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Fernsehwoche, 7. bis 13. Mai : Die letzten und die ersten Tage

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Moritz Bleibtreu (l.) und August Zirner in István Szabós „Der Fall Furtwängler” Bild: BR

Aus der Flut der szenischen, dokumentarischen und diskursiven Auseinandersetzungen mit dem Kriegsende, der Zeit davor und der danach ragen in dieser Fernsehwoche einige Produktionen heraus, die sich lohnen.

          Aus der Flut der szenischen, dokumentarischen und diskursiven Auseinandersetzungen mit dem Kriegsende, der Zeit davor und der danach ragen in dieser Fernsehwoche einige Produktionen heraus, die sich lohnen.

          Samstag, 7. Mai

          BR, Drama, 21.45 Uhr: Taking Sides - Der Fall Furtwängler

          Über den Vater sprechen: Albert Speer junior mit Regisseur Heinrich Breloer

          István Szabós Film zum Fall Furtwängler aus dem Jahr 2001, der auf dem gleichnamigen Theaterstück „Taking Sides“ von Ronald Harwood basiert, ist ein eindringliches Drama und mehr als ein zur Abendfülle gedehntes Verhör Wilhelm Furtwänglers durch Steve Arnold, Major der amerikanischen Armee und manischer Sammler von Beweismaterial zur Verstrickung des weltberühmten Dirigenten in die Machenschaften der Nazis.

          Die Kontroverse, ob die öffentliche Ausübung von Kunst in einem Unrechtsstaat mehr dem internationalen Ansehen des Regimes nützt oder den Widerstand im Lande selbst stärkt, wird wohl immer wieder und am einzelnen Subjekt geführt werden müssen. Dem Regisseur gelingt die Zuspitzung kontroverser moralischer Standpunkte auch durch eine Kameraführung, die fast peinigend auf die Gesichter in Großaufnahmen gerichtet ist, und durch einen Dialog, der an Drastik nichts zu wünschen übrigläßt. Mit Stellan Skarsgard, Harvey Keitel und Moritz Bleibtreu.

          Sonntag, 8. Mai

          3Sat, Dokumentation, 21.15 Uhr: Wie werde ich Demokrat

          Von 1945 an berichtete die britisch-amerikanische Wochenschau sieben Jahre lang über ein Land, das zwar die Trümmer, aber nie die Erinnerung beseitigen sollte. Im Auftrag der Militärregierung trugen obendrein rund hundert Lehrfilme dazu bei, ein demokratisches Bewußtsein zu lehren. Dieter Reifarths lohnender Dokumentarfilm "Wie werde ich Demokrat?", eine Zusammenschau der prägenden Kurzfilme von damals, versammelt Szenen aus der Trümmerwüste, Alltägliches und Politisches einer Zeit, die dem Wirtschaftswunder vorausging. Reifarth hat die Kurzfilme chronologisch geordnet, beläßt die Bilder und Worte des Originals aber unkommentiert. Der Zuschauer gerät allmählich in den Sog der schwarzweißen Filminstanz, sieht Göring und Konsorten auf der Anklagebank zu Nürnberg, Frauen und Kinder vor urbanen Kriegsnarben, Verirrte und Verwirrte.

          Allmählich schlug der messerscharfe Ton des Sprechers um in eine aufmunternde, gleichwohl distanzierte Bestandsaufnahme. Die inszenierten Lehrfilme nahmen die Bürokratie der Demokratie in Schutz und spielten sie gegen das Herrschaftsgefälle der Diktatur aus. Ins Plakative getrieben, warben diese Miniaturen für die "Stimme der Vernunft", für Diskussion statt Umsturz. Eine Jugend ohne Gott sollte so ihren Platz in der Gesellschaft finden. Die Berichterstattung bezog ihre Moral aus der vergleichenden Betrachtung, wenn sie Hitlers Befehlshoheit einem bereinigten sozialen Verständnis entgegensetzt. Reifarths Bildersammlung bezeugt nachhaltig jene nie nachlassende Energie der Alliierten, den Nazi-Frevel als pädagogisch wirksames Anti-Programm in der Erinnerung zu verankern.

          Montag, 9. Mai

          ARD, Dokudrama, 20.15 Uhr: Speer und Er (1)

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