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Filmfest in Kairo : Von staubigen Straßen und großen Gefühlen

  • -Aktualisiert am

Im mexikanischen Monterrey bestimmt Cumbia-Musik das Leben – und in „Ya No Estoy Aquí“ von Fernando Frías den Soundtrack. Bild: PPW Films

Ägyptens Kulturindustrie ist immer noch die bedeutendste in Nahost: Das Filmfest Kairo überzeugt in diesem Jahr mit Produktionen aus dem ganzen arabischen Raum – und einem Sieger aus Mexiko.

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          Die Sterne sind in der Kairoer Nacht selten zu sehen, zu dicht ist der Smog. Liegt auf dem Himmel eine Staubschicht, wie auf den Autos, die durch Downtown fahren? Der rote Teppich des Cairo International Film Festival aber strahlt: Er ist vor dem Opernhaus ausgerollt, auf Gezira, der größten Nilinsel der Stadt. Mit viel Glitzer und Glamour findet hier zehn Tage lang unter der Leitung Mohamed Hefzys das einzige A-Listen-Festival Afrikas und des Mittleren Ostens statt.

          Die ägyptische Kulturindustrie ist seit jeher die bedeutendste im arabischen Raum: Der Großteil der Filme – in ihren Anfangszeiten überwiegend Melodramen, Komödien, Musicals –, viele Fernsehsendungen und populäre Musik stammen aus Ägypten, weshalb das dort gesprochene Arabisch von der Mehrheit verstanden wird. Die Filmindustrie hat es schwer: Förderungen sind rar, Themen werden zensiert, das Publikum schwindet. Die Staubschicht in der Hauptstadt scheint sich auch auf die ehemals glorreiche Kinoindustrie zu legen.

          Auf dem Basar Khan El-Khalili finden sich zwischen Läden, die Kugelschreiber und Flaschenöffner mit Tutankhamun-Insignien führen, ein paar wenige Antiquariate: Im ersten Stock gibt es in einer Wolke aus Parfüm und Cumin alte Filmplakate zu kaufen. Jene aus den Fünfzigern seien nicht mehr in so gutem Zustand, entschuldigt sich der Verkäufer, sie liegen schon lange zusammengefaltet unter den Postern moderner Actionknüller.

          Heimspiel für das ägyptische Kino

          Für Marianne Khoury sind die Vorstellungen ihres Dokumentarfilms „Let's talk“ Heimspiele: Nicht nur ist die Filmemacherin die Nichte des verstorbenen Regisseurs Youssef Chahine, der im ägyptischen Kino und weit darüber hinaus als Ikone galt. Sie ist Mitbesitzerin des Zawya Kinos, eines der wenigen Arthousekinos Kairos, Austragungsort des Festivals in der Innenstadt. Khourys Film, der einzige ägyptische Beitrag im internationalen Wettbewerb, verhandelt anhand von Archivmaterial und Ausschnitten aus den Werken des berühmten Onkels in Gesprächen mit ihren Verwandten den Platz der Frauen in ihrer Familie. Wo das Publikum in anderen Filmen auf fremdsprachige Witze verhalten reagiert hatte, da grölt hier der Saal. Noch lange nachdem alle auf die Straße gespuckt wurden, wird vor dem Kino geschäkert. Der Publikumspreis geht an Khoury.

          In diesem Jahr zieht das Festival eine Parallele zwischen mexikanischem und ägyptischem Kino. Es zeigt alte und neue Werke von Buñuel über Arturo Ripstein bis zu Carlos Reygadas: Ähnlich wie das Gastgeberland erlebte Mexikos Film bis Mitte des letzten Jahrhunderts eine Blütezeit, dann Rückgang und Wiederbelebung. Der Gewinner der goldenen Pyramide, Fernando Frías, steht für ein junges mexikanisches Kino. „Ya No Estoy Aquí“ lebt von der Musik: Seine Charaktere sind eine Bande junger Cumbia-Fans in knielangen Shirts und ausgefallenen Frisuren in der Gebirgsstadt Monterrey.

          Mit der Musik im Herzen

          Eine Geschichte von Exil und Rückkehr, dessen preisgekrönter Hauptdarsteller Juan Daniel Garcia Treviño in den in New York spielenden Szenen die Sehnsucht nach seiner Heimat im Blick trägt. Vor dem Hintergrund grandioser Tanzszenen entwirft Frías das Bild eines Landes, das seiner Jugend keine Zukunft zu bieten hat – und zeigt gleichzeitig, warum es zu verlassen so schwer ist. Ulysses erklärt vor seiner Odyssee in das Nachbarland die Musik, die er so liebt: „When it’s slowed down, it has more feelings“.

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