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Filmfestival : Akin und Herzog im Wettbewerb von Venedig

  • Aktualisiert am

Deutsches Doppel in Venedig: Akin (l.) und Herzog Bild: dpa

Der Hamburger Filmemacher Fatih Akin tritt im Wettbewerb der Filmfestspiele Venedig an. Sein Drama „Soul Kitchen“ konkurriert unter anderem mit Werner Herzogs Remake von Abel Ferraras Klassiker „Bad Lieutenant“.

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          Die deutschen Regisseure Fatih Akin und Werner Herzog kämpfen im Wettbewerb der 66. Filmbiennale von Venedig um den Goldenen Löwen. Akin („Gegen die Wand“) tritt mit dem Film „Soul Kitchen“ an, Herzog („Fitzcarraldo“) ist Regisseur der amerikanischen Produktion „Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans“. Für Deutschland ist auch die deutsche Produktion „Women without men“ der iranischen Videokünstlerin Shirin Neshat im Wettbewerb vertreten.

          Insgesamt gehen 23 Filme und ein noch unbekannter Überraschungsfilm vom 2. bis 12. September ins Rennen um die höchste Auszeichnung des internationalen Filmfestivals der Lagunenstadt, teilten Biennale-Präsident Paolo Baratta und der künstlerische Festivaldirektor Marco Müller am Donnerstag in Rom mit. Romuald Karmakar ist in der Sektion „Orizzonti“, in der es um neue Tendenzen des internationalen Film geht, mit seinem Dokumentarfilm „Villalobos“ vertreten. In der Nebenreihe des Autorenkinos „Venice Days - Giornate degli Autori“ feiert Sherry Hormanns „Wüstenblume“ Weltpremiere.

          Ang Lee als Jury-Chef

          Der Film nach dem gleichnamigen autobiographischen Bestseller von Waris Dirie erzählt den Weg Diries vom afrikanischen Nomadenmädchen aus Somalia bis zum international bekannten Topmodel. Aus den Vereinigten Staaten kommen allein sechs Wettbewerbsfilme, aus Italien vier. Der taiwanesische Starregisseur Ang Lee leitet die sechsköpfige Festival-Jury. Außerhalb des Wettbewerbs wird außerdem der Streifen „The Informant“ des amerikanischen Starregisseurs Steven Soderbergh mit Spannung erwartet.

          Zu Protesten kam es am Rande der offiziellen Präsentation des Filmbiennale-Programms. Zahlreiche italienische Schauspieler, Autoren und Regisseure blockierten die Pressekonferenz für etwa eine halbe Stunde mit heftigen Protesten gegen die einschneidenden Kürzungen im Kulturhaushalt der konservativen Regierung Silvio Berlusconis. Der Ministerpräsident hatte am Vorabend noch ein Einlenken um 60 Millionen versprochen. Die Proteste konnte er damit nicht mehr aufhalten. „513 Millionen (Euro) gibt Frankreich für seinen Kulturhaushalt aus, Italien gerade mal 11,4“, protestierte der italienische Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor („Don't Move“) am Donnerstag. Bereits in den vergangen Tagen war es zu kleineren Kundgebungen gegen die Kürzungen gekommen.

          Preis fürs Lebenswerk an ein Studio

          Eröffnungsfilm des 66. Filmfestivals ist „Baaria“, der neueste Film von Oscar-Preisträger Giuseppe Tornatore („Cinema Paradiso“), den der 53-Jährige selbst als „amüsante Komödie mit großen Lieben, viel Melancholie und zahlreichen Helden“ beschreibt. Der diesjährige Ehrenlöwe für das Lebenswerk geht hingegen an den innovativen amerikanischen Trickfilmregisseur John Lasseter („Toy Story“, „Cars“) und seine Kollegen von Disneys Pixar Animations Studios. Damit zeichnet Venedig erstmals nicht nur das Lebenswerk einer einzelnen Persönlichkeit des Films aus, sondern den Beitrag mehrerer Regisseure.

          Die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen hat nach eigenen Angaben insgesamt sechs in Venedig gezeigte Produktionen gefördert, darunter drei Wettbewerbsfilme. Als internationale Koproduktion, an der auch ZDF/Arte beteiligt ist, nimmt „Lourdes“ von Jessica Hausner („Hotel“) am Wettbewerb teil. In dem berühmten Pilgerziel erlebt die gelähmte Hauptfigur Christine eine überraschende Heilung, obwohl sie dem Wunderglauben skeptisch gegenübersteht. Auch der Kinofilm „Lebanon“ von Regisseur Samuel Maoz basiert auf autobiographischen Erfahrungen. In der deutsch-französisch-israelischen Koproduktion schildert Maoz die traumatischen Erlebnisse einer israelischen Panzerbesatzung bei der Besetzung des Libanon 1982.

          Das Besondere an „Lebanon“ ist nach Angaben der Stiftung, dass der Film „ganz bei der Panzercrew bleibt“. Den Krieg und die beklemmende Bedrohung sehe man nur durch den Sucher des Zielfernrohrs. „Women without Men“, ebenfalls im Wettbewerb, ist laut Filmstiftung der erste Kinofilm der international gefeierten Videokünstlerin Shirin Neshat. Ihr Film spielt 1953 in Teheran und erzählt von vier Frauen. Zeitgleich überstürzen sich die Ereignisse, als der iranische Premierminister durch einen von der CIA eingefädelten Putsch gestürzt wird und der Schah aus dem Exil zurückkehrt.

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