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Film : Der Mann im Schatten der Diva

  • -Aktualisiert am

Carlo Ponti 1912-2007 Bild: AP

Die Welt kannte ihn als Schöpfer und Ehemann von Sophia Loren - in der Nacht zum Mittwoch ist der italienische Filmproduzent Carlo Ponti („La Strada“, „Doktor Schiwago“) in Genf gestorben. Ein Nachruf von Dirk Schümer.

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          Die Welt kannte ihn als Schöpfer und Ehemann von Sophia Loren. Carlo Ponti bewies ein glänzendes Gespür, als er Anfang der fünfziger Jahre die markante, aber ungewöhnliche Schönheit der jungen Soubrette aus Neapel bei einer Misswahl entdeckte. Die Zusammenarbeit des kleinen, unscheinbaren Filmproduzenten und der großen, wohlgeformten Schauspielerin wurde allerdings alles andere als eine Schmierenkomödie, gemäß derer der mächtige Geldmann seiner Gespielin gewaltsam die Rollen zuschanzt.

          Schnell hatte sich die Loren von ihrem Gönner emanzipiert und wurde zur einflussreichsten Diva des italienischen Films, in deren Schatten fortan Ponti zu stehen hatte. Während seine Frau bis heute mit siebzig Jahren unter eiserner Disziplin Auftritte und Galas absolviert, noch zuweilen vor der Kamera steht und zuletzt gar als staunenswerte Sex-Ikone für den Pirelli-Kalender posierte, war es um ihre Lebensliebe still geworden. Seit Jahren trat Ponti, der nun im Alter von vierundneunzig Jahren in einer Genfer Klinik an einer Lungenentzündung starb, nicht mehr öffentlich auf.

          Der „größte Produzent nach dem Zweiten Weltkrieg“

          Dennoch war er weit mehr als der Mann und Förderer der Loren. Schon im Faschismus, 1941, war der kühle und willensstarke Lombarde, der Jura studiert hatte, in die Filmbranche eingestiegen. Mit namhaften Regisseuren wie Mario Soldati oder Pietro Germi hielt sich der junge Produzent an literarische oder historische Themen, die politisch wenig verfänglich waren. Dieser Linie blieb Ponti treu, nachdem er sich 1950 mit dem Kollegen Dino de Laurentiis - der anderen neapolitanischen Beziehung seines Lebens - assoziierte. Das Duo zeichnete verantwortlich für Welterfolge wie Fellinis „La strada“, für die Meisterwerke Rossellinis oder für Vittorio de Sicas Sozialkomödien wie „L'oro di Napoli“.

          Zwar platzierte Ponti seine geliebte Sophia für deren italienische wie internationale Karriere immer wieder bei berühmten Regisseuren, so etwa in Peter Ustinovs „Lady L“ oder Martin Ritts „Schwarzer Orchidee“. Doch bei seinem größten Coup verzichtete er bewusst auf jedwedes italienische Flair, obwohl ihm der Mailänder Feltrinelli-Verlag die Rechte an Pasternaks „Doktor Schiwago“ überlassen hatte. Mit dem Monumentalfilm der russischen Revolution, der künstlerisch weit über antikisierenden Kassenerfolgen wie „Odysseus“ steht, errang Ponti fünf Oscars. Die italienische Presse sieht daher heute in Ponti den „größten Produzenten nach dem Zweiten Weltkrieg“, einzig die „Repubblica“ bezeichnet ihn als „hingebungsvollen Schatten der Diva“, was die Sache vermutlich nicht korrekt trifft.

          Projektionsfigur für Millionen Männer

          Pontis große Zeit fiel zusammen mit den Glanzjahren des Neorealismus und des italienischen Autorenfilms - von Genies wie Fellini, Rossellini und vor allem Antonioni, für dessen „Blow up“ und „Zabriskie Point“ er die Produktion übernahm - und auch der französischen Nouvelle Vague von Godard bis Melville. Später wurde es stiller um Ponti, wie um den italienischen Film überhaupt. In den sechziger Jahren indes schaffte es der kleine, mollige Lombarde aus Magenta, zur Projektionsfigur für Millionen Männer zu werden, weil kein noch so attraktiver Schauspieler ihm die begehrte Schönheit Sophia je entfremden konnte. Im Gegenteil: Jahrelang kämpfte Ponti mit der Loren für die legale Scheidung von seiner ersten Frau Giuliana Fiastri, obwohl dies gesetzlich in Italien damals nicht möglich war.

          Erst 1966 kam es zur juristischen Trennung, nachdem Ponti dafür die französische Staatsangehörigkeit angenommen hatte; der Weg für eine ordentliche Ehe mit Sophia Loren war endlich frei. 1968 und 1973 wurden dem glamourösen Paar zwei Söhne geboren, Carlo jr. und Edoardo

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