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Filmfestival Locarno : Publikumspreis für „Der Staat gegen Fritz Bauer“

  • Aktualisiert am

Bild: Martin Valentin Menke/zero one film GmbH/Alamode/dpa

Der Publikumspreis für den Film über den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der die Frankfurter Auschwitz-Prozesse ermöglichte, war fast schon zu erwarten. Abschließend sorgte die Jury von Locarno jedoch noch für einige Überraschungen.

          Zum Abschluss des Filmfestivals in Locarno hat das deutsche Kino einen Erfolg verbuchen können. Regisseur Lars Kraume (42) erhielt wie erwartet für „Der Staat gegen Fritz Bauer“ den begehrten Publikumspreis. Die Auszeichnung geht an einen der Filme, die unter freiem Himmel und außerhalb des Wettbewerbs auf der Piazza Grande, dem zentralen Platz der Stadt am schweizerischen Ufer des Lago Maggiore, gezeigt werden.

          Der beeindruckende Film, in dem Burghart Klaußner und Ronald Zehrfeld als Hauptdarsteller brillieren, reflektiert die Ereignisse um die Jagd auf  den SS-Schergen Adolf Eichmann Ende der fünfziger Jahre. Der Film kommt am 1. Oktober in Deutschland in die Kinos.

          Eine wichtige Figur für die junge Bundesrepublik: Fritz Bauer.

          Die Hauptjury war für Überraschungen gut. Unerwartet ging der Goldene Leopard, der wichtigste Preis, an „Right Now, Wrong Then“ (Südkorea) von Regisseur Hong Sang-soo. Die Komödie beobachtet in zwei Erzählvarianten die erotisch aufgeladene Begegnung eines Filmregisseurs mit einer Verehrerin.

          Der von Publikum und Kritik hoch gehandelte israelische Spielfilm „Tikkun“ („Wiedergutmachung“) bekam immerhin den Spezialpreis der Jury – für den zweitbesten Film des Wettbewerbs. Das Drama von Autor und Regisseur Avishai Sivan zeigt eindrucksvoll den zum Scheitern verurteilten Versuch eines jungen orthodoxen Juden in Jerusalem, sich von den Fesseln des Glaubens und der Familie zu lösen.

          Mehr als zweihundert Filme

          Der 74-jährige polnische Regie-Altmeister Andrzej Zulawski („Nachtblende“) wurde als bester Regisseur geehrt. Die Entscheidung verblüfft, weil sein Spielfilm „Cosmos“ um die Selbstfindungsprobleme zweier junger Männer wegen der manierierten Erzählweise nicht gut ankam.

          Der Preis für die beste Darstellerin ging an vier Frauen: Sachie Tanaka, Hazuki Kikuchi, Maiko Mihara und Rira Kawamura, die Hauptdarstellerinnen des fünfeinhalbstündigen japanischen Gesellschaftspanoramas „Happy Hour“. Der Südkoreaner Jung Yae-Young wurde für seine Interpretation des Filmregisseurs im Leoparden-Gewinner „Right Now, Wrong Then“ ausgezeichnet.

          Insgesamt waren beim Festival mehr als zweihundert Filme zu sehen. 19 Spiel- und Dokumentarfilme hatten sich im Hauptwettbewerb um den Goldenen Leoparden beworben. Er gilt nach der Palme von Cannes, dem Bären von Berlin und dem Löwen von Venedig weltweit als viertwichtigster Filmfestival-Preis.

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