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Filmfestival Jerusalem : Und was machen wir jetzt mit der ganzen Solidarität?

Schwerbewaffnete Sicherheitskräfte räumen die Wüstenbehausungen eines Beduinen-Bruderpaars: ein absurdes israelisches Tableau aus „Sharqiya“ von Amil Livne Bild: Festival

Das Jerusalemer Filmfestival versucht eine Bilanz der Protestwelle und wagt die Zusammenschau mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt.

          3 Min.

          Woody Allen ist nicht gekommen. Trotzdem durfte er das Jerusalemer Filmfestival eröffnen. Ein israelischer Film, der für die traditionelle Freilichtaufführung zu Beginn taugte, war offenbar nicht zu finden. So lief Allens Hommage an die italienische Hauptstadt „To Rome with love“ im Sultan’s Pool unterhalb der Stadtmauer ohne den amerikanisch-jüdischen Regisseur. Allen dreht zwar mittlerweile überall in Europa, ist aber noch nie nach Israel gereist.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Auf dem Jerusalemer Festival macht sich schon seit einiger Zeit ausländische Prominenz rar. In den Anfangsjahren kamen noch Schauspieler wie Jeanne Moreau und Marcello Mastroianni. Doch inzwischen hat das israelische Kulturleben damit zu kämpfen, dass immer mehr Künstler wegen der andauernden Besetzung der Palästinensergebiete Abstand halten. Auch palästinensische Filmemacher, die früher häufig zu Gast waren, passieren nur noch selten die israelische Sperrmauer. Von der Terrasse der Cinémathèque, wo das Festival zu Hause ist, ist sie zu sehen.

          Doch das Filmfest lebt nicht von den Stars auf dem roten Teppich. Mit Filmen aus 45 Ländern bot die 29. Ausgabe viel Sehenswertes, auch wenn dieses Mal nichts Oscar-verdächtiges dabei war, wie vor einigen Jahren „Ajami“. Dafür versuchte die neue Festival-Leiterin Alesia Weston, mit der Serie „Freunde und Nachbarn“ neue Zugänge zu eröffnen - „zu einer Welt, die uns sehr nahe und gleichzeitig sehr weit weg ist“, sagt sie, die bis vor kurzem dem Leitungsteam des amerikanischen Sundance-Festivals angehörte. Das gelang besonders gut bei den Annäherungen an die Welle der Revolutionen und Proteste im Nahen Osten, die im vergangenen Sommer auch einige Wochen lang Israel erfassten.

          Wehmütig und traurig

          Schon der Titel von Omar Shargawis Dokumentarfilm „½ Revolution“ lässt Enttäuschung anklingen. Zusammen mit Freunden drehte der palästinensisch-dänische Filmemacher Anfang 2011 mit Video- und Handykameras elf Tage lang die Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz. Ihre erste Begeisterung schlägt in Angst und Ernüchterung um. Sie fliehen aus Kairo, das in Gewalt zu versinken droht.

          Wehmütig wirkt Regev Contes Rückblick auf den israelischen Protestsommer des vergangenen Jahres. Über Facebook hatte der Israeli vor einem Jahr zufällig Kontakt zu Daphne Leef bekommen, der Initiatorin der Demonstrationen. Beiden war gerade ihre Wohnung gekündigt worden. Über Nacht wurde Contes an die Spitze der Protestbewegung katapultiert. Hunderttausende versammelten sich rund um die Zelte auf dem Rothschild-Boulevard. Noch viel größer ist Contes Verwunderung über sich selbst: Bis zum vergangenen Sommer hatte er es vorgezogen, anderen Menschen im Internet zu begegnen. In „Friends“ erzählt er, mit selbstironischer Distanz, wie er auf einmal zum Anführer einer Bewegung wurde, die nach ein paar Monaten nicht mehr wusste, was sie aus der überraschenden Solidarität machen soll.

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