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Film übers Schwimmenlernen : Wenn es mal wieder ein Lächeln sein darf

Schwimmkurs bei Snorri Magnusson: Päuschen muss sein. Bild: Foto: Mindjazz

Der isländische Dokumentarfilm „Snorri und der Baby-Schwimmclub“ erzählt vom Berufsalltag eines Mannes, den sie auf Island den „Babyflüsterer“ nennen. Das Anschauen ist das reine Vergnügen.

          2 Min.

          Das Schicksal vieler Dokumentarfilme teilt auch dieser. Er war im November kurz im Kino, in Berlin läuft er samstags noch bis 18. April im Felleshus der Nordischen Botschaften. Wer ihn versäumt hat, kann ihn nun auf DVD oder als Download beziehen; das lohnt sich, denn was die Regisseurinnen Elín Hansdóttir, Anna Rún Tryggvadóttir und Hanna Björk Valsdóttir dem Zuschauer vorsetzen, ist reines Vergnügen. Auch wenn ihr Film sich nicht groß mit Hintergründen aufhält, deutet er doch eine in der Geschichte verwurzelte Motivation an: Wie in vielen Ländern am Meer war es auf Island unüblich, dass die Fischer schwimmen konnten, Ertrinken war eine der häufigsten Todesarten.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          „Snorri und der Baby-Schwimmclub“ erzählt vom Berufsalltag eines Mannes, den sie auf Island nun den „Babyflüsterer“ nennen: Snorri Magnusson. Er gibt seit dreißig Jahren Schwimmkurse für Babys und für Behinderte, steht sechs Tage die Woche in einer Schwimmhalle nahe Reykjavík in einem Pool und verströmt Zuversicht, Freude und Geduld. Über ihn selbst erfahren wir wenig: Dass er einen Zwillingsbruder hat, mit dem er sich gut versteht; dass er selbst Vater von zwei hübschen Zwillingstöchtern ist. Psychologen, die Magnussons Arbeit seit langem verfolgen, bescheinigen ihm, über das Seelenleben von Säuglingen mehr zu wissen als mancher studierte Mediziner.

          Auslöser für seine Berufswahl ist der Entschluss, ein Trauma zu überwinden. Im Alter von sieben Jahren soll Snorri schwimmen lernen, stellt sich furchtbar ungeschickt an, braucht am Ende zwei Jahre – und schafft es nur dank der unendlichen Geduld seines Schwimmlehrers, den er sich zum fortan zum Vorbild nimmt. Rund siebentausend Kleinkinder sind bislang buchstäblich durch seine Hände gegangen. Denn Snorri setzt neben Mimik, Gesang und Sprache vor allem auch seine Hände ein, mit denen er Sicherheit schenkt; etwa mit seinem „Vertrauensgriff“, der den Kopf stützt und den Säugling beinahe schwerelos im Wasser schweben lässt.

          „Kommst du, kommst du?“

          Ohnehin haben Säuglinge, wenige Monate nachdem sie das Fruchtwasser der Mutter gegen das Licht der Welt getauscht haben, mit warmem Wasser keine Schwierigkeiten. Sie beherrschen sogar etwas, was sie offiziell erst im Alter von zwölf oder mehr Monaten können – sie stehen. Auf dem Handteller Snorris oder auf einem Schwimmbrett in perfekter Balance. So gelingt ihm scheinbar mühelos, was bei größeren Kindern manchmal viel Geduld erfordert, weil sie dem Wasser nicht mehr jenes voraussetzungslose Vertrauen entgegenbringen. Erstaunlich viel läuft in dieser Schwimmschule aber auch über Sprache, wenn der Lehrer die Babys am Beckenrand mit einem „Kommst du, kommst du?“ lockt, stets mit einem aufmunternden Lächeln, und nicht wenige schauen so, als würden sie ihm zunicken, um sich dann in seine geöffneten Hände gleiten lassen.

          Wir sehen einen Menschen, der mit seiner Arbeit sich und seine Kundschaft glücklich macht. Es wird einem wohlig warm dabei, und wenn die Herrlichkeit nach nur siebzig Minuten vorbei ist, weiß man, der heimliche Schwachpunkt des Films ist seine Kürze.

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