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Film : Der Meister des parallelen Lebens

Robert Altman (1925 - 2006) Bild: AP

Das Kino des Robert Altman lieferte Augenblicke der Wahrheit, der Intensität, die er der Trägheit und Verlogenheit des Mediums abgerungen hat. Die Bilder zwischen den Bildern. Zum Tod des Filmregisseurs.

          4 Min.

          Unter den großen Filmregisseuren gibt es solche, die das Kino als Ganzes weitergebracht haben, wie Kubrick und Fritz Lang, und andere, die es als wunderbares Spielzeug gebraucht haben, wie Fellini, Billy Wilder oder Truffaut. Es gibt aber auch Regisseure, die das Kino als Lebensform gewählt haben. An ihnen ist alles Film, ihre Süchte, ihre Obsessionen, ihre politischen Überzeugungen fließen in die Geschichten ein, die sie auf der Leinwand erzählen, und der Tod ereilt sie nicht im Ruhestand, sondern mitten in der Arbeit. Ein solcher Monomane des Kinos war Robert Altman, der am Montag im Alter von einundachtzig Jahren gestorben ist.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Altman, Sohn eines Versicherungsvertreters aus Kansas City, gehörte zu jener Generation der zwanziger Jahre, die im Zweiten Weltkrieg dezimiert wurde. 1945 diente er als Bomberpilot, doch es dauerte ein Vierteljahrhundert, ehe er seine Erfahrungen beim Militär für seine Vietnamkriegssatire „M.A.S.H.“ fruchtbar machen konnte. Altmans erster Versuch, in der Filmindustrie als Schauspieler und Drehbuchautor Fuß zu fassen, scheiterte. Ende der vierziger Jahre zog er aus Kalifornien in seine Heimatstadt zurück und lernte das filmische Handwerk von der Pike auf. Für eine lokale Produktionsfirma drehte er Industrie- und Lehrfilme („Wie führe ich eine Tankstelle?“), bis Hollywood auf ihn aufmerksam wurde. 1957 finanzierte Warner Brothers seine Dokumentation über James Dean, und Hitchcock ließ ihn zwei Episoden der Krimiserie „Alfred Hitchcock präsentiert“ inszenieren. Von nun an drehte Altman zwölf Jahre lang Fernsehserien (darunter acht Folgen „Bonanza“) und kleinere Spielfilme, bevor er die Regie von „M.A.S.H.“ angeboten bekam. Vor ihm hatten sechzehn Regisseure abgesagt. Altman nahm an, gewann die Goldene Palme in Cannes und wurde zur Ikone des neuen amerikanischen Kinos.

          Eine Serie von Genrefilmen

          Es war das Jahr 1970. Altman war fünfundvierzig, der nächstältere Vertreter der New-Hollywood-Generation, Francis Coppola, dagegen gerade dreißig Jahre alt. Diese Erfahrung der Ungleichzeitigkeit, des späten Durchbruchs nach langem Anlauf hat Altman tief geprägt. Nach „M.A.S.H.“ wollte er sich von niemandem mehr in seine Arbeit hineinreden lassen, weder von Produzenten und Drehbuchautoren noch von jenen linksliberalen Filmkritikern, die ihn in den siebziger Jahren beinahe kultisch verehrten. Er sammelte einen festen Kreis um sich, zu dem die Schauspieler Shelley Duvall, Elliott Gould, Lily Tomlin und der Regieassistent (und spätere Regisseur) Alan Rudolph gehörten, und begann eine Serie von Genrefilmen, wie sie Hollywood noch nicht erlebt hatte. Jeder von ihnen brach auf spektakuläre Weise mit den Erzählgewohnheiten, in denen die Filmindustrie und ihr Publikum sich eingerichtet hatten. In „McCabe und Mrs. Miller“, der Liebesgeschichte zwischen einem Bordellbesitzer und einer Prostituierten zur Zeit des Goldrauschs, stellte Altman die Klischees des Westerns auf den Kopf, in „The Long Goodbye“ kämmte er einen Roman von Chandler gegen den Strich, in „California Split“ entzauberte er die Welt der Casinos und Pokerspieler, und in „Eine Hochzeit“ ließ er das alte Hollywood-Erfolgsmodell der Familienkomödie böse und lustvoll explodieren.

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