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Fernsehwoche, 5. bis 11. November : Nicole Kidmans Hundeleben

  • Aktualisiert am

Erniedrigt: Nicole Kidman in „Dogville” Bild: WDR

Kampfansage an das Kino und Spektakel zugleich: Arte zeigt Lars von Triers Drama „Dogville“ mit Nicole Kidman. Außerdem in der Fernsehwoche: Eine deutsche „Sex and the City“-Variante von Pro Sieben.

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          Kampfansage an das Kino und Spektakel zugleich: Arte zeigt Lars von Triers Drama „Dogville“ mit Nicole Kidman. Außerdem in der Fernsehwoche: Eine deutsche „Sex and the City“-Variante von Pro Sieben.

          Samstag, 5. November

          Sat.1, Drama, 20.15 Uhr: Nirgendwo in Afrika

          Mutig: Kurt Krömer lädt Sido ein

          Mit „Nirgendwo in Afrika“ ist es Caroline Link im Jahr 2003 gelungen, zum ersten Mal seit dreiundzwanzig Jahren wieder einen Oscar für Deutschland zu gewinnen. Sie hat den Roman von Stefanie Zweig verfilmt und dabei vermieden, den Kontinent filmisch zu kolonialisieren. Es geht um das Schicksal der jüdischen Flüchtlingsfamilie Redlich auf einer Farm in Kenia, und natürlich ist die Kinderperspektive die ergiebigste, aber auch Juliane Köhler hat ihre ganz eigenen Momente, in denen die blonde Prinzessin Flagge zeigen muß. Der Film besticht durch die Art, wie er die Erfahrung der Fremde nachzuzeichnen versucht, die im selben Maß überwältigend wie verstörend ist; wie dem Blick des Kindes die Perspektive der Eltern entgegengesetzt wird. Der Auslands-Oscar mag für vieles blind sein, aber in diesem Fall wurde eine Leistung erkannt, die international keine Vergleiche zu scheuen braucht.

          Sonntag, 6. November

          RBB, Comedy-Talk, 22.30 Uhr: Bei Krömers

          Seit längerem schon gilt der Berliner Kurt Krömer als deutsche Comedy-Hoffnung. In seiner neuen Show lädt er Gäste in seine Neuköllner Wohnung, von denen man hoffen muß, daß sie nicht die Einrichtung auseinandernehmen: den Ex-Boxer René Weller und den Rapper Sido.

          Montag, 7. November

          Arte, Drama, 20.40 Uhr: Dogville

          Die Geschichte hat neun Kapitel. Im ersten kommt Grace (Nicole Kidman) in Dogville an, in einer windigen Frühlingsnacht, verfolgt von Schüssen, Rufen und Motoren. Im letzten hält sie über die Einwohner des Ortes Gericht. Dazwischen wird sie von ihnen gemustert, gemieden, geschützt, geliebt, gescholten, benutzt, vergewaltigt, verachtet, betrogen, angekettet, verraten und ausgeliefert. „Dogville“ wirkt wie eine Umkehrung des amerikanischen Traums: Abhängigkeit, Erniedrigung, Rache statt Freiheit und Gerechtigkeit. Einen Film wie „Dogville“ hat es im europäischen Kino noch nicht gegeben.

          Sein Furor straft all jene Spekulationen über die Erschöpfung der filmischen Mittel, die Übermacht Hollywoods, das Ende des Autorenprinzips Lügen, die in den letzten Jahren auch bei uns im Schwange waren. Gleichzeitig hat sich sein Regisseur Lars von Trier mit ihm von den Verspieltheiten und Bildklingeleien seiner Anfänge befreit, die ihn oft eher als Bastler denn als Visionär erscheinen ließen. So ähnlich muß Brechts „Dreigroschenoper“, auf die sich von Trier ausdrücklich beruft, über das Klassikertheater der zwanziger Jahre hereingebrochen sein: als Kampfansage und Spektakel zugleich.

          Dienstag, 8. November

          ARD, Serie, 18.50 Uhr: Sophie - Braut wider Willen

          Zwei Fernsehtrends verwurstet die ARD hier zu einer Sendung: Die tägliche Telenovela, deren kurze Blüte fast schon wieder im Abklingen scheint, wird hier vermengt mit dem „Historytainment“, das uns das Leben in anderen Epochen nahebringen will. In dieser Serie wird das „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“-Sternchen Yvonne Catterfeld zurück ins 19. Jahrhundert geschickt, wo sie als junge Adlige einen jungen Arbeitersohn lieben lernt.

          Mittwoch, 9. November

          Pro Sieben, Comedy, 20.15 Uhr: Alles außer Sex

          „Vier Freundinnen fürs Leben“ lautete der Arbeitstitel dieser Serie, einer der seltenen seriellen Eigenproduktionen von Pro Sieben, aber wo man nun einmal vier Frauen beisammen und eine Serie wie „Sex and the City“ schon im Programm hatte, gab man dem ganzen einen Titel, der an das Erfolgsformat erinnert. Gleichwohl betont Pro Sieben, beide Serien dürfe man keineswegs miteinander vergleichen - handele es sich bei den Heldinnen doch nicht um begüterte Fashion Victims, sondern um ganz normale Frauen. Thematisch liegt man dennoch nah beieinander: Es geht nicht immer nur, aber immer auch um Sex.

          ARD, Drama, 20.15 Uhr: Die Konferenz

          Niki Steins Film - nach dem Drehbuch von Bodo Kirchhoff - ist kein opulenter historischer Mehrteiler, sondern ein Kammerspiel auf beklemmend engem Raum, das durch eben diese Beschränkung der Mittel zu seiner Wucht und Intensität findet. „Die Konferenz“ handelt im Hier und Jetzt, an einem Ort, der uns allen vertraut ist: der Schule. Viel zu selten erlaubt sich das Fernsehen Filme, die von solch gesellschaftspolitischer Brisanz sind und dabei so unterhaltsam. Vordergründig geht es um eine Vergewaltigung, genauer: um den Vorwurf eines solchen Verbrechens. Victor Leysen, gerade achtzehn geworden, wird von seiner Mitschülerin Tizia beschuldigt, nach einer Theaterprobe handgreiflich geworden zu sein.

          Was sich im Keller des Frankfurter Hölderlin-Gymnasiums zugetragen hat, darüber kann man nur spekulieren; Leysen dementiert, es steht Aussage gegen Aussage. Soweit die Vorgeschichte. Der Film beginnt, als sich an einem kalten Winterabend neun Lehrer in der verwahrlosten Schulbibliothek treffen, schon das eine politische Aussage, um über das Schicksal Leysens zu beraten. In dieser „Konferenz“ gibt es, auch das ein Wagnis, keine Hauptdarsteller. Zehn Schauspieler agieren im Ensemble und wachsen dabei über ihre fernsehschauspielerischen Möglichkeiten hinaus - von Senta Berger über Jan-Gregor Kremp bis zu Sophie von Kessel.

          Donnerstag, 10. November

          Vox, Reportage, 22.20 Uhr: Fremde Heimat - Deutsche im Ausland

          Die Zahl derer, die Deutschland den Rücken kehren, steigt. Dabei sind die Motive dafür, Deutschland zu verlassen, so vielfältig wie die Menschen selbst. Eines aber ist immer häufiger zu hören: Es fehlt vor allem die berufliche Perspektive. „Spiegel TV“ stellt deutsche Auswanderer in der Fremde vor.

          Freitag, 11. November

          RTL2, Liebesdrama, 20.15 Uhr: Veer und Zaara - Die Legende einer Liebe

          Der Luftraum zwischen Indien und Pakistan ist öd und leer, seit Veer Pratap Singh im Gefängnis sitzt. Er war der beste Pilot der indischen Luftwaffe. Wenn er einmal nicht im Cockpit eines Überschalljets saß, rettete er jungen Frauen vom Helikopter aus das Leben. Veer Pratap Singh war ein Held, doch nun ist er nicht nur an die Erde gekettet. Er überschritt eine Grenze, nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Bus, nicht in militärischer Mission, sondern wegen einer viel größeren Sache: Er hatte sich verliebt. Er folgte einem Mädchen namens Zaara, das über alle Tugenden und die Schönheit einer indischen Prinzessin verfügt, nur leider über keine doppelte Staatsbürgerschaft. Zaara ist pakistanische Bürgerin, da hilft ihre ganze indische Verwandtschaft nichts. Der Regisseur Yash Chopra nimmt sich nicht nur die im indischen Musical üblichen drei Stunden Erzählzeit, sondern auch das Vierteljahrhundert erzählter Zeit, das zwei individuelle Schicksale in den Gleichschritt mit zwei vertrackten Nationalgeschichten setzen kann. Im letzten Drittel des Films gibt es ein Gerichtssaaldrama mit allen Finessen und eine Überraschung, deren Pathos noch den seiner wichtigsten „Top Gun“ verlustig gegangenen Luftraum zwischen Indien und Pakistan beschwingt.

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