https://www.faz.net/-gqz-ouiv

Fernsehwoche, 19. bis 25. Juni : Mastschweine und trunkene Pferde

  • Aktualisiert am

Jenseits von Wolfsburg: Nina Hoss, Benno Fürmann Bild: AP

Wer vom Fußball genug hat, kann sich in dieser Fernsehwoche mit anspruchsvollen Spielfilmen ablenken, muß aber mitunter lange wachbleiben. Unter anderem im Programm: Christian Petzolds „Wolfsburg“.

          4 Min.

          Wer vom Fußball genug hat, kann sich in dieser Fernsehwoche mit zahlreichen anspruchsvollen Spielfilmen ablenken, muß dafür aber mitunter lange wachbleiben. Unter anderem im Programm: Christian Petzolds „Wolfsburg“. Der Überblick von FAZ.NET.

          Samstag, 19. Juni

          RTL 2, Drama, 22.05 Uhr: Lost and Delirious

          Es beginnt wie schon hundertfach gesehene Internatsfilme. Doch Léa Pools Film aus dem Jahr 2001 ist vielmehr ein Drama des Verrats, der elementaren Erschütterung und unverzeihlichen Enttäuschung, das zwingend in der Tragödie enden muß. Als sie mit ihrer Freundin Pauline im Bett erwischt wird, verleugnet die junge Tory von einem Moment auf den anderen alle Liebesschwüre von einst, hält die Freundin auf Distanz, ja, schneidet sie richtiggehend und wirft sich einem Alibijungen von der Schule nebenan an die entblößte Brust, den sie vorher nur mit Verachtung strafen mochte. Ohne Ausflüchte spielt der Film die bald an einen Amoklauf grenzenden Versuche Paulines durch, die Freundin zur Vertrautheit wie früher zu bekehren. Vor allem Piper Perabo hetzt sich in eine Emphase, ja Wut, die Pauline ganz außer sich bringt, schauspielerisch aber nie als bloß wild und ungezügelt erscheint.

          Sonntag, 20. Juni

          3sat, Dokumentation, 18.30 Uhr: Kino Kino extra. Hakenkreuz und Einschaltquote

          Heinrich Breloer hat mit Verblüffung festgestellt, daß in Film und Fernsehen „geradezu eine Art Nazi-Olympiade ausbricht“: Etliche Filme aus Deutschland bemühen sich um eine Auseinandersetzung mit den Jahren unter Hitler. Carlos Gerstenhauer und Matthias Leybrand wollen in ihrem Film untersuchen, wie sich die Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich von der Nachkriegszeit bis heute im Film und in der Öffentlichkeit verändert hat.

          ARD, Kriegsdrama, 23.50 Uhr: Wer mit dem Teufel reitet

          Ang Lee gelingt es in diesem Film von 1999, das Selbstverständliche so zu inszenieren und anzuschauen, als sähe er es zum ersten Mal. Der amerikanische Bürgerkrieg, im Kino gewöhnlich ein Gewoge feldgrauer und -blauer Massen, die einander an die Schnauzbärte gehen, wird bei Lee zu einer Erfahrung geteilter Einsamkeit. Der Film war in Amerika ein kommerzieller Mißerfolg, und wenn man sieht, wie Lee das historisch belegte Massaker an den Einwohnern der Stadt Lawrence, Kansas, inszeniert hat, versteht man, warum. Da werden Amerikaner von Amerikanern mit Kopfschüssen liquidiert, in den Straßen türmen sich die Leichen, und die Skalpjäger verrichten ihr widerliches Geschäft. Der Film verstößt gegen die Tabus des amerikanischen Mythos und hat eine komplizierte Wahrhaftigkeit, die ihn aus den üblichen Geschichtserzählungen Hollywoods heraushebt. Man erfährt viel über Amerika bei Ang Lee, dem Taiwanesen aus New York.

          Montag, 21. Juni

          WDR, Drama, 23.15 Uhr: Intimacy

          Patrice Chéreaus Film aus dem Jahr 2001 hat alles, was Bertoluccis „Letzter Tango in Paris“ einst besaß: die Gesten, die Sprüche, den Sound, die Nacktheit, den Geruch von Skandal. Es ist ein Spätwerk, das mit der Vehemenz eines Schlußworts auftritt: So war es, so ist es, so wird es bleiben. Ein graues, vergammeltes Apartment im Süden Londons, darin ein Mann (Mark Rylance), schlecht rasiert, Mitte Vierzig, gelichtete Stirn. Er wartet. Eine Frau (Kerry Fox) kommt, auch sie nicht mehr jung, und die beiden fallen übereinander her, wortlos und hastig; dann zieht die Frau sich an und geht. Was immer da geschieht, es wird nicht gut ausgehen, soviel ist klar; denn die Verabredung lautete ja gerade, daß nichts passieren dürfe, was der Welt da draußen, dem täglichen Leben der Menschen irgendwie ähnlich sähe. Am aufregendsten sind in „Intimacy“ gerade jene kurzen Momente, in denen die Kamera auf jede Rhetorik verzichtet und bloß registriert, was geschieht. „Intimacy“ trägt den Goldenen Bären der Berlinale zu Recht, aber von den Abgründen der Intimität, wie sie Oshimas Meisterwerk „Im Reich der Sinne“ einst ausgemessen hat, spürt man in diesem Film kaum einen Hauch.

          Weitere Themen

          Was ist schon ein Thriller gegen eine Pandemie?

          Filmfest Toronto 2021 : Was ist schon ein Thriller gegen eine Pandemie?

          Das Filmfest von Toronto ist auch für die Märkte eins der größten – zum zweiten Mal ging es jetzt ganz neue Wege. „The Guilty“ von Antoine Fuqua zeigt die Präsenz der Streamer, Barry Levinsons „The Survivor“ zielt noch auf das große Kino.

          Topmeldungen

          Hans-Georg Maaßen Anfang September in Benshauen

          Campact gegen Maaßen : Was ist erlaubt, um einen Kandidaten zu verhindern?

          Damit Hans-Georg Maaßen nicht für die CDU in den Bundestag einzieht, verlangt die Organisation Campact, dass alle den SPD-Kandidaten im Wahlkreis unterstützen. Bei der Linkspartei kommt das gar nicht gut an.
          Wieder mehr USA-Flüge: Vor Corona waren sie Umsatzgarant für Lufthansa.

          Grenzöffnung ab November : Wo die Tücken auf USA-Reisen liegen

          Die Wirtschaft jubelt über die endlich angekündigte Grenzöffnung der USA. Doch für Touristen sind noch einige Fragen offen – zum Beispiel das Reisen mit Kindern. Die Probleme sind allerdings klein im Vergleich zu Reisen nach China.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.