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Amos Gitai zum Siebzigsten : Gerechtigkeit und Verwunderung

Beim Filmfestival in Venedig stellte Amos Gitai in diesem Jahr „Laila in Haifa“ vor. Bild: AP

Seine Filme erzählen vom Exil und den Grenzkonflikten in seiner israelischen Heimat. Heute wird der Kinoregisseur Amos Gitai 70 Jahre alt.

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          Eine Palästinenserin und ein Israeli treffen sich im Zug. Was ein platter Witz über den Nahostkonflikt werden könnte, macht Amos Gitai zum metaphorischen Filmanfang. In „Trennung“ (2007) schnorrt so ein Israeli also bei einer jungen Palästinenserin eine Zigarette. Sie reden über ihre Pässe, ihre Beziehungen. Und weil sie auf dem Weg nach Frankreich sind, spielt die Szene mit französischen Arthouse-Anleihen: Die Sätze der beiden sind zu scharfsinnig gedrechselt für die fast schon dokumentarische Kameraperspektive. Ein Grenzbeamter unterbricht sie: „Bei allem, was bei Euch da unten gerade passiert, frage ich mich, was ihr beide hier zusammen tut.“ Der Israeli antwortet: „Wir sind nur zufällig im gleichen Zug, hat gar nichts Symbolisches.“ Natürlich hat es genau das, denn wir sind in einem Film von Amos Gitai.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Gitai, als Amos Weinraub 1950 in Haifa geboren, wollte ursprünglich Architekt werden wie sein Vater, der bis zu seiner Flucht vor den Nazis noch am Bauhaus studiert hatte und den Familiennamen erst nach der Geburt des Sohnes ins Hebräische übertrug. Auch der sollte sein Architekturstudium zunächst nicht abschließen, das verhinderte der Kippur-Krieg 1973. Eine Rakete schoss den Hubschrauber ab, in dem er saß. Gitai überlebte, seine Freunde starben. Er wollte das Erlebte in Kunst verarbeiten, Architektur kam dafür nicht mehr in Frage, also wandte er sich dem Film zu.

          Exil, Identität und Grenzen

          Den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis thematisierte er zunächst in Dokumentarfilmen – und eckte damit in seinem Heimatland an. Als er zunächst studienhalber nach Amerika und danach wegen seines Unmuts über die israelische Politik für zehn Jahre nach Frankreich gezogen war, analysierte er seine Heimat aus der Ferne in Spielfilmen. Er adaptierte für seine „Exile“-Trilogie alte biblische Geschichten („Esther“, 1985), folgte den Spuren von Tania Shohat und Else Lasker-Schüler ins Heilige Land („Berlin Jerusalem“ 1989) und nahm die Golem-Legende zur Vorlage, um über Exil und Vertreibung zu erzählen („Golem: The Spirit of Exile“, 1991).

          Exil, Identität und die Frage, was Grenzen mit Menschen machen, beschäftigen ihn bis heute. Dabei schafft er es, Israelis und Palästinenser als gleichberechtigte Konfliktparteien zu zeigen, ohne eine anzuprangern. Vielmehr legt sein Blick mitunter Verwunderung darüber nahe, warum vernunftbegabte Wesen sich in diesen Kämpfen aufreiben. Politisch ist er dabei immer, aber sehr subtil. In seinem Kurzfilmbeitrag zum Regiegemeinschaftswerk „September 11“ (2002) lässt er eine Fernsehreporterin von einem Bombenanschlag in Tel Aviv berichten, doch niemand interessiert sich für ihre Arbeit, da gerade in New York ein Anschlag geschehen ist. Auch das ein politischer Kommentar, ohne Zeigefinger. Heute wird er siebzig Jahre alt.

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