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Filmfestival in San Sebastián : Schneewittchens Vater ist Torero

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Eine Widerstandskämpferin als Modell

Manchmal macht einem schon der Titel eines Films weiche Beine, und das war der Fall bei „Der Künstler und das Modell“ des Routiniers Fernando Trueba. Nicht noch einmal „Die schöne Querulantin“, bitte, dachten wir; und keine üppig bebilderten Sentenzen über Kunst, Schönheit und Alter! Auf diesem Gebiet kann das Medium unerträglich sein. Nun, der Film handelt tatsächlich von alldem, aber in einer kleinen, präzise gezeichneten Welt. Trueba erzählt von einem französischen Dorf nahe der spanischen Grenze im Jahr 1943, in das es sowohl deutsche Soldaten als auch spanische Widerstandskämpfer verschlägt.

Hier wohnt ein alter Bildhauer (Jean Rochefort), trinkt auf dem Dorfplatz seinen Schnaps und sieht Formen, die kein anderer sieht. Er sucht nach einem jungen Modell, um noch einmal eine große Skulptur zu schaffen. Claudia Cardinale spielt seine warmherzige Frau. Früher war sie selbst sein Modell, ein besseres hat er nie gefunden; jetzt führt sie ihm junge Mädchen zu, die passen könnten, und diesmal ist es eine junge spanische Widerstandskämpferin (Aida Folch), der la Cardinale gleich klarmacht, was von ihr erwartet wird: nackt vor dem Blick des Alten zu bestehen und ihm bei der Arbeit nicht im Weg zu sein.

Truebas Film ist den Details hingegeben, aber nicht pedantisch, langsam, aber nicht träge. Er zeigt die kleinen Gesten des Respekts und der Liebe, die die Ehe der beiden Alten bestimmen, er enthüllt aber auch, wo sie nicht ausreichen. Der Krieg ist nur insofern ein Thema, als er vom Abschied handelt. Vor allem ist dieser entspannte, in Schwarzweiß gedrehte Film eine Meditation über Beharrlichkeit, das Prägende beiläufiger Begegnungen und den unausweichlichen Weg zum Tod.

Kaum Trost, doch viel Humor

Manche Festivalfilme sind verrückte Geschichten, die es vielleicht irgendwann auch ins deutsche Nachtprogramm schaffen. Einer davon könnte „El muerto y ser feliz“ (Der Tote und das Glücklichsein) sein, das Roadmovie des Spaniers Javier Rebollo, der vor drei Jahren einen Teil des Publikums mit einem mindestens ebenso schrägen Film verschreckt, uns andere aber selig gemacht hat. Diesmal: Das weite Argentinien. Ein ausgedienter alter Auftragskiller (José Sacristán) im vorletzten Stadium seiner Krebskrankheit. Mit einem Köfferchen voller Morphium begibt er sich auf die Reise, gabelt an einer Tankstelle eine fremde Frau auf, die es auch nicht so gut im Leben hatte (Roxana Blanco), und gemeinsam segeln die beiden durch diese anderthalb Stunden.

Eine Stimme aus dem Off kommentiert, was wir sehen, greift vor oder schafft ironischen Abstand. Meistens gehen solche Tricks schief, weil man die Besserwisserei von draußen nicht erträgt, aber hier funktioniert es. Javier Rebollo, der einen abgründigen, eher unspanischen Witz hat, lässt seine Geschichte weit ausschwingen und macht nie den Eindruck, als müsste er uns über Tod und Einsamkeit hinwegtrösten. Beide sind noch da, wenn die Lichter wieder angehen.

Einen Star müssen wir noch erwähnen, Penelope Cruz. Sie spielt in „Venuto al mondo“ (Zur Welt gekommen) von Sergio Castellitto eine Italienerin, die mit ihrem sechzehnjährigen Sohn nach Sarajevo reist, wo sie sechzehn Jahre und neun Monate zuvor während des Balkankriegs ... Na, Sie wissen schon, es waren schwierige Zeiten. Wir erfahren: Die Mutter ist nicht die Mutter, der Vater ist nicht der Vater, der Sohn ist nicht der Sohn.

Das alles wäre chaotisch genug. Aber in einem Finale, das das Premierenpublikum unfreiwillig zu Lachanfällen hinriss, stapelt der Regisseur ein Serbien-Klischee auf das andere, bis sein Kriegsdrama implodiert. Gern hätten wir noch von Kurt Cobain erzählt, dessen Musik eine gewisse Rolle spielt, aber wie sagt es die andere schöne Frau neben Penelope Cruz in einem Satz, der den Saal zum Toben bringt? „Kurt Cobain ist tot.“

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