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Fernsehwoche, 26. März bis 1. April : Schöne Frauen im Pixelmeer

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Griff nach dem Ring: Elijah Wood in „Der Herr der Ringe - Die Gefährten” Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Wie immer zu Ostern muß man nach hochkarätigen Spielfilmen im Fernsehen nicht lange suchen: Neben dem ersten Teil des „Herrn der Ringe“ laufen „Panic Room“, „Halbe Treppe“ oder „Der Krieger und die Kaiserin“.

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          Wie immer zu Ostern muß man nach hochkarätigen Spielfilmen im Fernsehen nicht lange suchen: Neben dem ersten Teil des „Herrn der Ringe“ laufen „Panic Room“, „Halbe Treppe“ oder „Der Krieger und die Kaiserin“.

          Samstag, 26. März

          Pro Sieben, Thriller, 22 Uhr: Panic Room

          Jodie Foster (l.) und Kristen Stewart in „Panic Room”

          Jodie Foster zieht mit ihrer Tochter in ein neues Haus, um gleich in der ersten Nacht von drei Einbrechern heimgesucht zu werden, die das Haus für unbewohnt halten. Sie wollen einen Schatz im „Panic Room“ an sich bringen, einem Raum, den der Vorbesitzer eingerichtet hat und in dem Foster sich natürlich mit ihrer Tochter verschanzen wird. Eine Festung mitten im Haus, mit Vorräten, Überwachungsmonitoren, eigener Wasser- und Luftversorgung und separatem Telefonanschluß. Doch leider hat einer der Einbrecher jahrelang in einer Firma gearbeitet, die solche Refugien konzipiert.

          Das ist eine makellose Thriller-Konstruktion, um so perfekter, da die Tochter als Diabetikerin irgendwann ihre Insulin-Dosis brauchen wird. So sind alle gefangen in dem Haus, und so kann Regisseur David Fincher sich in seinem Film aus dem Jahr 2002 darauf konzentrieren, den Belagerungszustand der Seele zu inszenieren. Daß das Ich nicht Herr im eigenen Haus ist, wie Freud schon vor hundert Jahren schrieb, daß die Welt kein Ort ist, an dem es sich heimisch fühlen könnte - davon erzählen Finchers Filme im oft so täuschend harmlosen Idiom des Mainstream-Kinos, mit dessen Erzählweisen er spielt, ohne daß man dabei wüßte, ob er diese Partie auf Dauer gewinnen kann.

          Sonntag, 27. März

          RTL, Fantasy, 20.15 Uhr: Der Herr der Ringe - Die Gefährten

          Zum Abschluß der „Herr der Ringe“-Trilogie erhielt der dritte Teil in allen elf Kategorien, für die er nominiert war, den Oscar. Damit hat Peter Jackson den Rekord von „Titanic“ eingestellt. Was im nachhinein als sichere Bank aussieht, war im Vorfeld eine ziemlich riskante Investition. Einem mäßig bekannten Regisseur wurden 270 Millionen Dollar anvertraut, damit er am anderen Ende der Welt eins jener Kultbücher verfilme, über das Millionen Fans und Leser Interpretationshoheit beanspruchen - das hätte auch ins Auge gehen können. Tat es aber nicht.

          Leider braucht man Tolkiens Vorlage als Gebrauchsanweisung, um sich im digitalen Schlachtengetümmel zurechtzufinden, und die menschlichen Dramen wirken ziemlich hölzern, wie analoge Spurenelemente im Pixelmeer. Und wenn Jackson auch den weiblichen Charakteren mehr Raum verschafft als der Roman, so ist es doch fast unbegreiflich, daß Filme, in denen schöne Frauen wie Liv Tyler oder Cate Blanchett nicht mehr als bewegliches Dekor sind, diese Wirkung ausüben. RTL zeigt heute abend den ersten Teil der Trilogie.

          Montag, 28. März

          RTL, Polizeithriller, 22.55 Uhr: Training Day

          Der Anfänger (Ethan Hawke) erhält die Gelegenheit, bei dem erfahrenen und hochdekorierten Drogenfahnder Alonzo Harris in die Lehre zu gehen. Doch der erweist sich als das Gegenteil eines braven Staatsdieners. Denzel Washington spielt ihn als Polizisten mit street credibility, der sich in seinem Revier Respekt verschafft, indem er auftritt wie die Gangster, die er verfolgt. Das Erstaunliche an „Training Day“ ist, daß der Regisseur Antoine Fuqua wenig tut, um das wahre Wesen seines Superpolizisten zu verschleiern.

          Er macht sich lediglich zunutze, daß das Actionfilmpublikum zwei Begriffe von Plausibilität, Anstand, Gerechtigkeit hat - einen für das Leben und einen fürs Kino. Diese Sphären rückt der Film aus dem Jahr 2001 immer weiter auseinander, bis man den Halt verliert. Der harte Bursche, den man eben noch bewundert hat, ist plötzlich ein Monster, und man erkennt, daß er es von Anfang an war. Nicht der Neuling ist naiv, wir sind es, solange wir die Maßstäbe zum Beurteilen einzelner Filme aus den Klischees ihres Genres gewinnen.

          ARD, Tragikomödie, 23 Uhr: Halbe Treppe

          Mit einem Dia-Abend, auf dem Urlaubsbilder gezeigt werden, stellt der Film seine Protagonisten vor: den Imbißbesitzer Uwe (Axel Prahl), die Parfümerieangestellte Ellen (Steffi Kühnert), den Radiomoderator Christian (Thorsten Merten) und Katrin (Gabriela Maria Schmeide), die auf einem Lkw-Parkplatz arbeitet. Christian, der seine Medienmacht auch für persönliche Zwecke nutzt, ist der Agent der Unruhe in diesem Quartett, er reißt Katrin, die Romantikerin, aus einer Ehe heraus, in der sie sich resignierend eingerichtet hatte.

          „Halbe Treppe“ heißt Uwes Imbißzelt in einem Einkaufskomplex, aber der Titel ist auch auf andere Weise emblematisch: Er bezeichnet die Halbheiten, mit denen die Personen sich abgefunden haben, und die Hälfte ihres Lebens, die gerade vorbei ist. „Halbe Treppe“ spielt in Frankfurt/Oder, aber man tut dem Film unrecht, wenn man ihn als Panorama ostdeutscher Befindlichkeiten liest. In Oldenburg oder Offenbach ist der Alltag nicht anders, nur der Dialekt, und die Dialektik zwischen der Realität und ihrer Konstruktion im Kino hat Regisseur Andreas Dresen, der nicht zufällig einen Radiomann vorschickt, wahrscheinlich besser begriffen als seine westdeutschen Kritiker. „Halbe Treppe“ aus dem Jahr 2002 war das Kino, nach der die deutsche Filmkritik, des Komödienstadls der Herren Buck und Wortmann überdrüssig, zehn Jahre lang gerufen hat, getreu dem Motto: Wie das Land, so die Filme.

          Dienstag, 29. März

          ZDF, Dokumentarreihe, 20.15 Uhr: Windsor Castle (1)

          Das ZDF fiebert schon gewaltig mit vor der Hochzeit von Charles und Camilla, die - sollte nichts Unerwartetes dazwischenkommen - am 8. April über die Bühne gehen soll. Der zweiteilige Film (zweiter Teil am nächsten Dienstag) ist eine Koproduktion des ZDF mit BBC 1 und France 2, die ein Jahr lang auf dem Sommersitz der englischen Königsfamilie filmen durften.

          Mittwoch, 30. März

          Arte, Drama, 22.40 Uhr: Lovers

          Spätnachmittag in Paris: Ein junger Maler betritt einen Buchladen, sucht einen Bildband über Dante Gabriel Rosetti, vergebens. Stattdessen findet er ein Mädchen, das ihm auf Anhieb gefällt, die Buchhändlerin Jeanne, ein schwarzhaariger Jean-Seberg-Typ. „Lovers“, der fünfte Dogma-Film, hält sich vorbildlich an das puristische Regelset des Manifests. In nur zweiundzwanzig Tagen drehte Jean-Marc Barr die Low-Budget-Produktion. Die Stadt als Kulisse tritt skizzenhaft in den Hintergrund, die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf das Spiel von Elodie Bouchez und Sergej Trifunovic. So emphatisch der Film aus dem Jahr 1999 die Liebe schildert, so unerbittlich ist er in der Beschreibung des „Beziehungsalltags“. Der Konflikt von Gefühlsideal und Wirklichkeit ist sein intelligent und eindrucksvoll durchgespieltes Grundthema.

          Donnerstag, 31. März

          ARD, Liebesdrama, 23 Uhr: Der Krieger und die Kaiserin

          Tom Tykwer hat nach dem überwältigenden Erfolg von „Lola rennt“ klugerweise nicht versucht zu doppeln, was einmalig bleiben muß. Sein Film „Der Krieger und die Kaiserin“ aus dem Jahr 2000 kehrt zu jenem gedehnten, Aufschübe nicht scheuenden Beobachten zurück, das schon Tykwers Film „Winterschläfer“ prägte, und entwickelt, je intensiver die Geschichte den Zuschauer in Bann nimmt, einen geradezu somnambulen Sog. Gut zwei Stunden wird der Film sich Zeit nehmen, Bodo und Simone, genannt Sissi, untrennbar zu verbinden, und er wird dabei eine Liebe inszenieren, die überwältigend ist, aber keinen Kuß und keine Berührung nackter Haut braucht.

          Tykwers Film offenbart große visuelle Kraft, fängt den Schauplatz Wuppertal rätselvoll ein und setzt auf Schauspieler von hoher Intensität wie Franka Potente, die ihrer spontan erfüllten Lola nun eine überlegt erfühlte Kunstfigur entgegenstellt, Benno Fürmann und Joachim Król. Und wie Tykwer den Insassen der geschlossenen Anstalt, ohne daß sie als Exoten feilgehalten werden, jedem in wenigen Versatzstücken nur Erkennungsmerkmale mitgibt, wo ihr Leben aus dem Lot geriet, das soll dem Regisseur erst einmal einer gleichtun.

          Freitag, 1. April

          ARD, Drama, 23.30 Uhr: Engel und Joe

          Zwei Liebende in Köln, nach einer wahren Geschichte aus Berlin. Engel (Robert Stadlober) und Joe (Jana Pallaske) erleben die moderne Punk-Version der großen romantischen Liebe, und die Regisseurin Vanessa Jopp folgt ihnen mit bebender Handkamera. Als Joe schwanger wird, nimmt sich das deutsche Sozialsystem der Liebenden an. Das kann nicht gutgehen. Zum Glück liegt der Kölner Bahnhof in der Nähe, und der Nachtzug nach Berchtesgaden steht schon auf dem Gleis.

          Der Film verlegt eine Ostgeschichte nach Westdeutschland. Doch die Kölner Domplatte ist nicht der Berliner Alexanderplatz. Die Fußgängerzonen und Straßenbahngleise der Kölner Innenstadt sind nicht die breiten Straßen und S-Bahnhöfe von Berlin. In einem Krimi oder einer Komödie kann man über solche Unterschiede vielleicht hinwegsehen. Aber in einem Film über Jugendliche einer bestimmten Generation an einem bestimmten Ort sind sie essentiell. Hier ist die Atmospäre alles, und deshalb hängt in „Engel und Joe“ alles in der Luft.

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