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Fernsehwoche, 22. bis 28. Januar : Stunden der Erinnerung

  • Aktualisiert am

Unter Brüdern: Moritz Bleibtreu (l.) und Barnaby Metschurat in „Solino” Bild: WDR / © WÜSTE Film/ Kerstin Stelter

Zum Gedenken an die Auschwitz-Befreiung liefert das Fernsehen seinen Beitrag - unter anderem mit der Wiederholung der Serie „Holocaust“. Außerdem in der Fernsehwoche: Fatih Akins Film „Solino“ mit Moritz Bleibtreu.

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          Zum Gedenken an die Auschwitz-Befreiung liefert das Fernsehen seinen Beitrag - unter anderem mit der Wiederholung der Serie „Holocaust“. Außerdem in der Fernsehwoche: Fatih Akins Film „Solino“ mit Moritz Bleibtreu.

          Samstag, 22. Januar

          BR, Dokumentarreihe, 20.15 Uhr: Asien - Geheime Metropolen

          Robert Redford und Brad Pitt (r.) in „Spy Game”

          Der Vierteiler will die Faszination zum Teil jahrtausendealter Städte Asiens ergründen. In der Auftaktfolge geht es um Peking, in der kommenden Woche um Benares, das heutige Varanesi in Indien.

          Sonntag, 23. Januar

          RTL, Spionagethriller, 20.15 Uhr: Spy Game - Der finale Countdown

          Im Kino leben sie weiter, die Geheimagenten, die mit dem Ende des Kalten Krieges zur Bedeutungslosigkeit verdammt wurden. Bis 1991 immerhin geht Tony Scotts Film aus dem Jahr 2001 doch zurück, um seiner Geschichte einen Rest von Glaubwürdigkeit zu lassen. Robert Redford spielt darin einen in Ehren ergrauten CIA-Agenten, der einen ehemaligen Schüler (Brad Pitt) aus einem chinesischen Gefängnis befreit.

          Pro Sieben, Reality-Show, 22.30 Uhr: Die Burg

          Für sein neues Spektakel, eine Art Dschungelcamp in Festungsmauern, hat Pro Sieben wieder ein paar der verzweifeltsten Figuren der Fernsehgesellschaft verpflichtet. Zwei Wochen leben wie im Mittelalter wollen demnach Frederic Prinz von Anhalt, die einstige „RTL-Samstagnacht“-Komikerin Tanja Schumann und der frühere Jenny-Elvers-Freund und „Big Brother“-Insasse Alex Jolig - es gibt Leute, die wohl ihr ganzes Leben lang aus der Realität in die Reality flüchten müssen. Es moderieren Sonya Kraus und „Elton“, bei dem man sich fragt, wann er wohl selbst endlich als Kandidat einer solchen Sendung auftritt.

          Montag, 24. Januar

          Arte, Drama, 20.40 Uhr: Holocaust (1)

          Zum sechzigsten Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 sendet Arte noch einmal den Vierteiler Marvin J. Chomskys, der im Jahre 1978 Fernsehgeschichte schrieb. Auch wenn manche Kritiker Chomsky eine Trivialisierung des Themas vorwarfen, war die Wirkung dieses Filmes doch enorm; er bereitete späteren Werken wie „Schindlers Liste“ oder „Der Pianist“ den Weg. Zum ersten Mal wurde den unzähligen namenlosen Opfern eine Identität verliehen: die der jüdischen Familie Weiss. Es spielen spätere Hollywood-Stars wie Meryl Streep, James Woods und Michael Moriarty.

          Dienstag, 25. Januar

          BR, Drama, 21.45 Uhr: Epsteins Nacht

          Filme über den Holocaust kennen gemeinhin klare Unterscheidungen: die Täter sind die Bösen, die Opfer die Guten. Urs Egger und sein Drehbuchautor Jens Urban wagen in ihrem Film aus dem Jahr 2001 einen kühnen Schritt über das Schema hinaus. Der Täter, einst Mitglied der SS-Wachmannschaft in Majdanek, versteckt sich nach dem Krieg im Schafsgewand eines katholischen Pfarrers, den seine Gemeinde liebt. Eines seiner Opfer aber, Jochen Epstein (Mario Adorf), hat sich mitschuldig gemacht am Leiden, vielleicht sogar am Tod anderer Häftlinge und greift zur Selbstjustiz, damit niemand mehr daran erinnern kann.

          Erst die Schauspieler geben dieser Dekonstruktion gewohnter Stereotypen eine realistische Grundierung. Bruno Ganz duckt sich in der Rolle des verstörten Adam Rose. Mario Adorfs Epstein spielt die Spannung zwischen Rachewunsch und Verzweiflung kräftig aus, während Otto Tausigs maßvoller Auftritt am ehesten dem Bild entspricht, das man sich von einem jüdischen Überlebenden macht. Günter Lamprecht nimmt durch die Mühe für sich ein, den falschen Priester nicht völlig der Würde zu entkleiden, die dieser sich in vier Nachkriegsjahrzehnten zuzulegen versuchte.

          NDR, Dokumentation, 22.15 Uhr: Sklaven der Gaskammer

          Henryk Mandelbaum unternimmt eine Reise nach Rom. Er besucht einen Freund, wie ihn nicht jeder hat. „Freunde aus der Hölle gibt es halt selten“, sagt er. Nur 80 Menschen haben diese Hölle überlebt, die Hölle, die es bedeutete, in Auschwitz-Birkenau zum Sonderkommando zu gehören, welches die Leichen aus den Gaskammern zum Krematorium zu schleppen, sie zu fleddern und hernach in die Öfen zu schieben hatte. Die unfaßbare Grausamkeit des Geschehens wird in Eric Friedlers ruhigem Film offenbar, der in der Montage von Gesprächen, Aufnahmen aus Auschwitz und Bildern ehemaliger Häftlinge einen besonderen, getragenen Rhythmus und eine Bildsprache findet, die zu bewegen vermag wie vielleicht die Gemälde von Chagall.

          Arte, Dokumentation, 22.20 Uhr: Hollywood und der Holocaust

          Daniel Anker zeigt auf, mit welchen Mitteln sich das Hollywoodkino des Völkermords an den Juden angenommen hat, und spricht mit Insidern wie Steven Spielberg, Gene Hackman oder Sidney Lumet.

          Mittwoch, 26. Januar

          BR, Drama, 21.45 Uhr: In einem anderen Leben

          Die deutschstämmige Sintiza Lena rettet sich aus dem KZ Auschwitz in ein Lazarett für Wehrmachtsangehörige. Ein Soldat verliebt sich in sie, und gemeinsam wagen sie die Flucht durchs winterliche Polen. Drama von Manuel Siebenmann mit Sabrina White und Max von Thun.

          3sat, Drama, 22.25 Uhr: Gebürtig

          Der erfolgreiche Komponist Hermann Gebirtig, gespielt von Peter Simonischek, mit Bildern seiner Kindheit, mit der Erinnerung an die Deportation und Ermordung der Eltern konfrontiert. Ähnlich wie die Romanvorlage von Robert Schindel wartet auch der Film aus dem Jahr 2002, bei dem der Autor zusammen mit Lukas Stepanik Regie führte, zunächst mit verwirrend vielen Personen, Lebensläufen und Handlungssträngen auf, die nebeneinanderher laufen und sich gelegentlich unvermittelt kreuzen, bevor sie am Ende in unterschiedliche Richtungen abbiegen.

          Für den Film wurde die Handlung geradliniger gezeichnet. Die Sprache jedoch wollte man in den Dialogen beibehalten, was nicht immer geglückt ist. Wie der Roman versteht es jedoch auch der Film, das Schmerzliche aufblitzen zu lassen, ohne es auszukosten, sich der Vergangenheit zu widmen, ohne sich ihr zu beugen, und so ein Hauptanliegen des Buchs in Bilder zu fassen.

          WDR, Drama, 23.15 Uhr: Claire - Sich erinnern an die schönen Dinge

          Claire Poussin (Isabelle Carré) ist erst um die Dreißig, aber wie ein schleichendes Gift nagt das Vergessen an ihrem Gehirn. Mit den Wörtern entfallen die Dinge. Was gestern war, verschwimmt im Nebel, ebenso der heutige Tag. Die Regisseurin Zabou Breitman sieht den hoffnungslosen Fall dieser autosomatischen Erkrankung, für die sie in Frankreich ganze fünf Vorbilder gefunden hat, mit einem fröhlichen Unterton.

          Man kann, so ihre These, auch auf der Schattenseite des Lebens noch Liebe schenken und empfangen. Der Regisseurin ist ein leichter, aber keineswegs bloß amüsanter Film gelungen, dessen Stil genügend sperrig ist, um den Ernst des Themas nicht vergessen zu lassen. Dafür sorgen allein schon die Darsteller, die mit bitterer Miene antreten, bis dann die Romantik über die Tristesse siegen darf.

          ARD, Dokumentation, 23.30 Uhr: Drei deutsche Mörder

          1978 sprach Ebbo Demant mit den im Auschwitz-Prozeß verurteilten Oswald Kaduk, Josef Erber und Josef Klehr. Ihre Aussagen wurden in diesem Film aus dem Jahr 1999 neu zusammengestellt.

          Donnerstag, 27. Januar

          ARD, Feier, 14.03 Uhr: Gedenkveranstaltung

          Die ARD überträgt live die Gedenkfeier zur Auschwitz-Befreiung heute vor sechzig Jahren. Gerhard Schröder, Wladimir Putin und andere Staatsmänner sind nach Polen gereist.

          Freitag, 28. Januar

          Arte, Drama, 20.40 Uhr: Solino

          Dritter Spielfilm des Berlinale-Siegers Fatih Akin („Gegen die Wand“) aus dem Jahr 2002. Es ist das Generationenporträt einer italienischen Gastarbeiterfamilie, die 1964 von Apulien nach Duisburg kommt, dort ihre Söhne großzieht, schließlich zerfällt und sich in einen nordrhein-westfälischen und einen apulischen Zweig spaltet. Die Geschichte beginnt im Mezzogiorno-Städtchen Solino, wo Gigi (Barnaby Metschurat), der jüngere der beiden Amato-Brüder, aus Anlaß seiner Hochzeit seinen Dokumentarfilm „Dat iss jetz wech“ vorführt.

          Auch Bruder Giancarlo (Moritz Bleibtreu) ist aus Deutschland angereist, und in Rückblenden erfahren wir, wie die beiden dort einst um die Liebe der blonden Jo (Patrycia Ziolkowska) gerungen haben. Für die Dreharbeiten hat Akin ein ehemals italienisches, heute von Türken bewohntes Duisburger Wohnquartier teilweise neu streichen lassen. Bei der Renovierung hat sich mit der Patina offenbar auch die historische Substanz verflüchtigt. „40 Quadratmeter Deutschland“ und „Kurz und schmerzlos“ waren kleine Filme mit hohem Wahrheitsgehalt, „Solino“ ist ein Großfilm mit Perücke und falschem Zungenschlag.

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