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Fernsehwoche, 21. bis 27. August : Rückzug und Flucht

  • Aktualisiert am

Herr der Steine, des Eises und des Laubs: Andy Goldsworthy Bild: SWR/WDR/ARTE

Flucht vor der nationalsozialistischen Verfolgung oder vor der Polizei, Rückzug ins Schweigen oder in die Kunst: Die Fernsehempfehlungen dieser Woche zeigen Menschen in Bewegung.

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          Flucht vor der nationalsozialistischen Verfolgung oder vor der Polizei, Rückzug ins Schweigen oder in die Kunst: Die Fernsehempfehlungen dieser Woche zeigen Menschen in Bewegung.

          Samstag, 21. August

          Arte, Porträt, 19 Uhr: Marcel Reich-Ranicki - Mein Leben

          Reich-Ranickis literaturkritische Arbeiten für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und im „Literarischen Quartett“ sind bekannt, ebenso seine Verdienste um die Literatur und, dank seiner Autobiografie, die der heute 84jährige vor fünf Jahren veröffentlicht hat, auch die Geschichte seiner Kindheit in Polen und Berlin, seiner Flucht aus dem Warschauer Ghetto und Ende der Fünfziger nach Deutschland. Für ihr filmisches Porträt hat der Grandseigneur der Literaturkritik der Regisseurin Diane von Wrede die Wohnungstür geöffnet. Mit ihr können die Zuschauer einen Blick in das heutige Leben der Eheleute Teofila und Marcel Reich-Ranicki werfen, ins Arbeitszimmer des Unermüdlichen und auf einige Höhepunkte des „Literarischen Quartetts“.

          Sonntag, 22 August

          3Sat, Dokumentation, 21.15 Uhr: Der Stillschweiger

          Der Vater hatte ihm verboten Künstler zu werden. Da verstopfte sich Rainer Herpel die Ohren und hörte auf zu sprechen. Fast 30 Jahre lang hat er geschwiegen, bis sein Vater gestorben ist. Gemalt hat er in dieser Zeit und die Werke, deren Bekanntheit wächst, mit dem Namen „Iwan Smith“ signiert. Gut, daß „Der Stillschweiger“ kein Spielfilm aus Hollywood ist, sondern ein Dokumentarfilm aus heimischer Produktion. Kirsten Glauner und Klaus Antes haben mit dem Künstler über das Schweigen gesprochen, über seinen Vater, die Kunst und das Leben selbst.

          Montag, 23. August

          ZDF, Spielfilm, 20.15 Uhr: Das Zimmer meines Sohnes

          Eigentlich hatte Giovanni mit seinem Sohn joggen gehen wollen, aber dann fährt der Psychiater doch zu einem seiner Patienten, der sich mit Selbstmordgedanken trägt und ihn angerufen hat. Andrea, sein Sohn, unternimmt mit Freunden einen Tauchausflug. Als Giovanni von seinem Patientenbesuch zurückkehrt, ist Andrea tot, beim Tauchen ertrunken. In "Das Zimmer meines Sohnes" geht es um die ganze Dauer des Lebens vor und nach dem zentralen Ereignis. Es geht um das Zimmer, das in der gemeinsamen Wohnung dem Sohn gehörte, aber es geht auch um das Zimmer des Vaters, in dem er den Geschichten seiner Patienten lauscht; um das Schlafzimmer, in dem die Geschichte seiner Ehe spielt; um das Wohnzimmer, die Küche und den Raum, der alle diese Zimmer umschließt, die Welt. Worum es nicht geht in diesem Film, der 2001 in Cannes die Goldene Palme gewann: Es geht nicht darum, den Zuschauer zu überwältigen. Er soll sich herantasten, heranfühlen an diese fremde Welt, die seine eigene ist.

          Dienstag, 24. August

          Arte, Spielfilm, 22.45 Uhr: Die innere Sicherheit

          Was Hans und Clara in Deutschland getan haben, reicht auch jetzt noch, fünfzehn Jahre nach ihrer Flucht, aus, die beiden für lange Zeit hinter Gitter zu bringen. Mit ihrer jugendlichen Tochter leben sie in Portugal, fast wie eine normale Familie. In Brasilien, wohin die drei bald ausreisen wollen, soll ihr Leben noch normaler werden. Doch erst wird die Tochter in einem Strandcafé von einem Jungen angesprochen, dann rauben Einbrecher die Wohnung der Deutschen aus, und die Polizei findet eine Waffe. Die Flucht beginnt abermals. In Deutschland endet sie mit einem polizeilichen Zugriff. Christian Petzolds Spielfilm gewann 2001 den Deutschen Filmpreis in Gold.

          Mittwoch, 25. August

          Arte, Dokumentation, 19 Uhr: Höher größer breiter - Chinas neue Welt

          Shanghai, Hafenstadt an der Jangtse-Mündung, mit über 14 Millionen Einwohnern eine der boomenden Großstädte Chinas. Die Spannungen zwischen chinesischer Tradition und Globalisierungsmoderne, kommunistischem System und kapitalistischer Dynamik, Eigenwilligkeit und Öffnung Chinas lassen sich hier besonders gut beobachten. Und das macht Dirk Steffens in diesem Dokumentarfilm, der an diesem Mittwoch zum ersten Mal gezeigt wird, dann auch.

          Donnerstag, 26. August

          SWR, Dokumentarfilm, 23.15 Uhr: Fluß der Zeit

          Er sortiert Blätter der Farbe nach zu wunderschönen Collage, läßt Eiszapfen aneinanderfrieren, flechtet mit Stockwerk im knietiefen Wasser und legt aus zerbrochenen Steinen scharfe Kanten. Mit seinen Arbeiten mit Naturmaterialien, in zahlreichen Fotobänden dokumentiert, hat sich Andy Goldsworthy weltweit einen Namen gemacht. So ewig seine Werkstoffe, so vergänglich ist seine Kunst selbst: Die Schneeschmelze, ein Windstoß, ein Vorübergehender oder die steigende Flut können sie zunichtemachen. Wie Andy Goldsworthy seine Kunst gemacht hat, wird meist klar, wenn man die Fotos sieht, die seine Werke dokumentieren. Wie es wohl ist, sie zu machen, fragt sich jeder, der sie sieht. In vier Jahreszeiten und in vier Ländern hat das Team um den Dokumentarfilmer Thomas Riedelsheimer den Künstler begleitet. Das erste Mal, daß Goldsworthy jemandem erlaubt hat, seine Arbeit über einen langen Zeitraum filmisch zu beobachten.

          Freitag, 27. August

          Vox, Fernsehfilm, 20.15 Uhr: Anne Frank (1)

          Im Original heißt dieser Zweiteiler „Anne Frank - The Whole Story“, und das nicht ohne Grund. Weil die Rechte der Tagebuchverfilmung bei einem anderen Hollywood-Studio liegen, hat der zum Disney-Konzern gehörende Sender ABC beschlossen, die Biografie der Wiener Autorin Melissa Müller „Das Mädchen Anne Frank“ seinem Film zugrunde zu legen. Die Konsequenz: Nicht nur die Zeit der Tagebucheinträge des jüdischen Mädchens, die am 1. August vor sechzig Jahren enden, drei Tage vor der Verhaftung der Familie, wird in diesem Film erzählt. Er zeigt auch Szenen aus der Zeit, als Familie Frank schon aus Frankfurt nach Amsterdam geflohen ist, dort aber noch, vor der deutschen Besetzung der Niederlande, ein ganz normales Leben führt. Und er begleitet Anne Frank ins Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo die Fünfzehnjährige 1945 an Typhus und Erschöpfung stirbt. Am Samstag zeigt Vox den zweiten Teil.

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