten.“ Insgesamt liefen in den vergangenen elf Tagen auf dem Filmfestival von Locarno rund 300 Filme in verschiedenen Sektionen. Im Internationalen Wettbewerb um den „Goldenen Leoparden“ konkurrierten 19 Dokumentar- und Kurzfilme aus aller Welt. Deutschland war mit 18 Filmen, meist internationale Koproduktionen mit starker deutscher Beteiligung, im gesamten Festivalprogramm vertreten. Der „Goldene Leopard“ und die anderen Auszeichnungen wurden am Samstagabend in Locarno während einer Gala auf der Piazza Grande vergeben.

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